Verkehrsunfallstatistik 2018

Dortmunder Polizei ist besorgt über steigende Unfallzahlen

Besorgte Mienen im Polizeipräsidium: Auf den Autobahnen gibt es weiter mehr Unfalltote. Auch im Stadtgebiet steigen die Unfallzahlen. Besonders betroffen sind Fußgänger und Radfahrer.

"Es sind schlechte Nachrichten, die uns Anlass zur Sorge geben." Selten steigt Polizeipräsident Gregor Lange mit solchen Worten in eine Pressekonferenz ein. Bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik für 2018 führten er und der Chef der Direktion Verkehr, der Leitende Polizeidirektor Ralf Ziegler, mit ernster Miene durch die Zahlen: Auf den 1040 Autobahn-Kilometern der Dortmunder Polizei im Regierungsbezirk Arnsberg sind im vergangenen Jahr 22 Fahrer tödlich verunglückt.

Gregor Lange: "Hier geht es um Menschenleben. Das treibt uns schon seit einiger Zeit um. Wir können und werden das nicht hinnehmen. Und wir brauchen eine öffentliche Debatte über Verantwortungsbewusstsein, Respekt und Anstand im Straßenverkehr."

Besonders dass sensationsgierige Gaffer nach Unfällen die Unfallopfer und deren Retter im Vorbeifahren filmen oder fotografieren, sei "ein unerträgliches Verhalten auf unterster Ebene", sagte Lange. Wer dabei erwischt wird, muss 100 Euro zahlen und erhält einen Punkt.

Auch beim "verantwortungsbewussten Fahren" hapere es. Statt aufmerksam in Baustellen einzufahren oder wenn es auf ein Stauende zuläuft, würden Fahrer mit viel zu hohem Tempo unterwegs sein und das Unfallrisiko erhöhen. Das habe sich vor allem auf der Autobahn 1 zwischen Hamm und Wuppertal gezeigt.

Viele Autobahnkreuze, lange Staus, immer wieder Baustellen und auch Unfälle: 2018 starben auf diesem Abschnitt, der auch über den Dortmunder Autobahnring führt, acht Verkehrsteilnehmer. Seit Oktober 2018 warnen und informieren Schilder in mehreren Sprachen. Bis Februar 2019 gab es keinen weiteren tödlichen Unfall. Gregor Lange: "ein Hoffnungsschimmer".

Unfälle passieren nicht einfach

Über mangelnden Respekt sprach auch Ralf Ziegler. Er selbst kenne Fahrer, die bei erlaubten 50 km/h erst bei 70 km/h vom Gas gehen würden, weil es bei 71 km/h zu teuer würde und einen Punkt gäbe. Wer so fahre, zeige keinen Respekt, sondern denke nur an den Geldbeutel.

Ziegler: "Jedes Jahr um diese Zeit sage ich: Unfälle passieren nicht einfach. Sie haben immer eine Ursache. Unaufmerksamkeit und Fahrlässigkeit oder auch Vorsatz bei mangelndem Respekt gehören dazu." Auf Autobahnbrücken wird die Polizei nun verstärkt ihre Einsatzkräfte postieren, um zu hohes Tempo, zu geringen Abstand, nicht angeschnallte und abgelenkte Fahrer erkennen und ahnden zu können. Die Brücken seien gut geeignet, um Verstöße im Autobahnverkehr beobachten und dokumentieren zu können.

Die Unfallzahlen steigen auch in Dortmund. Besonders betroffen sind laut Gregor Lange "die schwächsten Verkehrsteilnehmer", also Radfahrer und Fußgänger. Die lange Radfahrer-Saison im Sommer 2018 habe zu höheren Unfallzahlen geführt.

Nicht immer sind Auto- oder Lkw-Fahrer die Verursacher: Radfahrer würden auf Pedelecs oder E-Bikes mit Elektromotoren aufsteigen und in höhere Tempobereiche vordringen, "aber nicht alle beherrschen die höheren Geschwindigkeiten auf dem motorisierten Fahrrad", sagte Ralf Ziegler. Er warnt davor, auf Helme zu verzichten. Eine Helmpflicht für Radfahrer gibt es in Deutschland nicht. Gestiegen sind die Unfallzahlen auch bei den motorisierten Zweiradfahrern.

Seit mehreren Jahren zwingen Raser in der Innenstadt die Polizei, die Stadt Dortmund und die Justiz auf den Asphalt. "Aktuell" sei es etwas ruhiger geworden, berichtete Gregor Lange. Die Szene halte sich etwas zurück. Auch die Zahl der Beschwerden von Bürgern sei geringer geworden.

Liegt das an den härteren Strafen, die das reformierte Gesetz jetzt zulässt? Für eine Bilanz sei es zu früh. Doch das Ziel der Polizei hat sich nicht verändert: "Wir wollen diese Szene reduzieren und werden es nicht zulassen, dass Dortmund ein Anziehungspunkt für illegale Autorennen wird."

Die Raser-Bilanz für 2018:

Mehr Tempokontrollen der Polizei

Mit Kampagnen und Kontrollen will die Polizei gegen den Trend halten. Polizeisprecherin Cornelia Weigandt über die Grenzen selbst offensiver Polizeiarbeit: "Der Faktor Mensch hat den größten Einfluss auf die Unfallzahlen. Und auf den Faktor Mensch haben wir nur begrenzt Einfluss." Ralf Ziegler sagt, dass es eigentlich ganz einfach sei: "Wenn sich alle an die Regeln halten würden, gingen die Unfallzahlen drastisch zurück."

Bei Tempokontrollen hat die Dortmunder Polizei die Zahl der "Maßnahmen" von 190.565 auf 227.366 (2017/2018) erhöht. Sehr erfolgreich arbeitet der mobile Blitzer, den die Autobahnpolizei bevorzugt in Baustellen einsetzt. Der Blitzer sorge an mehreren Tagen dafür, dass das Durchschnittstempo runter geht.

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