Unbeschwerte Stimmung auf dem Jahrmarkt "Once upon a time"

Eine Zeitreise in unterschiedliche Epochen

Dortmund - Tausende sind am Wochenende über den Jahrmarkt "Once upon a time" geschlendert und haben dabei Herrschaften in historischen Kostümen und das Pferdekarussell der Schaustellerfamilie Schleifer bewundert. Manche Betreiber haben es aber trotzdem schwer.

Der Duft von Reibekuchen und frisch gebackenen Waffeln zieht durch die Luft, vermischt sich mit dem Dampf, den so manches pfeifende Ungetüm bei der Rundfahrt über das Zechengelände ausstößt. Herrschaften in historischen Kostümen flanieren an der Maschinenhalle vorbei, die Herren mit Gehrock und Zylinder, die Damen mit Sonnenschirmchen in der Hand. Und die Leierkasten-Frau spielt den Schneewalzer dazu. Es ist eine beschauliche, unbeschwerte Stimmung, die an Rummelplatz-Szenen in Romanverfilmungen von Astrid Lindgren erinnert.

Eine Zeitreise in unterschiedliche Epochen: An die Kaiserzeit erinnert das hölzerne Riesenrad, 1902 erbaut von "Fritz Bothmanns Carussellbau-Anstalt" in Gotha. "Heutzutage ist so eine Riesenradfahrt doch schon echte Entschleunigung", schmunzelt Andreas Feldmann (40), Schausteller in sechster Generation. "Großeltern kommen mit ihren Enkeln, steigen ein - und erzählen von der alten Zeit."

18 Holzpferde von Hand gefertigt

Ähnlich alt wie das Riesenrad ist auch der Hingucker des Jahrmarkts, gleich unter dem Förderturm, das Pferdekarussell der Schaustellerfamilie Schleifer aus Zülpich. 18 Holzpferdchen, bunt bemalt, alle einst von Hand gefertigt. Eine Augenweide! "Unsere Familie hat das Karussell 1950 angeschafft, aber es dürfte mindestens hundert Jahre alt sein", erzählt Claudia Schleifer (45), die mit Schlägerkappe im kleinen Kassenhäuschen sitzt.

Ihr Mann Toni (48), weißes Hemd und schwarze Fliege, sitzt daneben und entlockt dem Saxofon ein paar Töne. Jede neue Fahrt wird mit einem Glockenschlag angekündigt. Und los geht?s auf den stolzen Rössern, die Namen wie Salomé, Meteor oder Attila tragen. "Früher waren wir ausschließlich auf Dorffesten im Umkreis von rund 50 Kilometern um unseren Heimatort unterwegs", erzählt Schleifer. "Doch viele dieser Feste sind inzwischen leider ausgestorben."

Auf- und Abbau ist mit großem Aufwand verbunden

Daher sind die Schleifers nun bundesweit unterwegs. "Sonst würde sich das Geschäft gar nicht mehr rechnen." Was jedoch mit immensem Aufwand verbunden ist. "Das Karussell muss zum Transport buchstäblich in alle Einzelteile zerlegt werden."

Nur wenige Meter weiter geht?s mit der Raupenbahn zurück in die 50er- und 60er-Jahre. Elvis-Klassiker und Titel anderer Rock-Größen dröhnen aus den Boxen. Heinz Carow (62) aus Castrop-Merklinde ist mit Enkel Jonas (8) zur Nostalgiekirmes gekommen, schaut ein wenig verklärt auf die Raupe, deren Faltdach sich gerade schließt. Der Opa zum Enkel: "Schau mal, in so ?nem Ding hab' ich die Omma zum ersten Mal geküsst."

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