Verdacht auf Beleidigung

"Lachhafter Haufen": Polizei lädt BVB-Fan "Kartoffelotto" wegen Tweet vor

Nachdem ein BVB-Fan die Polizei auf seinem Twitter-Konto "Kartoffelotto" als "lachhaften Haufen" kritisiert hatte, wurde er nun vorgeladen. Jan Böhmermann verfolgt den Fall aufmerksam.

Die neusten Entwicklungen zu dem Fall gibt es hier:

Es schien so, als hätten sich die Wogen im Streit zwischen dem Twitter-User "Kartoffelotto" und der Dortmunder Polizei geglättet. Nun liegt gegen ihn doch eine Vorladung wegen des Verdachts der Beleidigung vor.

Die Polizei Dortmund bestätigte einen entsprechenden Tweet von "Kartoffelotto", der seinen echten Namen nicht in der Öffentlichkeit lesen möchte, gegenüber unserer Redaktion. Das sei ein ganz normales Vorgehen in einem Strafverfahren, sagte eine Polizeisprecherin. Der BVB-Fan aus dem Sauerland sei nicht verpflichtet, der Vorladung bei der Polizei im Sauerland Folge zu leisten. Es sei aber seine Möglichkeit, seine Sicht der Dinge auf den Fall darzulegen, bevor der Fall zur Staatsanwaltschaft gehe, so die Sprecherin.

Wir fassen die kuriose Geschichte und Reaktionen noch einmal zusammen:

Ausgangspunkt war die Neonazi-Demonstration in Dorstfeld und Marten Ende September, die deutschlandweit für Aufregung sorgte. Nach der Demo stand besonders die Dortmunder Polizei in der Kritik, die demnach mit zu wenigen Einsatzkräften vor Ort gewesen seien.

Einige Tage später war der Twitter-User "Kartoffelotto" beim Spiel des BVB gegen Nürnberg. Da der 1. FC Nürnberg eine Fanfreundschaft mit Schalke 04 pflegt, war die Polizei mit einem erhöhten Polizeiaufgebot vor Ort. Der sichtbare Unterschied der Polizeipräsenz zwischen Neonazi-Demo und Fußballspiel sorgte für den Tweet von "Kartoffelotto", um den sich die Diskussion nun dreht.

"Mir ist aufgestoßen, dass es beim Aufmarsch der Rechtsextremen in der vergangenen Woche ganz anders aussah", sagte "Kartoffelotto" unserer Redaktion bei der ersten Berichterstattung über den Fall.

Die Bezeichnung "lachhafter Haufen" fand die Dortmunder Polizei gar nicht lustig und kündigte an, den Tweet auf "strafrechtliche Relevanz" zu überprüfen.

Von nun an ging es um die Frage, ob die Bezeichnung "lachhafter Haufen" eine Beleidigung darstellt oder ob sie von der freien Meinungsäußerung gedeckt ist. Zwischenzeitlich schaltete sich beispielsweise auch TV-Moderator Jan Böhmermann ein.

Kurze Zeit später schien es allerdings so, als würden die Wogen wieder glätten. Die Polizei lud "Kartoffelotto" zu einem klärenden Gespräch aufs Revier ein und dieser schien nicht abgeneigt.

Es hätte das Ende dieser kuriosen Twitter-Auseinandersetzung sein können. Viel Aufregung, ein Kaffee, ein klärendes Gespräch. Dazu kam es allerdings nicht, denn am frühen Montagmorgen meldete sich "Kartoffelotto" mit diesem Tweet zurück:

Klärendes Gespräch kam nicht zustande

Laut Polizei Dortmund habe sich "Kartoffelotto" danach aber nicht mehr gemeldet - insofern habe es auch kein klärendes Gespräch gegeben. Nun also die Vorladung. Wie der BVB-Fan darauf reagieren will, ließ er auf Anfrage unserer Redaktion offen: "Aufgrund des jetzt schwebenden Verfahrens möchte ich mich dazu aktuell nicht weiter äußern."

Doch handelt es sich bei seinem Tweet nun um freie Meinungsäußerung oder schon um eine Beleidigung? Das muss später die Staatsanwaltschaft oder schlussendlich ein Gericht bewerten. Für den Dortmunder Rechtsanwalt Sebastian Fricke von der Kanzlei Schaefermeier ist das nicht geklärt: "Ich würde nicht sagen, dass es sich um eine klare Beleidigung handelt. Das ist aber nicht immer ganz leicht zu beurteilen."

Entscheidend bei der Bewertung sei, an wen sich die Äußerung richte, also ob es sich um eine kollektive oder eine individuelle Beleidigung handele. "Die Abkürzung ACAB (All Cops are Bastards) beispielsweise darf man auf einem Pullover tragen, geht man aber zu einem Polizisten und sagt ihm das ins Gesicht, dann ist das etwas anderes", erklärt Fricke.

Jan Böhmermann fragt nach

Wie der Fall ausgeht, ist also noch unklar. Die Aufmerksamkeit eines berühmten Fürsprechers ist "Kartoffelotto" aber sicher: Jan Böhmermann erkundigte sich am Montag erneut nach dem Fall.

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