Theater Dortmund

In Xin Peng Wangs neuem Ballett "Inferno" gehen die Tänzer durch die Hölle

"Fühl´ die Hölle", das ist der Gedanke, den Xin Peng Wang bei seinem neuen Ballett "Inferno" im Kopf hat. Das verspricht einen eindrucksvollen Abend, der voller Schönheit stecken soll.

Ein Ausflug in die Hölle klingt vielleicht erst einmal wenig einladend für die Zuschauer von Xin Peng Wangs neuem Ballett (Premiere am 3. November). Doch die mehrteilige Inszenierung von Dante Aligheris Hauptwerk "Die göttliche Komödie" über drei Spielzeiten verspricht ein einzigartiges Erlebnis.

Beteiligt sind die gesamte Compagnie plus das Juniorballett NRW. Sie tanzen durch Fegefeuer und Verdammnis, um am Ende das Paradies zu blicken. "Schrecken und Schönheit" sollen sich in dieser Aufführung verbinden, sagt der Ballett-Chef. Zu Dantes 700. Todestag 2021 sollen alle drei Teile des Monumentalballetts gemeinsam zu sehen sein.

Reise durch das Jenseits

Anknüpfend an mittelalterliche Vorstellungen vom Jenseits schildert Dante in der Divina Commedia in Ich-Form eine Reise durch die Reiche der Unterwelt: die in neun Kreise unterteilte Hölle (Inferno), das Fegefeuer als Ort der Läuterung (Purgatorio), wo die Seelen derer, denen vergeben wird, spiralförmig durch sieben Bußbezirke zum Paradies aufwärts streben, und schließlich das himmlische Paradies (Paradiso) mit seinen neun Himmelssphären, zu dem die Seelen aufsteigen.

Im ersten Teil des neuen Handlungsballetts, "Inferno", schicken Wang und Ballett-Dramaturg Christian Baier Dante (Javier Aléman), seine geliebte Beatrice (Lucia Lacarra) und seinen Begleiter, den römischen Dichter Vergil (Dann Wilkinson), durch die Höllenkreise. Von Ring zu Ring steigern sich die Qualen, die die armen Sünder erleiden müssen.

Traurig und klagend klingt das Cello beim Wiedersehen Dantes mit seiner früh verstorbenen Jugendliebe Beatrice. Sie treffen sich in einem Wald aus Ketten, in dem sich Dante verloren hat. Das traumhafte Pas-de-deux von Lucia Lacarra und Javier Aléman erzählt viel von Sehnsucht und innerer Zerrissenheit.

Wang ist im August nach Spanien gereist, um es mit den Ballettstars einzustudieren. Lucia Lacarra hielt sich in Madrid auf, wo sie die Leitung des renommierten Victor Ullate Ballets übernimmt. Für die Rolle der Beatrice wird sie aber Dortmund treu bleiben. Dafür arbeitet sie mit dem Ballett-Direktor und Gast-Ballettmeister Cyril Pierre zurzeit in Dortmund am Feinschliff. Pierre selbst tanzt die Rolle des Fährmanns Charon, der die bösen Seelen über den Acheron setzt.

Musik von Michael Gordon

Die Musik stammt von der mehrfach ausgezeichneten australischen Komponistin Kate Moore und Michael Gordon, dem Mitbegründer und künstlerischen Leiter von "Bang on a Can". Sie kommt ausnahmsweise vom Band, wegen des Aufwands und der außergewöhnlichen Besetzung, wie Baier und Wang erklären. Gordons Komposition, rhythmisch, roh und leicht dissonant, treibt die Tänzer geradezu durchs Jenseits. Der Sound stresst und entwickelt dabei trotzdem einen unausweichlichen Sog.

Geführt von dem römischen Dichter Vergil durchquert Dante die Höllenkreise, die für die großen Sünden stehen. Dieses Motiv greift Wang in den Bewegungen auf. "So viele Drehungen gab es noch nie", sagt Christian Baier.

In Dantes Epos taucht am tiefsten Punkt der Hölle der Satan höchstpersönlich auf, ein Ungeheuer, das in seinen Mäulern unaufhörlich schreckliche Sünder zermalmt. Diese Splatter-Motiv erspart das Dortmunder Ballett dem Publikum. Stattdessen gibt es einen sechs Meter hohen betanzbaren Inferno-Turm aus einer Spirale aus Stahl, "eine riesige Höllenschraube", so Baier. Sie taucht bei der letzten Begegnung von Beatrice und Dante auf, "in seiner ganzen brachialen Gewalt".

Seelenstrudel auf einer Wand aus Wasser

Das Entsetzen der Hölle wird hier spürbar, so wie im gesamten Teil I der Göttlichen Komödie. Aber es zeigt sich auch ein Aufwärtsstreben zur Läuterung und zum Paradies, wie es in Teil II und III zu sehen sein wird. Die Schönheit im Schrecken interessiert den Ballettchef. "Sie ist ein Versprechen und Hoffnung."

Diese Verbindung manifestiert sich unter anderem in einer spektakulären Wasserwand, auf die Bühnenbildner Frank Fellmann von hinten die stürzenden Seelen wie in einem Strudel projizieren lassen wird.

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