Stufen an der Postfiliale

Rollstuhlfahrer kann seine Pakete nicht abgeben

MENGEDE. - Wöchentlich bringt Wolfram Schäfer Pakete zur Postfiliale Mengede. Bis zum Schalter schafft es der Rollstuhlfahrer aber nicht - zwei Stufen bremsen ihn aus. Schäfer fordert den Einbau einer behindertengerechten Rampe.

Seit zwei Jahren wohnt Wolfram Schäfer mit seiner Frau in Mengede. Mitten im Zentrum. Beide sind schnell heimisch geworden, vor allem der schöne Ortskern gefällt ihnen richtig gut. Aber wie so oft im Leben gibt es doch einen Haken. In diesem Fall sind das zwei Stufen. Zwei Stufen, die in die Mengeder Postfiliale führen - und Wolfram Schäfer regelmäßig ausbremsen, wenn er Pakete aufgeben möchte. Denn der 57-Jährige leidet unter Multipler Sklerose und ist auf einen Rollstuhl angewiesen.

Die Post ist eine öffentliche Stelle und muss öffentlich zugänglich sein

Deshalb fordert der Privatlehrer einen behindertengerechten Eingang - also eine sanft nach oben führende Rampe, über die er problemlos in die Posträume gelangen könnte. "Die Post ist eine öffentliche Stelle und muss öffentlich zugänglich sein. Das fordere ich nicht nur für mich, sondern für alle, die auf einen Rollstuhl oder einen Rollator angewiesen sind."

Volles Verständnis für sein Anliegen hat Mehmet Dogan, der die Postfiliale an der Mengeder Straße 717 betreibt. Bis vor Kurzem hat er versucht, das Problem mit einer mobilen Rampe zu lösen - die über eine Schelle beim Personal angefordert werden konnte. "Die war total ungeeignet. Zwei Mal habe ich sie getestet. Entweder setzte ich mit meinen Fußstützen vom Rollstuhl auf, oder ich machte einen Kickstart", sagt Wolfram Schäfer. Und die Klingel sei zudem viel zu hoch angebracht worden.

Die mobile Rampe ist Geschichte

Aber die mobile Rampe ist ohnehin Geschichte. Kürzlich sei darauf eine Kundin gestürzt und fordere nun 150 Euro Schadenersatz für ihre kaputte Hose, berichtet Mehmet Dogan. Helfen möchte er Wolfram Schäfer aber weiterhin. Deshalb hat er seinen Vermieter Manfred Jäger auf den Einbau einer behindertengerechten Rampe vor dem Eingang angesprochen.

"Das haben wir vor zehn Jahren schon einmal versucht. Doch die Rampe würde zu weit in den Gehweg hineinragen, deshalb haben wir dafür keine Erlaubnis erhalten", berichtet Manfred Jäger im Gespräch mit dieser Redaktion.

Kunden können in der Postfiliale anrufen

Und was nun? Wie kann Wolfram Schäfer geholfen werden? "Ich mache Herrn Schäfer und allen Kunden mit Rollator und Rollstuhl das Angebot, dass sie ihren Besuch in der Postfiliale telefonisch anmelden. Entweder von zu Hause aus oder mit dem Handy, sobald sie vor der Tür stehen." Seine Mitarbeiter würden dann nach draußen kommen und dort den Kunden bedienen.

Wolfram Schäfer freut sich über das Angebot. "Das Personal war ohnehin immer schon freundlich und hat mir geholfen, nachdem ich mich durch Rufen hatte bemerkbar machen können." Generell sei er aber der Auffassung, so Wolfram Schäfer, dass für behinderte Menschen im öffentlichen Raum in Sachen Barrierefreiheit zu wenig getan werde.

Behindertenbeauftragte: "Jede Barriere ist eine zu viel"

Die Behindertenbeauftragte unserer Stadt, Christiane Vollmer, kann seinen Frust nachvollziehen. "Jede Barriere ist eine zu viel. Sie bedeutet Umwege und manchmal sogar Gefahr für den betroffenen Menschen." In Dortmund seien alle Partner darum bemüht, die Barrierefreiheit zu verbessern. Gerade am Alt-Bestand sei das aber oftmals sehr schwierig. "Im Einzelfall kann es unbefriedigend bleiben."

Christiane Vollmer hat für Mehmet Dogan noch den Tipp, seine mobile Rampe mal von der Wohnanpassungsberatung des Kreuzviertelvereins begutachten zu lassen. Ständig im Einsatz für behinderte und alte Menschen ist auch der Seniorenbeirat - etwa in den Sitzungen der Bezirksvertretungen und an runden Tischen. "Wir haben immer ein Auge auf die Belange behinderter Menschen", sagt der Vorsitzende Franz Kannenberg.

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