Urteil am Landgericht

Shisha-Bar: Angeklagter freigesprochen

MARL - Im Prozess um eine folgenschwere Nacht in einer Marler Shisha-Bar ist der Angeklagte vom Essener Landgericht freigesprochen worden. Das mutmaßliche Opfer zeigte sich entsetzt. Auch die Staatsanwaltschaft war überrascht. Sie hatte dreieinhalb Jahre Haft gefordert.

Dem Angeklagten war vorgeworfen worden, in der Nacht auf den 10. Juli 2017 die hilflose Lage einer heute 20-Jährigen ausgenutzt zu haben. Die Anklage lautete auf Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person. Die junge Frau aus Marl hatte mit einer Freundin gefeiert – erst in einer Disko, dann in einer Shisha-Bar. Dabei war nach ihren eigenen Angaben jede Menge Alkohol und Amphetamin im Spiel. Irgendwann habe dann eine Art Filmriss eingesetzt. Was danach passiert ist? Daran hat sie keine Erinnerung mehr. Wach geworden war sie in den frühen Morgenstunden auf einer Couch. Sie war fast komplett entkleidet, ein Mann hatte Geschlechtsverkehr mit ihr.

Vor Gericht hatte der Angeklagte das auch gar nicht bestritten. Auch nicht, dass die angehende Altenpflegerin ziemlich betrunken war. Aber komplett willenlos? „Ich habe sie ja nicht auf die Couch geschleppt“, hatte er den Richtern gesagt.

Am Ende stand Aussage gegen Aussage. Und so entschied die Strafkammer nach dem Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Das konnten auch die Tränen der 20-Jährigen nicht verhindern. „Für sie ist das ziemlich bitter“, sagte Anwalt Jörn Reinhardt, der die Auszubildende im Prozess vertreten hat. „Sie fühlt sich in Stich gelassen.“ Den Freispruch wolle man nicht hinnehmen. Reinhardt hat bereits Revision eingelegt. Selbst eine Glaubwürdigkeits-Gutachterin, die vom Essener Landgericht hinzugezogen war, zeigte sich nach dem Urteil überrascht. Sie hatte der Auszubildenden geglaubt, dass sie wie weggetreten war, als die sexuellen Handlungen begannen.

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