Tiefrote Zahlen

Dortmunder Stadtwerke machen 134 Millionen Euro Minus bis 2022

DORTMUND - Die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) sehen bis Ende 2022 tiefroten Zahlen entgegen. Unter anderem verhageln hohe Pensionsrückstellungen die Ergebnisse. DSW21 will die Reißleine ziehen - und mit einem Trick gegensteuern.

Mit gemischten Gefühlen haben die Aufsichtsräte von DSW21 am Dienstag den Wirtschaftsplan für die Jahre 2018 bis Ende 2022 zur Kenntnis genommen. Wie aus dem Papier hervorgeht, türmt DSW21 während dieses Zeitraums ein Gesamt-Defizit von 134 Millionen Euro auf. Fürs laufende Jahr 2017 rechnen die DSW21-Vorstände derzeit mit einem Minus von knapp zwei Millionen Euro. Danach geht es steil bergab: 2018 wird ein Minus von 26,7 Millionen Euro ausgewiesen, das 2019 in der Spitze 42,4 Millionen Euro beträgt. Ein zumindest einstelliges Defizit (minus 9,6 Millionen) wird erst 2022 wieder erreicht.

Wegen niedriger Zinsen muss DSW21 mehr Geld zurücklegen

Was aus dem Papier ebenfalls hervorgeht: Vor allem die Pensionsrückstellungen in dreistelliger Millionenhöhe verhageln die Ergebnisse. Wie viele andere Unternehmen sind auch die Stadtwerke durch die Niedrigzins-Phase gezwungen, deutlich mehr Geld für die Ruhestandszeiten ihrer Mitarbeiter auf die hohe Kante zu legen. Das schlägt ins Kontor. Und zwar so stark, dass aus eigentlich schwarzen Zahlen rote Zahlen werden.

Beispiel: 2018 erwartet DSW21 aus dem laufenden Geschäft einen Überschuss von 11,7 Millionen Euro, ein Plus also. Da DSW21 im selben Jahr aber 38,4 Millionen Euro in die Pensionsrückstellungen stecken muss, verkehrt sich das Ergebnis ins glatte Gegenteil: Aus dem Plus wird ein Minus von 26,5 Millionen Euro. Ein Spiel, das sich über alle fünf Jahre bis 2022 zieht.

Stille Reserven dank DEW21

Nun will DSW21 mit einem (legalen) Griff in die Trickkiste gegensteuern: Man will stille Reserven heben und eine Wertberichtigung bei der Energietochter Dortmunder Energie und Wasser (DEW21) vornehmen. Die Stadtwerke argumentieren, die Buchwerte von DEW21 seien veraltet, das Unternehmen habe in den zurückliegenden Jahren deutlich an Wert zugelegt.

Wie zu erfahren war, soll der Buchwert jetzt um satte 240 Millionen Euro gesteigert werden. Mit diesem Buchgewinn will DSW21 nun sein Eigenkapital stärken und die Verluste der kommenden Jahre bis 2022 ausgleichen. Dafür wird DEW21 in eine neue Beteiligungsgesellschaft eingebracht, in die Schritt für Schritt weitere Stadtwerke-Töchter überführt werden sollen - der Aufsichtsrat ist mit der Marschrichtung einverstanden.

ÖPNV-Angebot bleibt auf dem Prüfstand

DSW21-Finanzchef Jörg Jacobi sieht dennoch keinen Grund, bei den Sparbemühungen locker zu lassen. "Wir werden unser ÖPNV-Angebot weiter auf den Prüfstand stellen", sagte Jacobi auf Anfrage. Das Ergebnis sei offen. Auch das "Projekt Zukunft" werde bis Ende 2018 fortgeführt, sagte Jacobi. Wie berichtet, wollen die Stadtwerke mit ihrem Programm, das im Wesentlichen ein Sparprogramm ist, 30 Millionen Euro Verbesserungen erzielen. Rund 26 Millionen Euro seien bislang erreicht, sagt Jacobi.

Neben den Pensionsrückstellungen werden die DSW21-Ergebnisse durch dreistellige Millionensummen für die Modernisierung und den Kauf 26 neuer Straßenbahnen belastet. So rechnet DSW21 damit, dass Bus und Bahn wieder deutlich höhere Verluste einfahren und die Defizite von zuletzt knapp 53 Millionen (minus) auf 65 Millionen Euro (minus) steigen.

Schmerzlich vermisst werden zudem die Ausschüttungen aus der 36-Prozent-Beteiligung am Essener Kohleverstromer Steag. Außer den Überweisungen zur Tilgung der Kredite für den Steag-Kauf fließt erst einmal nichts; frühestens 2020 sollen wieder 3,6 Millionen Euro Ausschüttungen direkt in die Stadtwerke-Kasse kommen. Ob das funktioniert, bleibt abzuwarten: Die Energiewende macht auch den Kohlekraftwerken von Steag zu schaffen.

Hoffnungsfaktor RWE für die Stadtwerke

RWE ist noch stärker vom Braunkohlegeschäft abhängig. Dennoch gehen die Stadtwerke von einem dauerhaft steigenden Aktienkurs und entsprechenden Dividenden aus. Nach 26,3 Millionen Euro, die RWE aus dem Geschäftsjahr 2017 überweist, erwartet DSW21 auch für die folgenden Jahre stetig fließende Einnahmen.

Eingeplant sind 8,2 Millionen Euro aus dem Geschäftsjahr 2018. Sie sollen auf 12,7 Millionen Euro bis 2022 steigen. Das entspräche einer Dividende von bis zu 0,95 Euro pro Aktie. Zum Vergleich: 2017 soll die Dividende 0,50 Euro pro Aktie betragen.

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