Umbau des Naturkundemuseums Dortmund vor Abschluss

Dino bewacht Museums-Umbau

Dortmund - Seit September 2014 ist das Dortmunder Naturkundemuseum wegen Umbau geschlossen. Der wird statt zwei fünf Jahre dauern. Doch die Museumsmacher haben es bald geschafft. Aktuell bereiten sie sich auf den Aufbau der neuen Dauerausstellung vor. Und die verspricht viele überraschende Effekte.

Der Fortschritt ist unübersehbar. Immerhin werden im Foyer schon die Schränke für den künftigen Museumsshop aufgebaut. Doch ansonsten sieht noch viel nach Baustelle aus. Der Boden ist staubig, es riecht nach frischer Farbe, Dämmwolle liegt in der Ecke, Kabel baumeln von der Decke. Es sind vor allem Elektroinstallationsarbeiten, die noch ausstehen, erklärt Thorsten Glorik, der bei der städtischen Immobilienwirtschaft zuständige Projektleiter für den Museumsumbau. "Im Prinzip ist es eine Summe von Kleinigkeiten."

Doch auch die tragen mit dazu bei, dass das Museum nicht, wie anfangs geplant, für zwei Jahre, sondern für knapp fünf Jahre geschlossen sein wird. Und die Kosten werden statt 7,3 Millionen mindestens 9,3 Millionen Euro betragen. Die fehlenden Einnahmen durch die lange Schließung des Hauses, das bislang mit bis zu 80.000 Gästen das besucherstärkste städtische Museum war, sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Die Gründe für die Misere lassen sich auf drei Nenner bringen: unzureichende Planung, unangenehme Überraschungen beim Bau und immer wieder Ärger mit Handwerkern. Dabei hatte alles so optimistisch begonnen: Zwei Jahre sollte die Schließung dauern, wurde im September 2014 verkündet, als das Naturkundemuseum im September zum letzten Mal seine Türen geöffnet hatte - ein Jahr waren für den Umbau veranschlagt, ein Jahr für den Aufbau der neuen Dauerausstellung.

Doch zunächst musste Platz geschaffen werden. Mehr als 3500 Exponate wurden aus dem Museum ausgelagert. Ostern 2015 konnte dann der eigentliche Umbau starten - erst einmal mit Abbrucharbeiten und Schadstoffsanierung.

Schon dabei kam es zu "Schlechtleistungen", die "erhebliche Schäden" und Bauzeitverzögerungen bescherten, heißt es in einer Vorlage der Verwaltung vom November 2016, mit der die Verzögerungen und Kostensteigerungen beim Umbau begründet werden. Das Papier liest sich wie eine Liste von Pleiten, Pech und Pannen. Fehlende Pläne, Bauteile, die erneuert statt saniert werden mussten, höhere Brandschutzanforderungen und andere Überraschungen beim Bau.

Insolvenz sorgte für Stillstand auf der Baustelle

Das größte Problem war aber die Insolvenz der beauftragten Elektrofirma. Ein "Schlüsselgewerk", wie es heißt. Eine neue Ausschreibung musste gestartet werden, auf die es nur eine Bewerbung gab - zu einem deutlich höheren Preis als veranschlagt. Und weil die Firma erst neu gefunden werden musste, stand die Baustelle für rund sieben Monate komplett still.

"Insgesamt hat uns das mehr als ein Jahr Verzögerung gebracht", erklärt Thorsten Glorik als zuständiger Projektleiter der städtischen Immobilienwirtschaft. Denn auch für die anderen Gewerke, die von den Elektroinstallationen abhängen, mussten neue Termine ausgemacht werden.

Als die Vorlage zur Kostenerhöhung auf 9,3 Millionen Euro geschrieben wurde, war von einer Museumseröffnung im Sommer 2018 die Rede, ein halbes Jahr später von Ende 2018. Doch es ging mit den Verzögerungen und Bau-Problemen munter weiter. "Wir sind mit der ganzen Baumaßnahme in die Hochkonjunktur des Bauhandwerks gekommen", erklärt Ahmet Gönen als Leiter der Projektsteuerung bei der städtischen Immobilienwirtschaft. Und manche Betriebe zogen wohl lukrativere Aufträge vor als den preislich fixierten Auftrag im Museum.

Entsprechend leer war es oft auf der Baustelle. "An diesem Morgen waren insgesamt vier Handwerker tätig: ein Schlosser, ein Elektriker und zwei Trockenbauer", heißt es etwa im November 2017 in einem Bericht des Vereins der Freunde und Förderer des Naturkundemuseums. Vermisst wurde auch die "dauerhafte Präsenz eines übergeordneten Bauleiters". Der hatte womöglich mit der Koordination der Handwerker-Termine alle Hände voll zu tun.

Termin für Abschluss der Bauarbeiten in Sicht

Doch es ist ein Ende in Sicht. "Am 15.6. soll der letzte Bauarbeiter die Baustelle verlassen haben", kündigt Glorik an. Dann muss erst einmal gründlich saubergemacht werden. Denn für den Aufbau der neuen Dauerausstellung müssen die Räume möglichst staubfrei sein. "Dann werden wir als erstes unsere ausgelagerten alten Exponate wieder ins Haus holen", erklärt Museumsleiterin Dr. Elke Möllmann. "Das ist sehr, sehr aufwendig. Aber wir freuen uns schon darauf."

