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An der Lennetalbrücke bei Hagen steht die erste Brückenhälfte bereits. Sie gilt als Vorbild für die Brücke Brunsbecke, die jetzt folgen soll.

Verkehr

Ab 2020 wird die A 45 komplett sechsspurig

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Region - Die „Lebensader des Sauerlands“ soll wieder leistungsfähig werden. Dafür müssen 38 Talbrücken mit großem Aufwand erneuert werden.

Der Walzwerke-Hersteller SMS Siemag mit Sitz im Siegerland kennt die Problematik nur zu gut. Seit Jahren beklagt die international tätige Firma, dass der Transport von großen Anlageteilen immer komplizierter und teurer wird. Denn viele Brücken der Sauerlandlinie (A 45) sind so marode, dass sie Schwertransporter nicht mehr aushalten. Dauerte es früher nur einen Tag und eine Nacht, bis der Tieflader den nächsten Hafen erreichte, so sind mittlerweile – wegen immer längerer Ausweichrouten – drei bis vier Tage für die aufwendigen Fahrten zu veranschlagen. „Das ist hier wie im Kongo“, wetterte Ralph Helsper, Leiter der Siemag-Verkehrswirtschaft einst bei einem Krisentreffen in Hagen.

Jetzt soll die „Lebensader“ der wirtschaftsstarken Region Südwestfalen endlich wieder leistungsfähig werden. Kein Wunder also, dass am Mittwoch mit NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) und dem Ministerialdirigenten im Bundesverkehrsministerium, Gerhard Rühmkorf, gleich zwei politische Repräsentanten nach Hagen gekommen sind, um den ersten Spatenstich für zwei Brückenneubauten vorzunehmen. Der feierliche Akt gilt als Startschuss für ein neues Mammutprojekt – den sechsspurigen Ausbau der A 45 ab kommendem Jahr.

Runderneuerung bei fließendem Verkehr

Die insgesamt 38 Talbrücken, die mit dem Ausbau der Trasse erneuert werden müssen, stammen aus den 1970er-Jahren und sind der enorm gestiegenen Verkehrsbelastung nicht mehr gewachsen. Nun muss Straßen.NRW gewährleisten, dass die Runderneuerung gelingt, ohne den laufenden Verkehr zu blockieren. An der Talbrücke Kattenohl ist das für die Ingenieure kein Problem: Da sie zweiteilig ist, kann der Verkehr jeweils über die eine Hälfte der Brücke geführt werden, während die andere Hälfte der Brücke abgerissen und neu gebaut wird.

An der 540 Meter langen Brücke Brunsbecke dagegen muss anders verfahren werden, da sie einteilig ist: Hier wird zunächst der Brückenüberbau einer neuen Hälfte auf Hilfspfeilern neben der alten Brücke errichtet. Dorthin wird der Verkehr umgeleitet, während die alte Brücke komplett abgerissen und an gleicher Stelle die zweiten Hälfte der neuen Brücke gebaut wird. Daneben werden schließlich die Brückenpfeiler für die andere Neubaubrücke errichtet. Dorthin wird schließlich der Brückenüberbau von den Hilfspfeilern verschoben.

Der A 45-Ausbau

-Die A 45 („Sauerlandlinie“) ist 257 Kilometer lang und führt vom Kreuz Dortmund-Nordwest bis Aschaffenburg – davon liegen 122 Kilometer auf NRW-Gebiet. -Als die A 45 im Jahr 1974 für den Verkehr freigegeben wurde, war sie für 30.000 Kfz pro Tag ausgelegt. Heute nutzen sie mehr als 70.000 Fahrzeuge, davon 16.000 Lkw, die im Normalverkehr bis zu 40 Tonnen schwer sein dürfen. -Jetzt ist der Neubau der insgesamt 38 Großbrücken angelaufen, ab 2020 erfolgt der Komplettausbau auf sechs Spuren. Dafür sind Investitionen von 2,3 Milliarden Euro – davon allein 1,3 Mrd. Euro für die Brücken – geplant.

„Ein immenser Aufwand“, kommentiert Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek, „und das in steilem Gelände.“ Sie hofft nun, dass der Baufortschritt auch künftig nicht durch Klagen von Bürgern oder Umweltschützern verzögert wird. „Die Doppelbaumaßnahme macht schon einen erheblichen Eingriff in die Natur notwendig“, gibt Sauerwein-Braksiek zu. Auch Wanderfalken, die an der alten Brücke nisten, müssen zunächst umgesiedelt werden. Bis zum Jahr 2032 soll der A 45-Ausbau vollendet sein – zumindest laut Plan.

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