Statistische Landesamt

Zahl der Komasäufer im Kreis ist leicht gesunken

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Kreis RE - 209 junge Komasäufer wurden 2017 in Krankenhäuser eingeliefert. Die Drogenberatung will das Selbstbewusstsein der Jugendlichen stärken.

Die Zahl der jungen Komasäufer im Kreis Recklinghausen ist im vergangenen Jahr leicht gesunken: 2017 wurden 209 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren aufgrund einer akuten Alkoholvergiftung in Krankenhäusern des Kreises behandelt – im Jahr 2016 waen es 231 gewesen. Das hat jetzt das Statistische Landesamt mitgeteilt. Eine Trendwende ist daraus allerdings nach Experteneinschätzung noch nicht abzulesen. Tatsächlich bewegt sich die Zahl junger Komasäufer im Kreis seit zehn Jahren mit leichten Zu- und Abnahmen zwischen 194 und 237.

Dr. Martin Meyer warnt vor den Gefahren, die jugendlichen Komasäufern drohen: „In diesem Alter reagiert der Stoffwechsel anders als bei Erwachsenen. So kann es schon bei wesentlich geringeren Alkoholmengen zu lebensbedrohlichen Situationen kommen“, erläutert der medizinische Direktor der Dattelner Kinder- und Jugendklinik. Dort werden jedes Jahr einige Dutzend alkoholvergiftete Jugendliche eingeliefert. Und Martin Meyer nennt eine Vielzahl möglicher Folgen des Komatrinkens – von akut lebensbedrohlichem Atemstillstand und Unterzuckerung mit Krampfanfällen bis zu Gehirnschädigungen sowie Brüchen durch Stürze.

Ursachen und Gründe fürs Komatrinken

Beate Röhrich von der Drogenberatung Recklinghausen und Ostvest (DROB) berichtet neben den organischen Ursachen von weiteren Gründen für die Gefahr des jugendlichen Komatrinkens. „Es geht hier oft um das Erleben von Grenzerfahrungen, einen guten Kick, auch Gruppendruck. Hinzu kommt, dass Jugendliche den Umgang mit Alkohol noch nicht erlernt haben.“

Einen wichtigen Ansatzpunkt gegen das Komasaufen sieht die Expertin von der Fachstelle Suchtberatung darin, das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen zu stärken: „Ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl, gutes Bewältigen von Konflikten in schwierigen Situationen – das sind Schutzfaktoren gegen das Komasaufen.“ Motto: Eigenständige, selbstbewusste Persönlichkeiten fügen sich selbst keinen Schaden zu. Beate Röhrich nennt verschiedene Maßnahmen der DROB, um das Komasaufen bei Kindern und Jugendlichen zu verhindern:

  1. Es werden regelmäßig Veranstaltungen in Schulen durchgeführt. Mit Hilfe eines „Alkoholparcours“ wird dabei spielerisch auf Gefahren durch Alkohol und auf alternatives Verhalten hingewiesen. Das reicht von der Rauschbrille, die einen Vollrausch simuliert und die Hilflosigkeit einer betrunkenen Person vor Augen führt, bis zum Film, in dem es um rechtliche Konsequenzen einer Rollerfahrt unter Alkoholeinfluss geht.
  2. In Zusammenarbeit mit der Vestischen Kinderklinik führt die DROB das Projekt „HaLT“ („Hart am Limit“) durch. Hier wird mit Jugendlichen, die wegen einer Alkoholvergiftung in die Kinderklinik gebracht wurden, sowie mit deren Eltern gesprochen. Es geht um die Ursachen des Komasaufens, auch um das Erlernen eines genussvollen Umgangs mit Alkohol.
  3. Anonyme und kostenlose Beratungen zum Thema Komasaufen bieten die Einrichtungen und Hilfssysteme Drogenberatungen Ostvest und Westvest.

Drogenberatung Recklinghausen und Ostvest: Recklinghausen, Kaiserwall 34, ( 02361/36022 Drogenberatung Westvest: Marl, Zeppelinstr. 3, ( 02365/17443

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