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Natürlich geht es beim ?Vegi-Schnitzel-Test? um den Geschmack. Aber die Schülerinnen und Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums haben sich auch mit Inhaltsstoffen, Herstellung, Preis, Geruch oder Aussehen beschäftigt.

Vegi-Schnitzel unter der Lupe

Recklinghäuser Schüler gewinnen Hauptpreis bei „Jugend testet“

RECKLINGHAUSEN - Ein Oberstufen-Projektkurs am Marie-Curie-Gymnasium hat sich mit der höchst ungewöhnlichen Aufgabe beschäftigt, vegetarische Schnitzel auf Geschmack und Qualität zu prüfen. Und das sehr erfolgreich: Die acht Schüler haben mit ihrer Untersuchung beim bundesweiten Wettbewerb „Jugend testet“ von Stiftung Warentest einen der sechs Hauptpreise gewonnen und nächsten Montag geht es zur Preisverleihung nach Berlin.

Eine tolle Auszeichnung, immerhin haben etwa 1 900 Jugendliche aus ganz Deutschland bei dem Wettkampf mitgemacht. Sie haben sich originelle Testobjekte ausgesucht, eine eigene Testmethode entwickelt und schließlich ihre Ergebnisse präsentiert.

All das liegt auch hinter den Recklinghäuser Schülern. „Einerseits gibt es immer mehr Vegetarier und vegetarische ,Ersatzprodukte‘. Andererseits hört man sehr oft das Urteil, dass diese Sachen nicht schmecken, unappetitlich sind. Dem wollten wir auf den Grund gehen“, berichtet Lena Sandkühler von den Anfängen des Projekts.

Und dann ging es richtig los, wie die 17-jährige Sprecherin der Gruppe erzählt: Untersuchungskriterien wie Geschmack, Inhaltsstoffe, Herstellung, Preis, Geruch und Aussehen wurden aufgestellt – und anschließend alle auffindbaren vegetarischen Schnitzel, „Geschmacksrichtung Wiener Art“, gekauft. „Danach haben wir Wiegekontrollen durchgeführt, Geruch und Aussehen bewertet. Gleichzeitig wurde intensiv recherchiert: Wir haben zum Beispiel Produktionsbedingungen, Transportwege und Kundenfreundlichkeit überprüft und mit einem Punktesystem bewertet“, sagt Lena Sandkühler.

Drei von acht waren „richtig lecker“

Schließlich der Höhepunkt: Die Schnitzel kamen in die Pfanne und wurden von der Gruppe und weiteren Testpersonen probiert. Das Ergebnis: „Von den acht Schnitzeln waren drei richtig lecker, aber es gab auch ein teures und zugleich ekelhaftes Schnitzel“, sagt Lena Sandkühler. Interessant sind auch die Schüler-Resultate zur Gesundheit der Vegi-Produkte: „Alle Schnitzel haben unsere Richtangaben bei den Gehalten an Fett und Salz überschritten – zum Teil um das Doppelte“, berichtet Lena Sandkühler. Ihr Gesamtfazit: „Die geschmacklichen Unterschiede sind groß. Das negative allgemeine Urteil in Richtung Appetitlichkeit und Geschmack hat sich nicht bestätigt – aber ich werde jetzt nicht nur noch Vegetarier-Produkte essen.“

Mit ihren gründlichen Untersuchungen haben die Schüler aus Recklinghausen ein wenig hinter die Kulissen eines Produkts geschaut – und damit ein zentrales Ziel des Wettbewerbs erfüllt. „Wir möchten mit ,Jugend testet‘ kritischen Konsum fördern. Jugendliche sollen nicht blind der Werbung glauben, sondern zum Beispiel Preise und Qualität von Produkten vergleichen“, sagt Heike van Laak, Pressesprecherin von Stiftung Warentest.

Zudem sollen die Teilnehmer Spaß am Testen in der Gruppe entwickeln. Das ist den Recklinghäuser Schülern gelungen, wie Lena Sandkühler erläutert: „Die gemeinsame Arbeit war toll. Zum Einsendeschluss hin wurde es zeitlich sehr eng. Ich habe zwischendurch nicht gedacht, dass wir das noch schaffen. Aber alle haben gezeigt, dass sie es wollten – und wir konnten uns im Endspurt aufeinander verlassen.“

„Jugend testet“ ist ein bundesweiter Wettbewerb von Stiftung Warentest. Teilnehmen können testende Einzelpersonen oder Teams zwischen zwölf und 19 Jahren.

Der Wettbewerb findet in zwei Sparten statt: Produkttests und Dienstleistungstests. In beiden Bereichen gibt es einen ersten bis dritten Hauptpreis – jeweils dotiert mit 2.500, 2.000 und 15.000 Euro. Welchen der Hauptpreise die sechs eingeladenen Gewinner erhalten, erfahren sie erst bei der Preisverleihung – in diesem Jahr am kommenden Montag.

Ziel des Wettbewerbs ist es unter anderem, den kritischen Konsum der Jugendlichen zu fördern.

Die Testthemen sind vielfältig und werden von den Teilnehmern ausgesucht. Sie reichen von Glasreinigern, Backmischungen und Anspitzern bis zu Übersetzungsprogrammen, Kulanz beim Umtausch im Einzelhandel und Fußball-Live-Tickern.

Stiftung Warentest veröffentlicht die prämierten Tests jeweils in seinem Heft „Test“ – in diesem Jahr in der Juli-Ausgabe. Dabei werden die allgemeinen Testergebnisse, aber nicht einzelne Produkte genannt. „Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass hier von Stiftung Warentest getestet wurde“, erklärt Sprecherin Heike van Laak.

Die Anmeldung für 2018 erfolgt ab Herbst 2017. Weitere Infos:

Gemeinsam wollen die Recklinghäuser nun auch das Projekt „Schnitzel-Test“ abschließen und nach Berlin fahren – zur Preisverleihung mit zweitägigem Rahmenprogramm. Eigentlich sind hier höchstens zwei Teilnehmer pro Team eingeladen. „Aber wir haben mit Stiftung Warentest abgesprochen, dass der ganze Kurs kommt. Anreise und Unterkunft müssen wir dann anteilig selbst bezahlen – dafür verwenden wir unser Preisgeld“, sagt Lena Sandkühler. Die 17-Jährige betont: „Wir haben das Projekt alle Acht gemeinsam gemacht, deshalb ist es uns auch wichtig, dass wir alle Acht gemeinsam nach Berlin fahren.“

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