Nur wenige Armenier hatten sich auf dem Husemannplatz eingefunden. Die Organisatoren begründeten dies mit der Absage des türkischen Ministerpräsidenten Foto: Aschwer
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Nur wenige Armenier hatten sich auf dem Husemannplatz eingefunden. Die Organisatoren begründeten dies mit der Absage des türkischen Ministerpräsidenten Foto: Aschwer

Steiger Award

Friedlicher Protest gegen Erdogan

Bochum - Polizeihubschrauber kreisen über Bochum. Allein 22.000 Aleviten hatten sich zum Protest gegen die Verleihung des Steiger Awards an den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan im Rewirpower-Stadion versammelt. Während sie zum Stadion marschieren, blieb es in der Innenstadt ruhig.

Am Hauptbahnhof und in der Innenstadt haben sich die Hundertschaften schon früh am Tag aufgestellt. Auch am Stadion an der Castroper Straße jedoch war Polizeipräsenz gefragt: Rund 26.000 Aleviten protestieren dort friedlich, aber sehr entschlossen gegen Ministerpräsident Erdogan.

Ali Dogan, Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AGD) sagte in seiner emotionalen Eröffnungsrede, er gehe davon aus, dass Erdogan die Gründe für seine Absage nur vorgeschoben habe. "Ich bin fest davon überzeugt, dass der Protest seine Wirkung nicht verfehlt hat."

Am Freitag hatte Steiger-Award-Initiator Sascha Hellen auf der Internetseite des Preises Erdogans Absage bekannt gegeben. Als Grund nannte man dort den Absturz eines türkischen Militärhubschraubers in Afghanistan.

15.34 Uhr: Konzentration auf das Stadion

Statt der erwarteten 500 Teilnehmer fanden sich bis kurz nach 15 Uhr nur eine Handvoll Armenier und Assyrer auf dem Husemannplatz ein. Sie begründeten ihren Protest gegen den türkischen Ministerpräsidenten damit, dass er die Politik der Diskriminierung fortsetzt. Gleichzeitig erinnerten sie an den Völkermord mit rund 1,5 Millionen getöteten Armeniern und 500.000 Assyrern.

Zwar hatte sich für 15 Uhr das Bündnis gegen Antisemitismus auf dem Dr.-Ruer-Platz angesagt, doch blieb die Demonstration offenbar aus. Die Polizei hat schon Fahrzeug abgezogen. Ein völlig anderes Bild bietet sich am Stadion. 30 Reisebusse mit rund 1500 alevitischen Demonstranten sind dort auf der verzweifelten Suche nach einem Parkplatz. Das Gebiet dort ist wegen des Protests vollkommen ausgelastet.

15.41 Uhr: Solidaritätserklärung

Andrej Hunko, MdB Die Linke, hat bei der alevitischen Protestveranstaltung im Stadion solidarisch mit den Demonstranten erklärt und begrüßte die Kundgebung gegen die Preisverleihung an Erdogan. Währenddessen kreisen über der gesamten Stadt Polizeihubschrauber.

15.50 Uhr: Positive Zwischenbilanz

Nach Angaben der Polizei sollen 22.000 Aleviten im Rewirpower-Stadion demonstrieren. Von einer "sehr ruhigen Veranstaltung" spricht Marco Bischof von der Bochumer Polizei. Zwischenfälle seien bisher nicht bekannt geworden. In Kürze werde der Demonstrationszug beginnen.

15:54 Uhr: Alevitischer Demonstrationszug

Der Protestzug setzt sich vom Stadion aus in Bewegung. An seiner Spitze tragen Demonstranten einen schwarzen Trauerkranz, "Hier werden Menschenrechte verSteigert" steht darauf geschrieben. Auch in den Sprechchöre gibt es immer wieder Wortspiele und Anspielungen auf den Namen des Preises. Zudem nehmen die Demonstranten Gerhard Schröder in die Kritik. Der ehemalige Bundeskanzler sollte die Rede zur Preisverleihung halten.

16.04 Uhr: Straßen gesperrt

Wegen des Demonstrationszuges sperrt die Polizei den Bereich Castroper Straße/Große Beckstraße/Nordring ab. Während anfangs noch einzelne Fahrzeuge durchgelassen wurden, ist derzeit alles abgeriegelt wegen der großen Menschenmasse.

16:11 Uhr: Türkische Soizaldemokraten und Armenier

Auf dem Platz des Europäischen Versprechens in der Innenstadt hat die Föderation Türkischer Sozialdemokraten Position bezogen. Zwar sind es weniger als 50 Demonstranten und ebenso viele Polizisten. Doch halten sie Schilder in die Luft, worauf sie ihre negative Einstellung gegenüber Erdogan deutlich machen.

Schwere Vorwürfe gegen Erdogan werden auch bei der Kundgebung der Armenier am Husemannplatz laut. Sie üben deutliche Kritik an dem Ministerpräsidenten.

16:27 Uhr: Zehntausende marschieren

Einem Lautsprecherwagen folgend sind zehntausende Aleviten unterwegs vom Stadion über den Nordring zum Bergbaumuseum. Nach eigenen Angaben seien 50.000 Menschen unterwegs, die Polizei bestätigt diese Zahl allerdings nicht. Fest steht jedoch, dass so viele Demonstranten unterwegs sind, dass die ersten bereits das Museum erreicht haben, während die letzten am Stadion noch gar nicht losgegangen sind.

16:38 Uhr: Kurzzeitig falsche Strecke

Nach kurzer Verwirrung ist der gesamte Zug wieder gemeinsam auf der richtigen Strecke unterwegs. Die Spitze des Marsche war offenbar kurz vorm Ziel falsch abgebogen. Die Menschen laufen zu Musik, Sprechchören und Pfiffen. Zwar geben sie sich kampfeslustig und recken Fäuste in die Luft und zeigen das Victory-Zeichen, doch ist die Atmosphäre eher positiv aufgeladen.

16.50 Uhr: Lauter Protest der Kurden

700 Kurden ziehen derzeit mit Protestrufen über die Rottstraße. Ihre lautstarken Sprechchöre sind bis in die Fußgängerzone zu hören. Der Zug wird von einem Wagen angeführt, von dem aus ein Sprecher die Rufe anführt. Einige Demonstranten tragen kleine Papp-Särge mit sich. Sie prangern Menschrechts- und Pressefreiheitsverletzungen in der Türkei an Die eine Spur des Südrings ist komplett gesperrt. Die Einsatzkräfte der Polizei, die den Zug begleiten, sind schwer bewaffnet. Die Stimmung ist aufgeheizt.

19.14 Uhr: Ruhiges Ende

Schließlich haben sich alle Demonstrationen friedlich aufgelöst, Zwischenfälle sind nicht bekannt geworden. Neben verschiedenen anderen Redner sprach , Die Linke, übte Kritik an Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz', die ein Grußwort beim Steiger Award gesprochen hat sowie an den Ordnungskräften, die nicht zugelassen hätten, dass Demonstranten in Hörweite der Jahrhunderthalle kommen.

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