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Reaktionen der Bürger auf die Diesel-Fahrverbote

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Kreis RE - Die Reaktionen auf die Fahrverbote in Gelsenkirchen und Essen sind sehr kritisch – viele sehen die Dieselfahrer als unschuldig Leidtragende.

Diesel-Fahrverbote für Gelsenkirchen und Essen – die Reaktionen auf das Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen sind bei vielen Menschen der Region sehr kritisch, wie unsere Umfrage an einer Marler Tankstelle ergeben hat. Tenor: Autoindustrie und Politik lassen die Dieselfahrer im Regen stehen – und die müssen unter den Fahrverboten leiden.

Das einzig Positive an Diesel-Fahrverboten ist für Marian Grobosch aus Marl, dass dadurch der Druck auf die Regierung wächst, härter mit der Autoindustrie zu verhandeln. Ansonsten ist der 65-Jährige sehr ärgerlich über die Entwicklung: „Die Diesel-Autofahrer müssen zahlen und die Autoindustrie lacht sich ins Fäustchen. Das kann doch nicht wahr sein“, schimpft Grobosch mit Blick auf manipulierte Abgaswerte und Fahrverbote. Sein Fazit: „Immer auf den kleinen Mann.“ Auch Güllü Özdemir sieht die Dieselfahrer als unschuldig Leidtragende: „Für mich ist das Hauptproblem: Was sollen die Dieselfahrer machen? Sie werden ihre Autos nicht mehr los, die Wagen gehen im Wert runter und sie können noch nicht einmal mehr überall hinfahren.“ Die Marlerin sieht sogar die Gefahr, dass die Menschen deshalb zu Hause bleiben, nicht mehr zur Arbeit gehen, stattdessen Krankenscheine nehmen. Mit Blick auf die Autoindustrie spricht Güllü Özdemir von „Geldmacherei“.

Jörg Hofmannn beklagt ebenfalls den Wertverlust seines Diesels. „Den kann ich nicht mehr verkaufen“, schimpft der 55-Jährige, der zwischen seinem Arbeitsplatz in Marl und dem Wohnort bei Frankfurt pendelt. „Ich habe mir in gutem Glauben einen Diesel gekauft, weil der sparsamer ist. Alles war in Ordnung – und jetzt das . . .“ So ärgert sich Jörg Hofmann: über die Autoindustrie mit manipulierten Werten, über untätige Politiker und über Verkehrsplaner, die sich umweltfreundlichere Verkehrsführungen überlegen sollten.

Baranowski sieht Bund und Land in der Pflicht

Doch nicht nur Autofahrer klagen über die anstehenden Fahrverbote im Ruhrgebiet: Der Gelsenkirchener Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) nahm das Urteil „mit großem Unverständnis“ auf. Das Urteil stelle die Ruhrgebietsstadt vor eine besondere Herausforderung. Die Stadt will die Urteilsbegründung abwarten und das weitere Vorgehen prüfen. „Leider wird die gesamte Verantwortung für die Luftreinhaltung bei den Kommunen und den Autofahrern abgeladen – sie müssen die Suppe auslöffeln, die uns die Hersteller mit Abschaltsystemen und Schummel-Software eingebrockt haben“, sagte Baranowski in Reaktion auf das Urteil.

Baranowski sieht Bund und Land in der Pflicht. „Die Untätigkeit der Landesregierung beim Diesel-Thema hat die heutige Entscheidung geradezu provoziert“, sagte der Oberbürgermeister. Auch die Bundesregierung habe „eklatante Fehler“ gemacht. „Ohne die entsprechenden Hardware-Nachrüstungen werden Autobesitzer, die sich kein neues Auto leisten können, vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagte Baranowski. „Es kann nicht sein, dass das finanzielle, technische und juristische Risiko bei den Menschen hängen bleibt und nicht bei den Autoherstellern als Verursacher.“ Die Hersteller aber würden das Dilemma auch noch zur Absatzsteigerung ausnutzen.

„Ein Fahrverbot über die bereits bestehenden Beschränkungen für den Lkw-Durchfahrtsverkehr hinaus ist aus Sicht der IHK keine nachhaltige Maßnahme, um die Luftqualitätsziele in Gelsenkirchen zu erreichen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, Dr. Fritz Jaeckel, zu dem Urteil. Die regionale Wirtschaft hatte darauf gehofft, dass die vom Bundesverwaltungsgericht geforderte Verhältnismäßigkeit von Fahrverboten bei dem Urteil des Verwaltungsgerichts stärker berücksichtigt werde.

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