Tomorrow Club Festival

Ein Ort, an dem die Utopie real ist

DORTMUND - Zum dritten Mal findet im Juli dieses Jahres das "Tomorrow Club Festival" statt. Das transnationale Ensemble Labsa will das Kiosk-Programm erstmals an einem Wochenende bündeln.

Es macht schon einen Unterschied, ob ein Mensch auf einem Podium, im Radio oder Bundestag von einer Utopie wie der "transkulturellen Stadtgesellschaft von morgen" nur redet - oder ob es in einer Stadt einen konkreten Ort gibt, an dem genau das bereits Realität ist. Ein Ort, den man mit der U-Bahn, dem Fahrrad, Auto oder zu Fuß erreichen und durch ein Tor in einem grünen Zaun betreten kann, an dem es nach Gewürzen riecht und nach Reis und frischem Brot.

Der Tomorrow Club Kiosk an der Langen Straße 98 wurde vergangenes Jahr eröffnet, jede Woche kommen dort Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen, ob geflüchtet oder mit anderweitigem Migrationshintergrund. Sie proben, kochen, machen Yoga, tanzen, lernen singen, lassen sich frisieren oder sehen Theater und Performances, vor allem werden sie aber selbst tätig und zeigen, was sie können.

"Nicht nur Beschriebene bleiben"

Im Transnationalen Ensemble Labsa, das den Kiosk 2017 eröffnet hat, arbeiten professionelle Künstler mit Nachwuchs-Performern zusammen. Junge Menschen, die neu im Land sind, sollen so "selbst zu Beschreibenden werden und nicht nur Beschriebene bleiben", heißt es auf der Webseite des Ensemble Labsa. "Wir wollen einfach nicht in die gleiche Kerbe treten wie viele andere", sagt Emilia Hagelganz, künstlerische Leiterin des Ensembles. "Viele Flüchtlinge werden auf ihren Status, ihre Geschichte als Geflüchtete reduziert."

Meist liegen beim Kiosk-Programm mehrere Tage zwischen den einzelnen Aktionen und Treffen - und das will das Ensemble Labsa mit dem dritte Tomorrow Club Festival im Juli für ein Wochenende ändern. "Wir sind wirklich ziemlich fleißig und haben mittlerweile ein so reiches Programm, das sich angesammelt hat seit der Kiosk-Eröffnung, dass der Wunsch immer größer wurde, alles einmal zu bündeln", sagt Emilia Hagelganz.

Puppenspiel und Hip-Hop

Bei den Festivals 2016 und 2017 gab es immer ein extra Workshop-Programm, das diesmal keinen Platz gefunden hat - es wird aber auch nicht unbedingt fehlen. Freitag bis Sonntag (13.-15.7.) gibt es im und am Kiosk Konzerte, Theateraufführungen, Performances und Kurse. Ein Parcours konzentriert die Arbeit verschiedener Ensemblemitglieder: Unter Wasser löst ein Mann einen Zauberwürfel mit angehaltener Luft, am ivorischen Eierstand verteilt ein Künstler Eier mit persönlichen Gedichten, und in einer Selfie-Challenge können sich die Teilnehmer mit einem Männermodel messen - eine Karikatur auf das Star-Sein. Dazu findet jeden Tag das Family Food For All mit Café statt, bei dem die Chefs de cuisine Katharina Niewerth und Serif Kaya in großen Töpfen Essen für die ganze "Familie" zubereiten.

Zum ersten Mal gibt es ein extra Kinderprogramm, für die Gäste, "die schon immer dabei waren", wie Hagelganz sagt - ein Publikum wird die Künstlerin und Puppenspielerin Sara Hasenbrink für ihr kurzes Performance-Theater und anschließendes gemeinsames Figuren-Kreieren am Sonntag also haben. Die abendlichen Konzerte sollen aber auch anderes Publikum anlocken: Am Freitag um 21 Uhr treten die Rapper konTa und Ensemblemitglied Eymen auf, Samstag (21 Uhr) legt letzterer dann zusammen mit Downtown Julia Brown auf. Sonntag spielt die Band Monkeymonk eine Mischung aus Balkan Brass, Django Swing und Klezmer. Zumindest in den vergangenen Jahren ging der Plan auf, "und das Publikum hat sich ganz wunderbar gemischt".

Performance "Kommunizierende Gefäße"

Besonders interessant dürfte die experimentell-musikalische Performance "Kommunizierende Gefäße" sein: Die Warschauer Komponistin und Schauspielerin Zofia Bartoszewicz improvisiert zusammen mit zwei weiteren Künstlern, singend, sprechend, trommelnd, malend - eine ästhetische Wundertüte. Bei ihrer letzten Performance malte sie singend die Wände bunt an, um die Musik auch sichtbar zu machen.

Was die Besucher nach den drei Tagen konkret mitnehmen sollen - nach Yoga und Stimmbildung, experimenteller musikalischer Improvisation, einem Parkour, der eineinhalb Stunden lang die Arbeit des Ensembles an verschiedenen Stationen konzentriert? "Es geht darum, Menschen neugierig zu machen auf andere Menschen", sagt Hagelganz. "Wir wollen Dinge zeigen, mit denen wir in unserer eurozentristischen Blase erstmal nicht in Berührung kommen, die im Nachhinein aber großen Einfluss auf uns ausüben."

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