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Gesprächsrunde zum Schülerstipendiumprogramm (v. l.): Moderatorin Anne Garschagen diskutiert auf der Bühne der Essener Lichtburg mit den RuhrTalenten Gina Alice Marcinczyk (Gladbeck), Günes Öngün (Bochum) und Mark Smolarz (Mülheim)

Urkundenübergabe

„Eine ganz große Möglichkeit“

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REGION - Das Schülerstipendium RuhrTalente fördert weitere 100 Jugendliche mit nicht idealen Rahmenbedingungen.

Bei der Betreuung seiner beiden schwerbehinderten Brüder helfen – das gehört für Dogukan Kocaoglu zum normalen Tagesablauf. „Zu bestimmten Zeiten muss ich zu Hause sein, um meine Mutter zu unterstützen“, berichtet der 18-Jährige. Für ihn wird es bisweilen zum Spagat, Schule und Familie unter einen Hut zu bringen. Seine Mutter ist Hausfrau, die Eltern sind getrennt, der Vater lebt in der Türkei. Dogukan Kocaoglu wohnt mit Mutter und insgesamt drei Geschwistern in Waltrop. Und Dogukan Kocaoglu ist seit März 2018 RuhrTalent.

Jetzt wurde der Oberstufenschüler der Gesamtschule Waltrop offiziell mit Urkundenübergabe in das Schülerstipendium RuhrTalente aufgenommen, bei einer feierlichen Veranstaltung in der Essener Lichtburg – zusammen mit 99 anderen neuen Stipendiaten, 28 davon aus dem Kreis Recklinghausen.

„Wir fördern leistungsorientierte und engagierte Jugendliche aus weniger privilegierten Umfeldern, junge Menschen, die keine idealen Rahmenbedingungen haben“, erläutert Robin Gibas von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, die das Stipendium koordiniert. Die Förderung ist bei Bedarf auch finanziell, besteht aber in erster Linie aus Bildungsangeboten über Workshops, Beratungen, Sprachreisen . . . Hier sollen Talente entdeckt, Horizonte erweitert, Perspektiven für Studium und Beruf entwickelt werden.

Größtes Schülerstipendium der Region

„Das Stipendium hat mir schon gut geholfen, mit Veranstaltungen zur Rechtschreibung, Kommunikations- und Präsentationsfähigkeit“, berichtet Dogukan Kocaoglu von seinen bisherigen Erfahrungen als RuhrTalent. „Bei einem Workshop ging es darum, die eigenen Stärken herauszufinden – und dadurch ist mir mein Berufsziel klarer geworden: Ich möchte Elektrotechnik studieren und später Ingenieur werden.“ Um das Studienfach besser kennenzulernen, hat Dogukan Kocaoglu auch bereits einen Praktikumsplatz bei den Elektrotechnikern an der TU Dortmund ergattert.

Seit 2016 gibt es die RuhrTalente, das Schülerstipendium ist inzwischen das größte in der Region: Insgesamt etwa 160 Jugendliche aller weiterführenden Schulformen sind dabei, gefördert wird frühestens ab der achten Klasse bis zum Beginn einer Ausbildung oder eines Studiums. Die Stipendiaten werden entweder von einem ihrer Lehrer oder von Hochschul-Talentscouts empfohlen, die durch verschiedene Schulen touren. Die RAG-Stiftung fördert das Programm bis zum Jahr 2020 mit zwei Millionen Euro.

RuhrTalente

Das Schülerstipendiumprogramm RuhrTalente wurde von der Westfälischen Hochschule, der RAG-Stiftung und der Stiftung TalentMetropole Ruhr entwickelt. Das Bildungsprogramm mit zahlreichen Veranstaltungen zur Berufs- und Studienorientierung sowie Persönlichkeitsbildung startete 2016.

Insgesamt gibt es inzwischen 160 Stipendiaten aus dem Ruhrgebiet, 38 davon aus dem Kreis Recklinghausen (Castrop-Rauxel: 1, Gladbeck: 24, Haltern: 1, Herten: 4, Marl: 2, Recklinghausen: 4, Waltrop: 2).

Neu in das Bildungsprogramm aufgenommen wurden jetzt 100 Jugendliche, davon 28 aus dem Kreis RE.

Die RuhrTalente wurden im Mai 2018 als „Hochschulperle des Monats“ ausgezeichnet.

Im Juli 2018 haben die ersten RuhrTalente-Alumni das Programm in Richtung Ausbildung oder Studium verlassen.

Bärbel Bergerhoff-Wodopia vom Vorstand der RAG-Stiftung war jetzt bei der Urkundenübergabe voll des Lobes für die RuhrTalente: „Bei Ihnen weiß ich, dass unsere Fördergelder mehr als gut angelegt sind. Denn wir bekommen weit mehr zurück, als wir Ihnen geben – Sie gestalten die Zukunft unserer Region.“ Dogukan Kocaoglu wird die Worte gern gehört haben. Er ist sehr froh, RuhrTalent zu sein. „Das ist eine Chance, meine Persönlichkeit entfalten zu können“, sagt der Waltroper. Und fügt hinzu: „Eine ganz große Möglichkeit.“

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