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Die Rückkehr zu neun Jahren Gymnasialzeit ist längst geplant. Jetzt gibt eine Studie der Umstellung Rückenwind.

Untersuchung zur Abitur-Zeit

Dortmunder Forscher: G9 macht schlauer als G8

DORTMUND - Bei Intelligenztests von G8- und G9-Schülern schneiden die Jugendlichen besser ab, die nach neun Jahren Abitur machen. Das hat jetzt ein Forscherteam der Universitäten Dortmund und Marburg herausgefunden.

Die Wissenschaftler verglichen in zwei Erhebungen die Leistungen von 15- und 16-jährigen Schülern aus beiden Systemen. Dabei schnitten die G9-Schüler in fast allen Bereichen des Intelligenztests besser ab als die G8-Schüler. Die Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht.

Ricarda Steinmayr, Professorin für Pädagogische Psychologie an der TU Dortmund und Initiatorin der Studie, interessierte die Frage, ob jedes zusätzliche Jahr an der Schule wirklich die Intelligenz fördert, was einige Studien nahelegen. Oder sollte der Effekt, wie manche behaupten, nur auf Fähigkeiten zurückgehen, die die Bearbeitung von Intelligenztests erleichtern – Faktenwissen, Lesefähigkeit und Rechenroutine etwa?

Das Resultat: „Unsere Ergebnisse sind ein erster Hinweis darauf, dass der Einfluss von Beschulung auf die Testwerte vorrangig auf eine echte Steigerung der Intelligenz zurückgeht und weniger auf eine Förderung lehrplangebundener Fähigkeiten“, sagt Ricarda Steinmayr.

"Jedes Jahr Beschulung mehr macht etwa zwei bis vier IQ-Punkte aus"

Könnte nicht auch einfach die Reife der ein Jahr älteren Schüler verantwortlich sein? „Beschulungs- und Alterseffekt sind in der Tat schwer auseinanderzuhalten“, bestätigt Sebastian Bergold, Junior-Professor für Kinder- und Jugendpsychologie an der TU Dortmund und Erstautor der Studie.

Der Vergleich Gleichaltriger, die unterschiedlich lange zur Schule gingen, bestätige aber, dass die intellektuelle Entwicklung zum größten Teil auf die längere Schulzeit zurückgeht. Zudem sei bei Jugendlichen der reine Alterseffekt auf die Intelligenzentwicklung ohnehin marginal. „Jedes Jahr Beschulung mehr macht etwa zwei bis vier IQ-Punkte aus, haben Vorgängerstudien festgestellt.“

Schulen waren nicht repräsentativ

Der Stoff sei für G8- und G9-Klassen gleich, curriculumgebundene Fähigkeiten können also nicht entscheidend sein. „Vielmehr lernen die Schüler zu denken, Transfer zu leisten, Verbindungen zu knüpfen.“ Sie können ihre kognitive Fähigkeiten in unterschiedlichen Disziplinen und unter verschiedenen Bedingungen dauerhafter trainieren und verfestigen.

„Eine längere Beschulung fördert also unabhängig vom Curriculum die Intelligenz“, fasst Sebastian Bergold die Ergebnisse zusammen. „Wir haben allerdings lediglich Stichproben aus zwei nicht repräsentativ ausgewählten Schulen untersucht. Deshalb sind weitere, vor allem größer angelegte Studien und neue Daten notwendig, um diesen Befund abzusichern.“

G8/G9-Hin-und-Her hätte Schülern erspart werden können

Bereits jetzt lenke der Befund den Blick darauf, dass grundlegende Schulreformen wie die Schulzeitverkürzung auf Basis von Fakten beschlossen und durch Forschung begleitet werden sollten. – So hätte man Kindern, Eltern und Lehrern das Hin und Her zwischen G8 und G9 vielleicht ersparen können.

Die Studie:

Die Daten wurden in zwei Studien, 2010 und 2012/13, erhoben. Die Schüler wurden kurz nach dem Übergang in die Oberstufe untersucht, also in der zehnten bzw. elften Jahrgangsstufe. Im ersten Teil nahmen 81 G8- und 80 G9-Schüler teil. In Studie 2 bearbeiteten 244 G8-Schüler und 204 G9-Schüler den Intelligenztest. In beiden Arbeiten erfassten die Forscher zusätzlich Geschlecht, Alter und den höchsten Bildungsgrad der Eltern sowie den letzten Notendurchschnitt.

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