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Der Dorstfelder Hannibal.

Übergabe an Intown

Stadt Dortmund gibt Hannibal-Schlüssel nur mit Auflagen zurück

DORSTFELD - Die Stadt Dortmund hat am Montagmorgen die Schlüsselgewalt über den Wohnkomplex Hannibal II in Dorstfeld an Intown zurückgegeben. Und schon am Nachmittag gab es den ersten Ärger.

Seit Montagmorgen, Punkt 10 Uhr, liegt die Schlüsselgewalt für den geräumten Hochhaus-Komplex Hannibal II in Dortmund wieder bei Intown als Vertreter der Eigentümergesellschaft. Gut vier Wochen, nachdem das Gebäude am 21. September wegen schwerer Brandschutzmängel evakuiert worden war, gab Ludger Wilde, Leiter des städtischen Krisenstabs und Planungsdezernent, die Immobilie zurück in die Hand der Hausverwaltungsgesellschaft – verbunden mit mehreren Auflagen.

Nach wie vor, so Wilde, müsse das Gebäude wegen schwerer Brandschutzmängel für die Wohnnutzung verschlossen bleiben, darf aber für halbstündige Besuche in Begleitung eines jetzt von Intown gestellten und bezahlten Sicherheitsdienstes von den Mietern betreten werden, etwa um Sachen herauszuholen und Umzüge vorzubereiten. Auch die Möglichkeit, ganz auszuziehen, müsse gewährleistet sein. Pro Tag sind es aktuell drei bis acht Umzüge.

Punktuelle Kontrollen

Wilde: „Wir haben die Eigentümer ordnungsbehördlich in die Lage versetzt, diese Aufgaben zu übernehmen.“ Trotzdem werde die Stadt „weiterhin punktuell kontrollieren, ob unsere Auflagen eingehalten werden“, sagte der Krisenstabsleiter auf Nachfrage. „Wenn wir feststellen, dass dort Missstände auftreten, werden wir einschreiten.“

Bislang wurde der Hannibal rund 120 Mal am Tag kurzzeitig betreten, meist um Post aus den Briefkästen im Erdgeschoss zu holen. Doch bereits am Montag gab es erste Irritationen. Mehrere Beschwerden seien eingegangen von Mietern, die nicht in ihre Wohnungen konnten, sagte Dr. Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund. Bei einer Kontrolle dieser Redaktion vor Ort am frühen Abend waren die Eingangstüren vom Bauordnungsamt versiegelt, ein Zugang aber über die schmaleren Hintereingänge möglich.

Wilde hatte am Mittag schriftlich von Intown eine verbriefte Bestätigung gefordert, dass der Zugang für die Mieter aufrechterhalten bleibt. Diese Zusage hatte eigentlich schon bei der Schlüsselübergabe vorliegen sollen.

Mit Gutachtern im Gebäude

Intown ließ währenddessen per Pressemitteilung verbreiten, dass sich für die Mieter mit der Rückgabe der Schlüsselgewalt nichts verändert. Wenn ein Auszug erwünscht sei, müsse dieser über den Wachschutz koordiniert werden – und das solange, bis Intown eine neue Nutzungsgenehmigung für den Wohnriesen erhält.

Das wird aber mindestens zwei Jahre dauern. Zu dem Schluss sei auch Intown gekommen, nachdem die Eigentümergesellschaft mehrere Tage mit Gutachtern im Gebäude gewesen sei, teilte Wilde mit. Auch wenn man Intown nicht zur Sanierung des Gebäudes zwingen könne, gehe die Stadt davon aus, dass Intown bald damit beginnen werde.

Mit der Rückgabe des Hannibal an Intown sind die städtischen Optionen schnell am Ende, räumte Wilde ein; denn jetzt greift nur das Zivilrecht. Bekanntlich hat Intown Klage gegen die Stadt eingereicht mit dem Argument, dass das Gebäude nicht hätte geräumt werden müssen.

Auch nach ihrem Rückzug wird die Stadt weiter bei den Umzügen helfen, die Kosten erstatten, den Kita- und Schulbesuch sicherstellen, Wohnraum vermitteln sowie das Beratungszentrum von Sozialamt und Jobcenter im Volkshochschul-Gebäude an der Wittener Straße/Oberbank aufrechterhalten – und die Kosten Intown später in Rechnung stellen.

In möblierten Wohnungen

Von den 752 Mietern aus 412 Haushalten, die den Hannibal verlassen mussten, haben 412 Personen eine neue Unterkunft gefunden. Familien kamen mit 228 Personen in möblierten Wohnungen unter, die die Stadt für Notfälle in Reserve hält. 143 Mieter sitzen noch in Sammelunterkünften. Andere wiederum haben sich selbst um neuen Wohnraum gekümmert.

Eine Viertelstunde nach Wilde sind am Montag die Grünen in das dritte Obergeschoss der Alten Post gestiegen. Dort übergaben sie einer Intown-Mitarbeiterin einen Brief unter anderem mit der Forderung, Zimmer in Hotels anzumieten, unter anderem in ihrem eigenen – verpachteten – Hotelgebäude in Dortmund, um dort Mieter unterzubringen, die zurzeit in Provisorien leben müssen.

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