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Die Benutzung des Smartphones während der Autofahrt kann teuer werden – gefährlich ist das Verhalten allemal.

Unfälle im Vest Recklinghausen

Jeder 10. Verkehrsunfall soll auf Ablenkung zurückzuführen sein

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Kreis RE - Kommt es zu einem schweren Unfall, sucht die Polizei im Fahrzeug gezielt nach Handys. Nach Auswertung der Daten drohen strafrechtliche Konsequenzen.

Der Autofahrer wollte nur mal schnell im Bordcomputer den Durchschnittsverbrauch checken. Die kurze Unaufmerksamkeit bezahlte er mit einer demolierten Felge, als sein Wagen den Bordstein touchierte. „Das passiert mir nicht noch einmal“, versichert der Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Glück gehabt, denn so etwas kann auch schlimmer ausgehen, weiß Karl-Heinz Henn, Leiter der Direktion Verkehr im Polizeipräsidium Recklinghausen. Studien und Repräsentativbefragungen haben seinen Angaben zufolge ergeben, dass mindestens jeder zehnte Verkehrsunfall auf Ablenkung zurückzuführen ist. Mal kurz das Navigationsgerät bedienen oder im Handschuhfach nach der Sonnenbrille suchen – wer will sich davon freisprechen?

Eine zentrale Rolle spielt nach Einschätzung von Karl-Heinz Henn jedoch das Smartphone. Bei 23 Unfällen im Kreispolizeibezirk Recklinghausen (Kreis RE und Bottrop) im Jahr 2018 konnte die Polizei nachweisen, dass die Benutzung eines Handys die Crash-Ursache war. „Es handelte sich dabei ausschließlich um schwere Unfälle“, betont der Direktionsleiter. Die Dunkelziffer, vermutet Henn, dürfte sehr viel höher sein.

Jeder Dritte nutzt das Handy am Steuer

Wenn es richtig scheppert, hohe Sachschäden oder sogar Verletzte zu beklagen sind, geht die Polizei auf Spurensuche. „Im Rahmen der Beweissicherung suchen wir gezielt nach Handys in Fahrzeugen und lassen sie nach Anordnung der Staatsanwaltschaft auswerten“, schildert der Beamte das Vorgehen seiner Kollegen. So lasse sich sehr genau nachweisen, ob jemand zum Zeitpunkt des Unfalls telefoniert oder eine WhatsApp geschrieben hat. Ist dem so, drohen auch strafrechtliche Konsequenzen. „Wir reden hier über fahrlässige Körperverletzung, im schlimmsten Fall sogar über fahrlässige Tötung“, sagt Henn.

Bei einer repräsentativen Befragung räumte nach Angaben des Recklinghäuser Präsidiums etwa ein Drittel der Teilnehmer ein, während der Fahrt ein Mobiltelefon zu benutzen oder sogar Selfies zu schießen. Und etwa 35 Prozent klinken sich, während sie hinter dem Steuer sitzen, in Facebook, WhatsApp und Co. ein, um zu lesen oder selbst Mitteilungen zu senden. „Dabei genügt schon eine Sekunde Ablenkung, um bei 50 km/h eine Strecke von etwa 14 Metern im Blindflug zurückzulegen“, erläutert Karl-Heinz Henn. Bei fünf Sekunden sind es bereits 70 Meter.

Wie kann man die Autofahrer zur Vernunft bringen? Das Polizeipräsidium Recklinghausen setzt seit 2016 auf die Aktion „Eine Sekunde genügt – Ablenkung im Straßenverkehr“. In den vestischen Innenstädten wird Passanten bildlich vor Augen geführt, wie lang die Strecke ist, die ein Fahrzeug bei 50 km/h während einer Sekunde zurücklegt. Mit Kunststoffteppichen wird dazu eine 14 Meter lange Fahrbahnstrecke nachgebildet. Darauf werden augenfällig vier lebensgroße Figuren platziert.

Geldbuße, Punkte und Fahrverbot

Wer mit einem Handy am Steuer erwischt wird, zahlt 100 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg. Im Falle einer Gefährdung werden 150 Euro fällig, zwei Punkte verbucht und ein Monat Fahrverbot ausgesprochen. -Kommt es zu einem Unfall müssen 200 Euro gezahlt werden, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot kommen dazu. -Auch die Handy-Nutzung auf dem Fahrrad wird geahndet – und zwar mit 55 Euro.

Auch suchen die Polizisten das Gespräch mit den Bürgern. Die Erkenntnis ist eher ernüchternd. Viele Fahrer seien sich des Risikos des Handymissbrauchs durchaus bewusst, heißt es bei der Polizei. Sie tun sich jedoch nach eigenen Angaben mit einer Verhaltensänderung eher schwer.

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