+
Teures „Vergnügen“ – schon 2014 nahmen Feuerwehrleute auf dem Hof des ADAC-Technikzentrum in Landsberg mit einer hydraulischen Rettungsschere einen BMW i3 auseinander. Auch Tests an einem Opel Ampera e ergaben für den Automobilclub, dass sich Rettungsszenarien mit dem üblichen Feuerwehrgerät meistern lassen.

Thema E-Autos

Brennende Fragen für die Rettungskräfte

Kreis RE - Neue Technik, neue Risiken? Elektro-Autos sind immer häufiger zu sehen. Was ist bei Unfällen oder Pannen? Die Feuerwehr ist vorbereitet.

Flammen aus dem Motorraum, weißer Rauch quillt heraus, in Abständen pufft und zischt es: Wer ein brennendes Elektroauto sehen möchte, muss auf Youtube gucken. Auf den Straßen im Kreis Recklinghausen war laut Feuerwehr bislang noch keines zu sehen. Aber hätte, wäre, könnte? Schließlich fahren immer mehr Tesla, Hyundai Kona oder BMW i3 auf deutschen Straßen.

Ein brennendes E-Auto sei ein großes Problem, ließ einer der größten Hersteller von Feuerwehrwagen jüngst verlauten. Ein ungelöstes Problem, so das Unternehmen Ziegler. „Ein brennender Akku lässt sich nur kühlen, kühlen, kühlen. Über Stunden, vielleicht Tage hinweg“, sagte Tobias Quintenz, Leiter des Produktmanagements gegenüber der „Zeit“. 11.000 Liter Wasser bräuchte man im Fall der Fälle für einen Tesla Model S. Ein Feuerwehrauto sei aber nur mit bis zu 2000 Litern ausgestattet. Also – ein Riesenproblem in Zukunft auf deutschen Straßen? Oder nur Werbung für neue Feuerwehrwagen mit großen Tanks?

Brennendes E-Auto am besten mit Wasser löschen

Das größte Gefahrenpotenzial für die Einsatzkräfte liege darin begründet, dass E-Fahrzeuge unter Spannung stehen, sagt Markus Terwellen, Pressesprecher der Kreis-Feuerwehr. „Ich gebe aber auch zu bedenken, dass Brände von Kraftfahrzeugen nicht häufig vorkommen und demnach noch seltener E-Fahrzeuge betroffen sind.“ Das Risiko und die Wahrscheinlichkeit eines Brandes in einem E-Auto sind laut ADAC nicht exakt zu benennen. In Deutschland seien bislang kaum Fälle bekannt.

Die effektivste Methode, ein brennendes E-Auto zu löschen, ist laut Markus Terwellen der Einsatz von Wasser. Schaum mit seiner erstickenden Wirkung sei weniger geeignet, da in brennenden Akkus sehr hohe Temperaturen entstehen (s. Kettenreaktion ist nur mit Kühlen zu stoppen). „Wird ein brennender Akku mit einem Schaumteppich bedeckt, besteht immer die Gefahr, dass sich die Akkus im Inneren wieder entzünden.“ Terwellen berichtet von einem Fall aus Reutlingen, in dem es nicht möglich war, ein brennendes E-Auto zu löschen. „Dieses Fahrzeug musste über einen längeren Zeitraum Platz in einem großen Wasserbad nehmen, was natürlich einen sehr großen Aufwand darstellt.“

Tiefgaragen sind ein Sonderthema

Dass der Bedarf an Löschwasser in solchen Fällen steigt, stehe außer Frage, so Terwellen. Die benötigte Menge variiere je nach Einsatz. Brennt etwa ein Pkw auf der Autobahn, wo es keine Hydranten gibt, werden zwischen 6000 und 12.000 Liter Wasser mit den Fahrzeugen zur Einsatzstelle gebracht.

Terwellen weiß um die „besonderen Herausforderungen“ für die Feuerwehr beim Brand in einer Tiefgarage. „Aus diesem Grund stehen diese Gebäude auch in einem besonderen Fokus des baulichen Brandschutzes.“ In der Sonderbauverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen gebe es Regelungen, die etwa Rettungswege, Sicherheitsbeleuchtungen, Lüftungen sowie Brandmelde- und Feuerlöschanlagen betreffen.

Weil die Funkverbindung in einer Tiefgarage zum Problem werden kann, gebe es auch hier eine genaue Vorgabe, die eine technische Anlage erfordere, so Terwellen. Trupps, die bei Bränden in Tiefgaragen vorangehen, haben außerdem einen deutlich höheren Luftbedarf. Aus diesem Grund halten die Feuerwehren spezielle Atemschutzgeräte mit einem erhöhten Luftvorrat vor.

