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Auf dem Flughafen von Palma de Mallorca sind am Tag des Scheiterns von Thomas Cook bereits zahlreiche Reisende gestrandet. Sie bangen um ihren Rückflug in die Heimat.

Neckermann und Co. betroffen

Insolvenzantrag auch von Thomas Cook Deutschland - das ist jetzt zu tun

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Die Angst ist groß: Nach der Insolvenz von Thomas Cook bangen auch Bürger aus unserer Region um den Urlaub, ihr Geld oder die Rückreise. Denn nun haben auch die deutschen Thomas-Cook-Veranstalter Insolvenz angemeldet. Was bedeutet das für deutsche Urlauber?

Update Mittwoch 12:15 Uhr

Nun ist es passiert: Nach dem britischen Touristikkonzern Thomas Cook haben jetzt auch die deutschen Tochterunternehmen einen Insolvenzantrag gestellt. Betroffene müssen sich jetzt an die Insolvenzversicherung wenden. Auch unser Mitarbeiter Stephan Rathgeber wurde nun von Neckermann Reisen darüber informiert, dass er seine Reise nach Bulgarien nicht antreten können.

"Wir loten gerade alle Optionen aus, um unser Geld zurückzuerhalten", sagt Stephan Rathgeber gegenüber 24vest.de.  Damit endet für Betroffene eine Hängepartie. "Die rechtliche Situation ist damit eigentlich klar", sagt Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Denn jetzt muss die Insolvenzversicherung einspringen.

Zurich Versicherung ist zuständig

Zuständig ist in diesem Fall die Zurich Versicherung. Für die Abwicklung von Ansprüchen hat die Versicherung die Karea AG beauftragt. "Wer jetzt kurz vor der Abreise steht, kann seine Koffer eigentlich wieder auspacken", erklärt Degott. Denn die Reise werde nicht wie geplant stattfinden können. Stattdessen sollten Betroffene ihre Ansprüche jetzt bei dem Abwickler anmelden.

Wichtig zu wissen: Die Insolvenzversicherung springt nur für Kunden ein, die Pauschalreisen gebucht haben. Eine Pauschalreise besteht aus mindestens zwei Reisearten, also zum Beispiel Flug und Unterkunft. Einzelleistungen wie nur ein Flug oder nur die Übernachtungen in einem Hotel sind nicht versichert. "Hier gehen Reisende leer aus."

Stephan Rathgeber aus Gelsenkirchen-Buer hatte sich so sehr auf seine wohl verdiente Auszeit gefreut. Als Online-Redakteur bei unserem Portal 24VEST.de kann es manchmal ganz schön stressig zugehen - ein gemeinsamer Urlaub mit einem Freund in Bulgarien sollte da für die dringend nötige Erholung sorgen. 

Fünf Übernachtungen in einem Hotel am Goldstrand hatte er beim Reiseveranstalter Neckermann gebucht. Aber statt 25 Grad im Schatten, feinen Sandstränden und blauem Meer muss Stephan Rathgeber womöglich mit dem regnerischen Wetter in der Heimat vorlieb nehmen.

Auch Neckermann, Öger, Bucher und andere Marken betroffen

"Wir rechnen nicht mehr damit, dass wir am Mittwoch wegfliegen", sagt der 29-Jährige im Gespräch mit 24VEST.de. Sein Pech, wie das hunderttausender anderer Betroffener: Neckermann ist eine deutsche Tochtergesellschaft der Thomas Cook Deutschland GmbH und damit auch von der Insolvenz des britischen Reisegiganten betroffen. Ähnliches gilt in Deutschland für die Marken Öger Tours, Bucher Reisen, Air Marin und Thomas Cook Signature.

Thomas-Cook-Insolvenz: Reisende sitzen auf gepackten Koffern

Unser Kollege sitzt nun auf gepackten Koffern und wartet verzweifelt auf klare Aussagen von Neckermann, wie es für die Kunden weitergeht. Bisher habe sich die Information auf einen Post bei Facebook beschränkt: "Auf seiner Seite schreibt Neckermann, dass man selbst nicht wisse, ob Reisen durchgeführt werden, die am Montag und Dienstag stattfinden sollen", beklagt Stephan Rathgeber die magere Reaktion des Reiseunternehmens.

Geld zurück für Daheimgebliebene nur bei Pauschalreisen

Falls der Flieger am Mittwoch wirklich nicht in Richtung Schwarzes Meer abhebt, bleibt unserem Online-Kollegen wenigstens ein finanzielles Trostpflaster: "Zum Glück haben wir eine Pauschalreise gebucht. Wir sind also in Deutschland versichert im Fall einer Insolvenz."

Anders sieht der Fall aus, wenn Kunden Flug und Hotelaufenthalt einzeln gebucht haben. Dann werden ihre Ansprüche Teil der Insolvenzmasse. Höchstwahrscheinlich müssen sie ihr Geld in dem Fall abschreiben, weil bei Insolvenzen zunächst Gläubiger mit den höchsten Forderungen bedient werden. Für Privatleute am unteren Ende der Forderungskette ist dann meist kein Geld mehr übrig.

Thomas Cook Deutschland: Bundesregierung erwägt Notkredit

Stephan Rathgeber ist trotz des Ärgers erleichtert, zurzeit noch nicht im Urlaub zu sein. Denn für betroffene Reisende, die sich schon im Ausland befinden, ist der Stress ungleich größer. Sie wissen teilweise nicht, wie sie in den nächsten Tagen wieder nach Hause kommen. In Griechenland und anderen Reiseländern in Europa sind bereits viele Urlauber an den Flughäfen gestrandet.

In Großbritannien will die Regierung für Thomas-Cook-Kunden daher unter dem Stichwort "Operation Matterhorn" eine groß angelegte Rückholaktion starten. In Deutschland erwägt die Bundesregierung einen Notkredit für den deutschen Thomas-Cook-Ableger Condor, damit die (Rück-)Flüge bei dem Flugunternehmen wirklich sicher sind.

Hunderttausende Urlauber sind von der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook betroffen. Wir erklären, was die Kunden nun tun können. 

Weitere wichtige Informationen rund um die Insolvenz von Thomas Cook, des ältesten Reisekonzerns der Welt, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Außerdem haben wir einen News-Ticker zur Pleite von Thomas Cook eingerichtet.

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