Tabaklieferanten beraubt

Serienräuber gesteht vor Gericht: "Das war wie ein Höhenflug"

Brisante Vorwürfe im Prozess um eine Überfallserie auf Tabak-Fahrer im Raum Dortmund: Bei einem Coup in Huckarde soll ein mutmaßliches Opfer angeblich geschauspielert haben.

Geht es nach einem der zwei Hauptangeklagten, dann war der Fahrer des Tobaccoland-Transporters, der am Morgen des 8. Februar 2018 an einer Tankstelle an der Huckarder Straße überfallen worden ist, ein eingeweihter Mittäter.

Im Vorfeld des Coups habe man mehrfach mit dem Fahrer über einen inszenierten Überfall gesprochen und versucht, den Mann zu überreden, mitzumachen, gab der 25-jährige Angeklagte am Montag vor dem Bochumer Landgericht zu.

"Am Ende hat er hundertprozentig ja gesagt und uns sein Wort gegeben, dabei zu sein", so der Angeklagte weiter. Angeblich sei der Fahrer unglaublich scharf auf ein paar Extra-Euro gewesen, um sich damit seine Traumhochzeit zu finanzieren.

Fahrer bekam 50 Prozent der Beute

Am fraglichen Tag soll dann gegen 5.30 Uhr auch alles nach Plan gelaufen sein. Der Fahrer sei morgens zu seinem geparkten Tobaccoland-Transporter gelaufen, der an einer Tankstelle an der Huckarder Straße geparkt gewesen war.

Als er - der 25-Jährige - dann auf ihn zugelaufen sei, habe der Fahrer "geschaupielert, dass er erschrocken ist". Hintergrund war, dass man ganz genau gewusst habe, dass das Gelände der Tankstelle kameraüberwacht ist. "Es sollte halt alles aussehen wie ein echter Raubüberfall", so der Angeklagte.

Von den 12.000 Euro Beute, so der 25-Jährige weiter, seien dem überfallenen Fahrer kurz danach über einen Mittelsmann 6.000 Euro in bar übergeben worden. Ein paar Tage später habe der Faher das Geld dann aber überraschenderweise wieder zurückgeben lassen.

Sechs Überfälle nach gleichem Strickmuster

Rückblick: Angeklagt sind sechs Dortmunder im Alter von 19 bis 27 Jahren. Als Kopf der Bande gilt ein 27 Jahre alter Angeklagter, der bis kurz vor seiner Festnahme im März 2018 Angestellter bei der Firma "Tobaccoland" gewesen ist und so über Insiderwissen verfügte, insbesondere ganz genau wusste, wo die Fahrer der Tabak-Transporter leben und wann sie ihre Schichten beginnen.

Insgesamt geht es vor dem Bochumer Landgericht um sechs Überfalle stets nach gleichem Muster in Dortmund, Waltrop und Dorsten. Alle sechs Angeklagten sind im Prozess weitestgehend geständig. Als Beute hatte es die Täter auf in den Fahrzeugen deponiertes Bargeld sowie Zigarettenstangen abgesehen.

"Wir machen noch Millionen"

Wie im Prozess bekannt wurde, gab es nach den ersten Überfällen bereits einen Verdacht gegen die angeklagte Gruppe und dementsprechend auch abgehörte Telefonate. In einem abgefangenen Handy-Chat-Verkehr gaben sich die Angeklagten nach den ersten Coups beinahe größenwahnsinnig. Der 25-jährige Angeklagte tönte beispielsweise einmal: "Wir machen noch Millionen."

Konfrontiert mit den Nachrichten gab der geständige Serienräuber am Montag zu: "Für mich war das wie ein Höhenflug." Der Prozess wird fortgesetzt.

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