Stromschlaggefahr schätzt der ADAC bei E-Autos als „sehr gering“ ein

Die Stromschlaggefahr schätzt der ADAC bei E-Autos als „sehr gering“ ein. Diese sei „Hochvolt(HV)-eigensicher“. Das bedeute, „dass durch technische Maßnahmen am Fahrzeug für den Fahrer (oder auch für Mechaniker) ein vollständiger Berührungs- und Lichtbogenschutz gegenüber dem HV-System gewährleistet ist.“ Die meisten Fahrzeuge sind außerdem mit einer Abschaltautomatik ausgerüstet. Bekommt das Auto ein Crash-Signal, werden Verbindungen gekappt oder von der Stromversorgung abgeschnitten.

Die Feuerwehren im Kreis RE können in Kooperation mit der Kreisleitstelle Recklinghausen auf die Fahrzeugdatenbank „Crash Recovery System“ (s. „Es gibt nicht das eine Datenblatt“) zugreifen. „Die Inanspruchnahme erfolgt nach Möglichkeit bereits während der Abfrage des Notrufes durch die Leitstelle, indem der Anrufer nach dem Kennzeichen gefragt wird“, sagt Markus Terwellen.

Die Datenbank wirft einsatzrelevante Infos wie z.B. die Art der Antriebstechnik oder die Lage der Steuerungseinheiten der Airbags aus. „Diese wichtigen Hinweise erleichtern anschließend den Einsatz von hydraulischem Rettungsgerät.“

Datenblätter für die Retter im Einsatz unerlässlich

-Der ADAC hat sich in Tests („zerlegt“ wurde ein Opel Ampera e) mit der Rettung aus einem verunglückten E-Auto beschäftigt. -Fazit: Wegen des elektrischen Antriebs, der Hochvolt-Technik und der wie bei anderen Fahrzeugen und Marken modernen Fahrzeugstruktur sind genaue Informationen für die Rettungskräfte unerlässlich. Diese Hersteller-Informationen können softwaregestützt, per automatischem Notruf, Kennzeichenabfrage oder in Papierform abgerufen werden. -Die Hochvoltelemente stellen, so der ADAC-Versuch, keine Einbußen der Sicherheit dar, schon beim Unfall werden die Hochvoltelemente im Fahrzeug automatisch spannungslos geschaltet. Die Hochvoltbatterie ist optimal geschützt und wurde im Euro NCAP-Crashtest des ADAC nicht beschädigt. Es wurden bei der simulierten Rettung eines eingeklemmten Fahrers hydraulische Rettungs-Scheren, -Spreizer und -Zylinder verwendet, wie sie bei Feuerwehren üblich sind, der ADAC leitet aus dem Versuch ab, dass die standardisierten Maßnahmen auch bei E-Autos funktionieren.

Frühe Feuerwehrleute Anfang des 20. Jahrhunderts hatten ganz andere Sorgen. Erste Feuerwehrwagen nach der Ära der Pferdewagen waren nämlich elektrisch betrieben – mit Blausäure-Akkus. Als Einsatzfahrzeuge mit Dieselmotor eingeführt werden sollten, wehrten sich die Feuerwehren. Man fand es irrsinnig, mit einem großen Tank brennbarer Flüssigkeit an ein Feuer zu fahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Einsatz im Horror-Haus: Darum bedrohte ein Mann eine Frau mit der Pistole
Einsatz im Horror-Haus: Darum bedrohte ein Mann eine Frau mit der Pistole
Hauptverkehrsader in Herten wird zur Einbahnstraße
Hauptverkehrsader in Herten wird zur Einbahnstraße
Weitere Festnahme nach Raubserie, Einbrecher in Herten verhaftet, Einsatz in "Horror-Haus"
Weitere Festnahme nach Raubserie, Einbrecher in Herten verhaftet, Einsatz in "Horror-Haus"
Schwerer Unfall in Oer-Erkenschwick: Auto erfasst freilaufendes Pferd
Schwerer Unfall in Oer-Erkenschwick: Auto erfasst freilaufendes Pferd
Festnahmen nach Tankstellen-Raubserie in Castrop-Rauxel: Es gibt einen neuen Sachstand
Festnahmen nach Tankstellen-Raubserie in Castrop-Rauxel: Es gibt einen neuen Sachstand

Kommentare