Urteil am Landgericht

Über sechs Jahre Jugendhaft für 17-Jährige nach tödlicher Messerattacke im Parkhaus Hörde

Fast ein Jahr nach einem tödlichen Streit im Parkhaus Hörde hat das Landgericht das Urteil gesprochen. Die 17-jährige Angeklagte wurde zu sechs Jahren und vier Monaten Jugendhaft verurteilt.

Kein Totschlag, sondern "nur" Körperverletzung mit Todesfolge. So beurteilen die Richter der 31. Strafkammer die Bluttat. Zwar habe die damals 16-jährige Angeklagte im Streit ein Messer gezogen und die Klinge ihrer ein Jahr jüngeren Bekannten ins Herz gerammt. Dennoch sei nicht sicher feststellbar, dass sie dabei auch tatsächlich in Kauf genommen habe, dass die andere Schülerin sterben könnte.

Richter hatten Zweifel beim Vorsatz der Tat

"Die Richter hatten Zweifel bei der Feststellung des Tötungsvorsatzes", sagte Verteidigerin Henriette Lyndian nach dem Urteil. "Und wie überall, so gilt eben auch hier: Im Zweifel für die Angeklagte."

Lyndian erklärte weiter, ihre Mandantin habe die Entscheidung der Richter "ruhig und gefasst" aufgenommen. Die 17-Jährige habe natürlich vor diesem Tag Angst gehabt und ebenso natürlich gehofft, dass sie nicht so lange in Haft müsse.

"Dennoch weiß sie, was sie getan hat und dass sie schuldig ist", sagte die Verteidigerin. "Und sie weiß auch, dass sie die Zeit in Haft nun nutzen muss, um an ihrer Zukunft zu arbeiten."

Urteil ist noch nicht rechtskräftig

Wo die 17-Jährige ihre Strafe absitzen muss und ob sie dabei die Gelegenheit haben wird, zum Beispiel einen Schulabschluss zu machen, steht aktuell noch nicht fest. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, weil weder Verteidigung noch Staatsanwaltschaft auf eine eventuelle Revision verzichtet haben. Erst nach der Rechtskraft werden dann Gespräche über den weiteren Strafvollzug anlaufen.

Worüber sich die beiden Jugendlichen an diesem verhängnisvollen Abend im Februar 2018 gestritten haben, ist weiter nicht bekannt. Die gesamte Hauptverhandlung - einschließlich der Urteilsbegründung - fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Verteidigerin Lyndian hatte zu Beginn des Prozesses von "Kleinigkeiten und Banalitäten" gesprochen, die den Streit provoziert hätten. Details dazu wollte sie nicht nennen.

Keine Nebenklage

Die Rechte des 15-jährigen Todesopfers wurden im Prozess nicht von einem eigenen Rechtsanwalt vertreten. Wie es heißt, hat das Mädchen zuletzt nicht mehr bei Verwandten gewohnt. Die Mutter soll schon vor einigen Jahren verstorben sein.

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