Trotz Behinderung

Brackeler Bezirksvertreter macht Politik aus dem Seniorenheim

Wickede - Manfred Otten (79) kann seit Mai nicht mehr laufen und lebt im Seniorenhaus Lucia. Sein Mandat in der Bezirksvertretung Brackel übt er trotzdem weiter aus. Und der Sozialdemokrat hat große politische Ziele.

Vor gut einem halben Jahr verschlimmerten sich die Schmerzen im rechten Bein von SPD-Bezirksvertreter Manfred Otten derart, dass er nicht mehr laufen konnte und gezwungen war, sein nicht behindertengerechtes Zuhause an der Oesterstraße in Brackel zu verlassen, um ins Seniorenhaus Lucia am Wickeder Hellweg umzuziehen.

Heute ist sein rechtes Bein quasi gelähmt. Nerven, die für den Bewegungsablauf zuständig sind, sind in der Hüfte eingeklemmt. Die Ärzte machen Otten zurzeit wenig Hoffnung auf Besserung.

Seit 40 Jahren Politik

Trotzdem will er in dieser Wahlperiode, die bis 2020 dauert, weiter Bezirksvertreter bleiben. Er sei seit 40 Jahren in der Kommunalpolitik tätig, sagt er - zum Beispiel in der "Kommunalpolitischen Kommission" in den 80er-Jahren oder im SPD-Ortsverein Brackel. Immer in der zweiten Reihe. Das allerdings mit Leib, Seele und Spaß. Schriftführer sei er auch mal gewesen.

Auf dem Tisch in seinem Zimmer in der dritten Etage des Seniorenhauses Lucia stapeln sich die Aktenordner, und durchschnittlich einmal pro Woche kommt Schwiegertochter Nicole Otten, um ihm beim Briefe schreiben oder anderen Arbeiten zur Hand zu gehen. "Sie ist mein Computer", sagt er.

Wichtig sei für ihn immer der direkte Kontakt zu den Bürgern gewesen, sagt er. Zum Beispiel an Wahlkampf-Ständen, wenn Gummibärchen oder SPD-Kugelschreiber verteilt werden.

Auf den Verkehr spezialisiert

Thematisch habe er sich auf den Verkehr spezialisiert - und zwar für Autofahrer, Radler und Fußgänger. Deswegen gehört auch jetzt das "Jahrhundertwerk" Umgestaltung des Brackeler Hellwegs zu seinen Hauptanliegen. Die SPD möchte den Hellweg auch im Zuge des gesetzlich vorgeschriebenen barrierefreien Ausbaus der Stadtbahnhaltestellen von vier auf zwei Spuren reduzieren. Besonders die Stelle in Höhe der Sparkasse sei ein neuralgischer Punkt, sagt Manfred Otten.

Na klar, nicht alle Brackeler seien von dieser Umgestaltung überzeugt. Vor allem die nicht, die nicht unmittelbar am Hellweg wohnen, sondern an Nebenstraßen wie Cäcilien-, König- oder Hiddingstraße. Aber am Hellweg selbst müsse sich einfach etwas tun. Fakt sei übrigens: "Wir haben nicht zu wenig Parkplätze, wir haben zu viele Autos."

Behinderten-Fahrdienst

Um zu den Sitzungen der Bezirksvertretung Brackel zu gelangen, ist Manfred Otten derzeit auf den Behinderten-Fahrdienst von DEW21 angewiesen. Er müsse seine Fahrten sieben Tage vorher anmelden und konkurriere dann mit einer Vielzahl von anderen Anmeldungen. Zudem sei meist die Rückfahrt nicht gesichert, weil man nie genau absehen könne, wie lange eine Bezirksvertretungs-Sitzung dauert. Otten will sich dafür einsetzen, dass die Anzahl der Autos für diesen Fahrdienst - VW Golf Kombi mit absenkbarem Boden - von derzeit zehn auf vielleicht 40 erhöht werde.

Im Ortsverein könne er nicht mehr mitmachen, weil die Räume, in den der Verein tagt, nicht behindertengerecht seien. Deshalb wolle er seine Arbeit auf die Bezirksvertretung beschränken.

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