Tumult-Tour in Dortmund

Herbert Grönemeyers Heimspiel in der Westfalenhalle

Dortmund - Viel mehr als nur ein "Sekundenglück": Knapp drei Stunden lang hat Herbert Grönemeyer am Mittwochabend seine Fans in der Westfalenhalle begeistert. Es ging ihm um mehr als nur um die Musik.

Gäbe es ein aktuelles Herbert-Grönemeyer-Best-of-Album, wären fast alle der dort versammelten Songs am Mittwochabend (27.3.) in der Dortmunder Westfalenhalle zu hören gewesen. (Fast) alles war da, was das Grönemeyer-Fanherz im Konzert verlangen kann.

32 Songs - eine sensationelle Zahl

Männer, Alkohol, Flugzeuge im Bauch, Musik nur wenn sie laut ist, Kinder an die Macht, Vollmond, Mensch ... Das ist nur eine Auswahl. Sensationelle 32 Songs bringen Grönemeyer und seine gemeinsam mit ihm gealterte Band in knapp drei Stunden. Dass Grönemeyer nach dem ersten von drei Zugabeblöcken die Bühne nicht mal verlässt, sondern direkt die "Currywurst" spielt, ist wirklich was Besonderes.

Doch wäre es nur um die Hits gegangen, wäre der Abend nicht so grandios geworden. Wie immer stellt Grönemeyer sein aktuelles Album in den Mittelpunkt des Konzerts. Und eben dieses aktuelle Album, Tumult, ist wohl das politischste des 62-Jährigen seit Jahrzehnten, vielleicht seit "Sprünge" aus den 80er-Jahren.

Der Kämpfer gegen Rechts

Herbert Grönemeyer kämpft schon seit Jahren gegen Rechts, doch dieser Tage tut er es so ausdrücklich wie lange nicht mehr. Er fordert in "Fall der Fälle" "nicht einen Millimeter nach Rechts" zu rücken und appelliert an seine Fans: "In die Mitte. Zusammenhalten. Eintracht."

Signale setzt er auch musikalisch: Zweisprachig, deutsch-türkisch, singt Grönemeyer "Doppelherz / Iki gönlüm" zusammen mit BRKN aus Berlin und erklärt: "Jeder hat das Recht auf zwei Herzen in seiner Brust." Eine Botschaft, die dieser Tage nicht selbstverständlich ist.

Die einzigartigen Tausendstel-Momente

Und dann gibt es noch die ganz besonderen Augenblicke, die wir selbst bei Grönemeyer nicht immer hören. "Besondere Augenblicke" oder, um es in der viel schöneren Sprache Grönemeyers aus "Sekundenglück" zu sagen: "Es sind die einzigartigen Tausendstel-Momente. Das ist, was man Sekundenglück nennt."

Tausendstel-Momente, die mögen ja einzigartig sein, aber an diesem Abend gibt es davon gefühlt ganz viele. Wenn sich die ganze Halle zu den ersten Tönen des Steiger-Lieds erhebt, das nahtlos in "Bochum" übergeht, zum Beispiel. Oder wenn bei "Der Weg" in Gedenken an die vor mehr als 20 Jahren verstorbene Ehefrau Anna eine ganze riesige Halle schweigt, ein Husten so stört wie beim klassischen Konzert.

Tausendstel-Momente bei der elften Zugabe

Tausendstel-Momente ergeben sich aber auch, wenn das Publikum sich in bester Feierlaune auf die elfte (!) Zugabe vorbereitet und Herbert Grönemeyer "Verwandt" anstimmt, weil es sich ein guter Freund gewünscht hat - und obwohl es kaum einer in der Halle kennt.

Es passt alles zusammen an diesem Abend. Ein Drei-Stunden-Glück.

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