Vergewaltigung der "Zweitfrau"

Bewährungsstrafe für 17-fachen Vater

HERTEN-SÜD - Weil er eine seiner zwei Frauen vergewaltigt hat, ist ein ursprünglich aus dem Kosovo stammender Autohändler aus Herten-Süd am Mittwoch am Bochumer Landgericht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 17-fache Vater hatte kurz zuvor überraschend doch noch über einen seiner drei Verteidiger ein Geständnis abgelegt.

Das Urteil der 9. Strafkammer fußt auf einer Verständigung zwischen Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung. Wie berichtet, waren ursprünglich neben mehreren Bedrohungen sogar zwei Vergewaltigungsvorfälle angeklagt gewesen. Nachdem sich bei der Vernehmung der Belastungszeugin (39) jedoch herauskristallisiert hatte, dass sich jedenfalls der zeitlich zweite Vorfall am Ende keinesfalls als Vergewaltigung hätte bewerten lassen, waren die Verteidiger noch einmal mit dem Angeklagten (49) in eine Beratung eingetreten.

Kontaktaufnahme strikt verboten

Parallel dazu hatten sowohl Gericht als auch Staatsanwaltschaft erkennen lassen, dass für den Fall eines anschließenden Geständnisses im zeitlich ersten Vergewaltigungsfall ein juristischer „Deal“ mit dem Ergebnis einer Bewährungsstrafe stehen kann – und so kam es dann am Ende auch. Zeitgleich mit der Verhängung der Bewährungshaftstrafe, ordneten die Richter die sofortige Entlassung des Autohändlers aus der U-Haft an. Als Bewährungsauflage wurde ein striktes Kontaktaufnahmeverbot festgeschrieben.

Rollenverständnis dringend ändern

Durch das Geständnis blieben auch den Töchtern des Angeklagten beschwerliche Zeugenauftritte über Droh-SMS erspart. „Die Vernehmung ihrer Töchter hätte möglicherweise einen weiteren Keil in die Familie geschlagen“, sagte Richter Volker Talarowski an die Adresse des 17-fachen Vaters. Von daher sei sein Geständnis hoch zu bewerten. Und nur so sei überhaupt noch an eine Bewährungschance zu denken gewesen, so Talarowski. Fest stehe aber, dass der 49-Jährige sein Rollenverständnis von Mann und Frau hierzulande dringend ändern müsse. Talarowski: „Wenn eine Frau keinen sexuellen Kontakt will, dann hat man das als Mann zu akzeptieren.“

Der Angeklagte lebte seit 2000 mit zwei Frauen in einem Haus in Herten-Süd. Verheiratet ist er mit seiner ersten Frau (sieben gemeinsame Kinder). Die „Zweitfrau“ (zehn Kinder) hatte im Frühjahr 2018 die Polizei alarmiert und war in ein Frauenhaus geflüchtet. Der Prozess fand wegen der brisanten Situation unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt.

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