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Die Kunst der Dortmunder Braumeister sorgte dafür, dass der Name dieser Stadt heute auch in Ohio mit Bier in Verbindung gebracht wird.

Ungewöhnlicher Biername

Darum rinnt "Dortmunder Gold" US-Kehlen hinunter

DORTMUND - In Cleveland ist Dortmund in aller Munde: Eines der beliebtesten Biere der US-amerikanischen Großstadt heißt "Dortmunder Gold". Dass es dazu kam, liegt an der Vorliebe der Biermacher für die Westfälische Braukunst - und einem New Yorker Club.

Einst strahlte das Ansehen Dortmunds als größte Bier-Metropole Europas in die ganze Welt hinaus, doch dieser Glanz ermattete im Laufe der Jahrzehnte. Inzwischen spricht auf anderen Kontinenten kaum noch jemand über Dortmunder Bier, könnte man meinen.

Ein Trugschluss. In einer fernen Stadt leuchtet der Stern Dortmunder Braukunst noch immer überaus hell, oder besser gesagt: gülden. Denn das flüssige Flaggschiff der Great Lakes Brewing Company, der größten Brauerei im US-amerikanischen Cleveland, heißt „Dortmunder Gold“.

Frappierende Gemeinsamkeiten zwischen Cleveland und Dortmund

Dass sich die Geschmäcker der Menschen in Dortmund und der Großstadt im Bundesstaat Ohio ähneln, kommt nicht von ungefähr – die Geschichte beider Orte weist frappierende Gemeinsamkeiten auf. Als Standort der Schwerindustrie groß geworden, traf die Stahlkrise der 1970er-Jahre sowohl die Ruhrmetropole als auch die Stadt am Eriesee hart.

Fortan suchten beide Orte ihr Glück im Dienstleistungssektor, sodass der Strukturwandel in den vergangenen Jahren auch Cleveland, dessen weiße Bevölkerung zu über 20 Prozent von Deutschen abstammt, veränderte.

Vorliebe für kräftiges Bier

Doch die Vorliebe für ein kräftiges Export, das in Ohio allerdings Lager heißt, blieb: Von keinem ihrer sechs regelmäßig und 20 saisonal gebrauten Biersorten verkaufe die Great Lakes Brewing Company so viel wie vom Dortmunder Gold, sagt Adam Ritterspach, Sprecher der Great Lakes Brewing Company. Über Geschmack lässt sich eben nicht streiten.

„Die US-Bierszene wurde lange von in Massen produziertem Bier dominiert, das dazu tendierte, sehr kohlensäurehaltig zu sein, während es an Geschmack und Nuancen fehlte“, so Ritterspach. Diesem Trend traten die Brüder Dan und Pat Conway entgegen, als sie 1988 die erste Craft-Brauerei im Staat Ohio gründeten.

Mit einem ambitionierten Ziel: Sie wollten ein so würziges, vollmundiges Bier kreieren, wie sie es bei einem Europa-Aufenthalt kennengelernt hatten. Und da ein Geschmack von der Reise durch die Alte Welt offenbar am Gaumen hängen geblieben war, brauten sie kurzerhand ein Bier im klassischen Dortmunder Stil.

Aus "The Heisman" wurde "Dortmunder Gold"

Zunächst wurde das mit 5,8 Prozent Alkohol alles andere als leichte Gebräu jedoch nach einer lokalen Berühmtheit benannt. John Heisman, ein bekannter Footballspieler Ohios, stand bei der Namensgebung von „The Heisman“ Pate.

Das Bier erfreute sich schnell großer Beliebtheit und gewann beim Great American Beer Festival sogar eine Goldmedaille. Dieser Erfolg rief den Downtown Athletic Club aus New York auf den Plan, der die Namensrechte am ehemaligen Spieler Heisman besaß und diese nun geltend machte.

Doch wie sollte das Paradepferd der Brauerei künftig heißen? „Unsere Meisterbrauerin schlug vor, den Namen in Dortmunder Gold umzuwandeln“, sagt Ritterspach, „weil es unser erstes Goldmedaillen-Bier war und sein Stil von den Dortmunder Bieren inspiriert wurde.“

Bier ist in 14 Staaten erhältlich

Inzwischen rinnt Gold längst nicht mehr nur in Ohio die Kehlen durstiger Amerikaner hinunter. In 14 Bundesstaaten, darunter Kentucky, New York und West Virgina, ist das Bier mit dem Ruhrpott-Image erhältlich, erklärt Ritterspach: „Es ist auch als gezapftes Bier weit verbreitet, aber wir verkaufen es etwas mehr in Flaschen.“

Die Frage, warum ausgerechnet Dortmunder Gold von den Kunden so gut angenommen wird und mittlerweile 16 Medaillen bei den World Beer Championships gewann, beantwortet der Brauereisprecher zunächst kurz und knapp: „Es ist absolut lecker.“

Dann jedoch gerät Ritterspach ins Schwärmen: „Dortmunder Gold ist ein extrem ausgewogenes Bier mit süßem Malz und trockenem Hopfen; ein Erlebnis für neue und erfahrene Bierfans.“ Sogar in der Küche finde es häufig Verwendung. In diesem Punkt unterscheiden sich Cleveland und Dortmund dann doch. Hierzulande wird Bier vor allem getrunken – und nicht verkocht.

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