Urteil

Lange Haftstrafen für Angeklagte im Audi-Mord-Prozess

DORTMUND/BOCHUM - Im Audi-Mord-Prozess ist am Dienstag ein Bochumer wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Sein Komplize aus Lütgendortmund muss acht Jahre in Haft. Das Duo soll einen russischen Autoverkäufer in die Falle gelockt und qualvoll getötet haben. Eine Sache wurde zugunsten des Dortmunders ausgelegt.

Die Richter waren nach fast sechsmonatiger Verhandlungsdauer sicher überzeugt, dass der 33-jährige Angeklagte den russischen Audi-R8-Verkäufer am 16. Januar 2017 heimtückisch und aus Habgier getötet hat. Nach einer vorherigen Probefahrt mit dem blauen Sportwagen soll der Mitangeklagte aus Lütgendortmund den ahnungslosen Verkäufer, der eigentlich nur noch auf die Übergabe der vereinbarten 81.000 Euro wartete, in ein Zimmer gerufen haben. Dort griff der Bochumer den Mann dann plötzlich von hinten an, nahm ihn in den Schwitzkasten und würgte ihn.

Während des mehr als drei Minuten dauernden Todeskampfes soll dem späteren Opfer zudem mindestens dreimal mit einem Hammer gegen den Kopf geschlagen haben. Nach der Tötung, so das Gericht, brüstete sich der 33-jährige Bochumer im Bekanntenkreis als neuer Eigentümer des Sportwagens. Sogar das Profilbild bei WhatsApp änderte der Hauptangeklagte bereits einen Tag nach der Tötung auf ein Protz-Foto mit dem blauen Audi R8.

Bochumer schickte Mutter des Mordopfers SMS

Die Polizei war den Männern auf die Spur gekommen, weil diese zuvor völlig offen mit dem extra aus Russland eingeflogenen Verkäufer Kontakt hatten. Laut Urteil schickte der Bochumer nach der Tötung über das Handy des Russen eine SMS an dessen Mutter, um die bereits besorgt auf Nachrichten ihres Sohnes wartende Frau in die Irre zu führen.

Der Inhalt der SMS lautete: "Hat alles geklappt, Auto ist bezahlt. Bin jetzt wieder auf dem Weg zum Flughafen. Melde mich, mein Akku ist leer." Dieses Nachtatverhalten des Hauptangeklagten bezeichnete Richter Josef Große Feldhaus im Urteil als "dreist" und "unverschämt".

Richter glaubten den Aussagen des Lütgendortmunders

Das Duo auf der Anklagebank hatte sich im Prozess bis zuletzt gegenseitig beschuldigt, den Audi-Verkäufer getötet zu haben. Die Richter stützten ihr Urteil letztlich aber allein auf die aus ihrer Sicht glaubhaften und geständigen Angaben des Angeklagten aus Lütgendortmund. Bei der Bemessung seiner Strafe als Mörder-Gehilfe berücksichtigten sie besonders, dass der Mann wertvolle Aufklärungshilfe betrieben und die Fahnder letztlich sogar zum Leichenfundort in einem Waldstück bei Witten geführt hatte.

Mit dem Hauptangeklagten, der während der Urteilsverkündung ständig durch spöttische Kommentare und abfällige Gesten auffiel, gingen die Richter hart ins Gericht. "Die Tat ist letztlich Ausfluss der kriminellen und psychopathischen Persönlichkeit des Hauptangeklagten", hieß es in der Urteilsbegründung wörtlich. Die Urteile lauten auf Mord beziehungsweise Beihilfe zum Mord.

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