"Tobaccoland-Prozess"

Nach Überfallserie auf Tabaklieferanten: Staatsanwalt fordert bis zu zehn Jahre Haft

Nach einer Serie von Überfällen auf Tabaklieferanten drohen den sechs Tätern aus Dortmund lange Gefängnisstrafen. Die Staatsanwaltschaft fordert bis zu zehn Jahre Haft.

Staatsanwalt Marc Krämer hat vor der 8. Strafkammer am Bochumer Landgericht Gefängnisstrafen von zehn, zweimal neun, fünf und drei Jahren gefordert. Die drei höchsten Strafforderungen betreffen neben dem Bandenchef (27), der zum Zeitpunkt der Taten bei der Firma "Tobaccoland" angestellt gewesen ist und über wertvolles Insiderwissen über die späteren Opfer verfügte, die beiden am meisten beteiligten Mittäter (22 und 25).

Nur ein 27-jähriger Dortmunder, der erst am Ende der Überfall-Serie dabei gewesen ist, soll noch einmal mit einer zweijährigen Bewährungshaftstrafe davon kommen.

Urteilsverkündung am 12. Oktober

Alle sechs Angeklagten (19 bis 27 Jahre) hatten im Prozess weitreichende Geständnisse abgelegt. In den obligatorischen letzten Worten vor der Urteilsberatung hieß es gleich mehrfach: "Es tut mir wirklich leid, was passiert ist." Die Urteile wollen die Richter in einer Woche (12. Oktober, 14 Uhr) verkünden.

Die Serie von Überfällen auf Fahrer der Firma "Tobaccoland" hatte von Dezember 2017 bis Februar 2018 für Angst und Schrtecken gesorgt. Erst im März 2018 waren die Täter von Spezialkräften der Polizei unmittelbar vor einem neuen, geplanten Überfall in Dortmund festgenommen worden.

Im Prozess vor dem Bochumer Landgericht geht es um mindestens fünf Überfalle nach immer gleichem Strickmuster. Außerdem um mehrere bereits fest ausgekundschaftete Coups. Die Tabak-Fahrer wurden jeweils beim morgendlichen Weg zum mit Geld und Zigaretten beladenen Lieferwagen überwältigt, bedroht und ausgeraubt.

Tatorte der Coups waren die Heimadressen der späteren Opfer: zweimal in Huckarde, einmal in Bodelschwingh, einmal in Waltrop, einmal in Dorsten. Der angerichtete Gesamtschaden beträgt nach Angaben der Firma Tobaccoland inklusive zweier gestohlener Lieferwagen mehr als 100.000 Euro.

Extravagante Fluchtwagen

Nachdem der 27-jährige Hauptangeklagte und seine Komplizen zuvor die Wohnadressen der Tabaklieferanten, die dem Insider als Tourenleiter bekannt waren, ausgekundschaftet hatten, hatten sie an den jeweiligen Tattagen in wechselnder Beteiligung die Überfälle ausgeführt.

Als Fluchtfahrzeuge hatte sich die Bande vor den Coups extravagante Mietfahrzeuge besorgt. In Bodelschwingh hatten der Hauptangeklagte in einem Porsche Panamera gewartet, in Waltrop in einem BMW X6, in Dorsten in einem Audi A8.

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