Unqualifizierte Kärfte eingesetzt

Gerichtsprozess: Die Ex-Geschäftsführerin eines Dattelner Pflegedienstes soll in Haft

DATTELN - Die Haftstrafe für eine ehemalige Geschäftsführerin eines Dattelner Pflegedienstes wurde beantragt: für drei Jahre und neun Monate soll sie ins Gefängnis.

Im Prozess um mutmaßlich systematische Erstattungs-Betrügereien bei einem Dattelner Pflegedienst hat die Staatsanwaltschaft für die ehemalige Geschäftsführerin (43) eine empfindliche Haftstrafe beantragt: drei Jahre und neun Monate Haft. Die mitangeklagte Ex-Pflegedienstleiterin (42) könnte dagegen noch eine Bewährungschance erhalten.

Schönrednerei und Verharmlosung

Mehr als acht Monate nach Prozessbeginn ging Oberstaatsanwältin Daniela Friese am Montag vor allem mit der Hauptangeklagten hart ins Gericht. Einerseits sei der 43-Jährigen natürlich ihr Teilgeständnis und ihr blankes Vorstrafen-Register zugutezuhalten. Andererseits warf die Anklägerin ihr „Schönrederei“ und „Verharmlosung“ vor. Dass allein der Pflegenotstand und Fachkräftemangel sie quasi in diese Bredouille gebracht habe, nahm die Oberstaatsanwältin der Ex-Geschäftsführerin nicht ab. „Sie handelte, um ihren Gewinn zu optimieren“, hieß es.

Die Ex-Geschäftsführerin selbst hat sich ebenso wie die Mitangeklagte noch einmal öffentlich entschuldigt. „Ich möchte sagen, dass es mir wirklich aufrichtig leidtut“, sagte die 43-Jährige. „Ich bereue, was ich getan habe.“

Keine Taten folgten auf Worte

Verteidiger Hans Reinhardt konterte vor allem den Vorwurf der Anklägerin, dass die Angeklagte ihren Ankündigungen zur Schadenswiedergutmachung so gut wie keine Taten folgen lassen habe. In diesem Punkt sei die Angeklagte schlicht auf Versprechungen eines Dritten hängen geblieben. „Das ist menschlich verachtenswert“, sagte der Marler Anwalt. Von 532.000 Euro Schaden konnten während des Prozesses immerhin 85.000 Euro beglichen werden. Verteidiger Reinhardt plädierte für eine Bewährungs- plus eine Geldstrafe. Aus dem Gefängnis heraus sei Schadensbegleichung jedenfalls unmöglich.

Beide Angeklagten hatten zugegeben, zwischen 2015 und 2017 in zahlreichen Intensiv- und Beatmungs-Pflegefällen Mitarbeiter eingesetzt zu haben, die den vertraglichen Vorgaben der Krankenkassen nicht entsprachen. Dazu gehörten vor allem Rettungsassistenten, aber auch ein gelernter Konditor. Sicher ist wohl: An der Qualität der ausgeübten Pflege gab es nie Beanstandungen. Die Urteile werden am kommenden Donnerstag, 6. Juni, gesprochen.

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