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Festmacher Peter Weber (59) aus Marl ist an der Schleuse Dorsten im Einsatz.

Verkehrskollaps auf Wasserstraßen

"Logistische Katastrophe" droht am Wesel-Datteln-Kanal

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DORSTEN/MARL - „Wir brauchen dringend eine Grundsanierung für das Kanalnetz im Ruhrgebiet“, fordert Volker Schlüter, Amtsleiter beim Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg, am Dienstag beim Ortstermin am Wesel-Datteln-Kanal. Dorthin hatte der Verband der Chemischen Industrie NRW zahlreiche Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Kommunen zu einem „Schleusengipfel“ geladen.

Endlich soll in Berlin Druck gemacht werden, damit die Infrastruktur in absehbarer Zeit auf Vordermann gebracht wird. In absehbarer Zeit – das heißt frühestens bis zum Jahr 2030. „Denn“, so Volker Schlüter, „Baustellen gibt es bei uns ohne Ende: Nicht nur die sechs Schleusen am Wesel-Datteln-Kanal benötigen neue Poller, neue Tore, neue Pumpen. Auch Brücken, Wehre, Düker oder Dämme haben – auch bedingt durch Bergsenkungen – mächtig gelitten. Schließlich ist die Infrastruktur gut 90 Jahre alt – und die Frachtschiffe sind bis heute immer größer geworden.“

Kein Nachschub für den Marler Chemiepark

Und warum wird die Misere erst jetzt erkannt, wo die „logistische Katastrophe“ jederzeit eintreten könnte? „Nach der Wende wurde das Geld in Ostdeutschland investiert, dann mussten wir Hunderte Stellen abbauen, weil die Verwaltung ja nicht schlank genug sein konnte – und schließlich regierte die schwarze Null, es wurde also jahrelang kein Cent investiert“, analysiert Schlüter die politische Entwicklung der letzten 30 Jahre. „Jetzt brauchen wir dringend ein Konzept, um den Zusammenbruch zu verhindern.“ Allerdings: Aktuell fehlen wiederum Fachkräfte und Ingenieure, um die notwendigen Maßnahmen umzusetzen.

Doch die Chemische Industrie will nichts unversucht lassen: Bis zu 180 Meter lang sind die Schubverbände, die die Industrie im Ruhrgebiet tagtäglich mit Grundstoffen wie Kohle, Öl oder Chemie versorgen. Es wäre eine „logistische Katastrophe“, wenn der Kanal als Transportweg ausfallen würde. Vor allem der Chemiepark in Marl wäre bei einem längeren Stillstand vom Materialnachschub abgehängt, Tausende Arbeitsplätze ständen auf dem Spiel.

„Ohne die Wasserstraßen wäre auch der Verkehrskollaps im Ruhrgebiet perfekt“, warnt Gert Deimel vom Aktionsbündnis – und macht eine Rechnung auf: „Wenn die rund 20.000 Binnenschiffe, die jährlich allein den Wesel-Datteln-Kanal nutzen, nicht mehr fahren könnten, müssten sie durch 1,8 Millionen Lastwagen oder 24.000 Güterzüge ersetzt werden“, sagt er. „Von dem höheren Risiko durch Gefahrgüter will ich gar nicht sprechen ...“

„Kleine Poller, große Wirkung“, bilanziert Schleusenchef Bernd Koop. „Wichtig ist, dass wir endlich handeln.“

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