Mit Spannung blicken die Museumsleute auch schon dem Augenblick entgegen, wenn sie den großen Dinosaurier in der offenen Halle des Museums wieder auspacken können, die mit dem Umbau deutlich heller und freundlicher geworden ist. Die Nachbildung eines Iguanodon blieb auch während des Umbaus an seinem Platz, weil der Dino zu groß war, um abtransportiert zu werden.

Damit er keinen Schaden nimmt, wurde er rundum in Folie verpackt. "Wir haben ihn jetzt drei Jahre nicht mehr gesehen", erzählt Elke Möllmann. "Wir hoffen, dass er noch wie früher aussieht." Auf jeden Fall werde der Iguanodon vor der Eröffnung noch "etwas aufgehübscht". Doch bis dahin ist noch Zeit.

Denn etwa ein Jahr wird der Aufbau der neuen Museumsschau dauern. Denn auch, wenn einige alte Exponate ins Haus zurückkehren: Die Ausstellung ist völlig neu konzipiert worden. Im Mittelpunkt steht unter dem Titel "Stadt, Land, Fluss" die Natur in Dortmund und der Region. Das Schild, das am Beginn der Ausstellung hängen wird, ist schon da. "Dortmund - Ortsteil Mitte" steht darauf.

"Wir zeigen hier den Lebensraum Stadt", erklärt die Museums-Chefin das neue Konzept. Mit Ausstellungsstücken und modernen Medien werden die Tier- und Pflanzenwelt in einer Großstadt dokumentiert. Es wird gezeigt, was sich auf und unter den Straßen, in Parks, Gärten und auf Friedhöfen so tummelt. Eine präparierte Kuh, die die ländliche Seite Dortmunds symbolisiert, und ein "hängender Garten" gehören ebenso zu den Ausstellungsstücken wie ein Auto.

Denn der besondere Lebensraum Autobahn, der im Kulturhauptstadt-Jahr 2010 bei der Sperrung der A40 erforscht wurde, ist ebenfalls ein Thema. Von der Innenstadt und über die A40/B1 geht es durch den Süden der Stadt bis zur Ruhr.

Aquarium hinter verschlossenen Türen

Der Endpunkt der Schau ist schon vorhanden - in Form des großen Aquariums, in dem sich seit 2012 Fische aus dem Möhnesee tummeln, seit dreieinhalb Jahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Hinter einer Baustellen-Tür war das Aquarium die gesamte Zeit in Betrieb. Der Fischbestand ist etwas gealtert und muss vor der Wiedereröffnung der Ausstellung noch etwas verjüngt werden, kündigt Elke Möllmann an. Grundsätzlich haben die schwimmenden Bewohner die Bauzeit aber gut überstanden.

Im Obergeschoss steht die Geologie im Mittelpunkt. Es gibt eine Reise in die Erdgeschichte. Und dazu geht es in die Tiefe unter Dortmund - angefangen mit der Eiszeit. Hier spielt der neue Star der Museumsschau dann die Hauptrolle: Ein 2,40 Meter hohes und vier Meter langes Skelett einer Mammut-Kuh, das mit Hilfe von Spenden neu angeschafft wurde. "Für ein männliches Mammut hätten wir nicht genug Platz. Das Skelett hätte bis zur Decke gereicht", erklärt Elke Möllmann.

Danach geht es in die Kreide- und "Dinozeit" und ins Karbon, die Zeit, in der die Kohle entstanden ist, die wesentlich später dann die Geschichte des Ruhrgebiets geprägt hat.

Über die Dauerausstellung hinaus wird es im Museum Sonderausstellungen auf einer eigenen Fläche geben. Geplant sind etwa eine Schau zu Dinosauriern und regelmäßige Fotoausstellungen. Als Kontrapunkt zum regionalen Schwerpunkt der Museumsschau sollen hier weltweite Themen eine Rolle spielen, wünscht sich Elke Möllmann.

Und wann ist das alles zu sehen? Wenn es mit der Übergabe der Baustelle Mitte Juni klappt, könnte das Museum im Sommer 2019 wieder seine Türen öffnen - spätestens zur Museumsnacht im September und damit exakt fünf Jahre nach der Schließung. "Für die Museumsnacht habe ich schon Jemanden gebucht", verrät Elke Möllmann. Vielleicht braucht es ja diesen Zeitdruck.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

A43 komplett gesperrt, "RE leuchtet" eröffnet, Unwetter entwurzelt Bäume
A43 komplett gesperrt, "RE leuchtet" eröffnet, Unwetter entwurzelt Bäume
"Recklinghausen leuchtet" ist eröffnet: Traumstart bei Glühwein-Temperaturen
"Recklinghausen leuchtet" ist eröffnet: Traumstart bei Glühwein-Temperaturen
Unwetter im Vest: Starkregen und Sturm durch Tief "Thilo" - Straße in Haltern gesperrt
Unwetter im Vest: Starkregen und Sturm durch Tief "Thilo" - Straße in Haltern gesperrt
"RE leuchtet": Gelungene Eröffnung - Vorlese-Rekordversuch im Live-Stream
"RE leuchtet": Gelungene Eröffnung - Vorlese-Rekordversuch im Live-Stream
Diskussion ums "Laternenfest": Jetzt äußern sich die Kirchenvertreter mit klaren Worten
Diskussion ums "Laternenfest": Jetzt äußern sich die Kirchenvertreter mit klaren Worten

Kommentare