Terrorgefahr: Polizei hat aufgerüstet

Besucher fühlen sich sicher auf Dortmunder Weihnachtsmarkt

Dortmund - Stadt, Polizei und Feuerwehr tun in diesem Jahr alles dafür, die Besucher des Dortmunder Weihnachtsmarktes zu schützen vor eventuellen Terror-Angriffen. Wie aber reagieren die Besucher auf Betonsperren und schwer bewaffnete, patrouillierende Polizisten? Unsere Autorin hat sich umgehört.

Wenn ich ehrlich bin, wären mir die Betonsperren nicht aufgefallen, hätte ich nicht davon in der Zeitung gelesen. Jetzt halte ich gezielt danach Ausschau. Ich bin an der Betenstraße, pinke Markierungen auf dem Boden umgeben die Betonsperren. Darin stehen Tannenbäume, darauf leere Schnapsfläschchen und dahinter fünf große Polizeiwagen. Die Polizisten sitzen darin, der Motor läuft, es ist kalt. Ich gehe auf den Weihnachtsmarkt mit dem Auftrag aus der Redaktion: "Hör' dich mal um, ob die Leute sich sicher fühlen."

Es fühlt sich wie der sprichwörtliche Drahtseilakt an. Wir Medien müssen über Terror und die Sicherheitsmaßnahmen dagegen berichten. Das ist unsere Aufgabe: Aufzuzeigen, was ist und was passiert für alle, die nicht vor Ort sind. Auf der anderen Seite bringt es niemandem etwas, Panik zu verbreiten.

Der Terror mache Angst

"Es erschreckt mich, was ich durch die Medien erfahre. Dieser Terror macht mir Angst", sagt mir eine Dortmunderin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. "Und dann habe ich jetzt mal ganz genau in mich rein gehört, aber wenn ich hier durch die Stadt laufe, habe ich einfach keine Angst. Ich fühle mich hier sicher", sagt sie. Und ich verstehe sie. Kein Wunder bei der Atmosphäre: Es ist Samstag, die Stadt ist voller Menschen mit Einkaufstüten, Familien mit Kindern, und vielen Fußballfans, die wegen des Derbys da sind. Es riecht nach Weihnachtsmarkt, Mandeln, Glühwein und Zuckerwatte - wie immer zu dieser Jahreszeit.

Julian Lesemeister ist mit seinen Freunden aus Dinslaken angereist, um das Spiel zu sehen. Sie stehen an der Almhütte, trinken etwas, lachen und quatschen. "Ich finde die Sicherheitsvorkehrungen voll in Ordnung", sagt der 28-Jährige. "Um den Beton kann ich einfach herumlaufen, und die Polizei stört ja niemanden. Bei Fußballspielen sind die schließlich auch immer da. Für mich ist das kein Mehraufwand, und falls was passieren sollte, ist es gut, wenn die Polizei direkt vor Ort ist."

Das Ziel der Terroristen

Sein Freund Markus (28) schüttelt den Kopf und runzelt die Stirn. "Das Ziel von Terroristen ist es doch nicht, Menschen zu töten, sondern Angst und allgemeine Verunsicherung zu stiften. Je mehr wir dem nachgeben, desto mehr haben sie ihr Ziel erreicht. Natürlich ist es furchtbar, was da auf dem Berliner Weihnachtsmarkt passiert ist. Nur, die Terroristen sehen ja auch die Betonsperren und die Polizei. Wer wirklich etwas machen will, denkt sich dann halt etwas anderes aus. Viel wichtiger wäre es, präventive Maßnahmen zu ergreifen. Das ist wie im Stadion, wenn da einer das Taschenmesser erst mal reingebracht hat, ist es schon zu spät."

Viele Weihnachtsmarktbesucher diskutieren derweil eher über den Spielausgang oder darüber, welcher Schal die schönere Farbe hat. An einer der vielen Zuckerbuden, wo es nach Mandeln duftet, treffe ich Franziska (24), die mit ihrer Mutter und einer befreundeten Familie aus dem "Ländlichen", wie sie sagt, nach Dortmund gekommen ist. Aus Angst zu Hause bleiben? Kommt für sie nicht in Frage: "Es kann überall etwas passieren, ob man nun herkommt oder nicht", sagt sie. "Trotzdem ist es eine Beruhigung, die Polizei zu sehen", findet ihre Mutter Maria (52). "Ich glaube zwar nicht, dass die wirklich was verhindern können, aber man fühlt sich trotzdem irgendwie sicherer."

Taschen durchsehen

Geht es hier also gar nicht um wirkliche Sicherheit, sondern nur um den richtigen Eindruck? "Wenn es um wirkliche Sicherheit gehen würde, müsste man doch Einlasskontrollen machen und alle Taschen durchsehen", sagt Freundin Brigitte (55). "Aber so für das Gefühl ist es schon gut, dass mehr Polizei da ist."

Alfred Ott (63) vom Mutzenstand ist darüber nicht so begeistert. "Wir sehen die Präsenz, aber können es ja nicht ändern. Ich persönlich finde das schlimm, dass die so schwer ausgestattet hier ankommen mit den ganzen Waffen. Ich weiß nicht, da kann ja alles Mögliche passieren."

Vor ihm brutzeln die Mutzen im Fett, die nächsten Kunden warten schon. Während ich zurück zur Redaktion gehe, laufe ich durch die klassischen Selfies: Hauptsache der Baum ist mit drauf. Auch, wenn immer etwas passieren kann: Das wird nicht mein letzter Rundgang über den Weihnachtsmarkt gewesen sein. Wir sehen uns bei den gebrannten Mandeln.

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