Versuchter Mord und Horrorfahrt

Zwei junge Frauen ziehen Spur der Verwüstung durch Dortmund

Dortmund - Eine 19-jährige Frau aus Erfurt hat am Donnerstagmittag mit einem Auto eine Spur der Verwüstung durch Dortmund gezogen. Aber die daraus resultierenden Folgen dürften für die junge Frau noch das geringste Problem sein. Sie soll nämlich einen versuchten Mord verübt haben.

Die Horror-Geschichte begann, so berichtete Oberstaatsanwalt Hannes Grünseisen am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion, in Erfurt. Dort soll die 19-jährige Frau gemeinsam mit einer 18-jährigen Begleiterin und einem 30-jährigen Mann im VW Passat Kombi des Mannes gesessen haben. Plötzlich habe die 19-Jährige, so berichtete Grünseisen, von hinten auf den 30-jährigen Mann mehrfach mit einem Messer eingestochen. Dabei habe der Mann "abstrakt lebensgefährliche Verletzungen" am Rücken erlitten. Die 19-Jährige habe den Tod des Opfers zumindest billigend in Kauf genommen.

Bereits kurz vor der Tat soll die 18-Jährige dem Geschädigten eine bisher unbekannte Substanz, vermutlich ein sedierendes Medikament, in eine Trinkflasche geschüttet haben, worauf sich bei diesem unter anderem ein Schwindelgefühl eingestellt haben soll.

Die Flucht nach Dortmund

Nach den Messerstichen konnte der schwer verletzte Mann aus dem Auto flüchten. Die beiden Frauen nahmen seine Verfolgung auf, brachen diese aber kurze Zeit später ab. Der 30-Jährige kehrte noch mal zu seinem Auto zurück, um den Autoschlüssel und sein Handy zu holen. Das Handy konnte er noch erwischen, den Schlüssel nicht - daran hinderten ihn die jungen Frauen mit Gewalt. Sie flüchteten dann in dem VW Passat nach Dortmund. "Wir ermitteln gegen die 19-jährige Frau wegen versuchten Mordes, schweren Raubes und versuchter Körperverletzung, gegen die 18-Jährige wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung", berichtete Grünseisen. Inzwischen befinde sich der verletzte Fahrer außer Lebensgefahr.

Ganze Unfallserie

Warum die jungen Frauen von Erfurt nach Dortmund fuhren, ist bisher nicht bekannt. Klar ist, dass sie hier am Donnerstag eine ganze Serie von Unfällen bauten, bei denen nur durch Glück niemand verletzt wurde, aber ein Sachschaden von insgesamt rund 53.000 Euro entstand. Zum ersten Mal fielen die Frauen gegen 14.05 Uhr im Parkhaus der Thiergalerie in der Dortmunder Innenstadt auf. Zeugen hatten zwei Frauen gemeldet, die zunächst Passanten um Geld baten und anschließend versuchten, eine Schranke an der Ausfahrt anzuheben. Als dies nicht gelang, setzten sich die beiden schließlich in ihren silbernen VW Passat Kombi und fuhren mit hoher Geschwindigkeit auf eine weitere Schranke zu. Diese durchbrachen sie und flüchteten anschließend in dem Wagen über die Hövelstraße in unbekannte Richtung.

Auto einfach weggedrängt

Es dauerte anschließend nur rund zehn Minuten, bis der Pkw wieder Anlass eines polizeilichen Einsatzes war. Auf der Rheinischen Straße hatte eine 37-jährige Dortmunderin an der Einmündung Ofenstraße gerade hinter mehreren weiteren Autos an einer Rotlicht zeigenden Ampel gehalten. Plötzlich tauchte ein Wagen neben ihr auf der linken Fahrspur auf und wechselte unvermittelt auf ihren Fahrstreifen. Das Auto der 37-Jährigen wurde schlichtweg weggedrängt und der silberne Passat fuhr einfach weiter in Richtung Westen.

Wenige Minuten später kam es zum nächsten Unfall. An der Einmündung Rheinische Straße/Emscherbrücke wollte eine 35-jährige Dortmunderin mit ihrem Wagen rechts auf die Emscherbrücke abbiegen und musste diesen wegen eines vorausfahrenden Fahrzeugs etwas abbremsen. Plötzlich merkte sie einen Aufprall von hinten und sah noch, wie ein hinter ihr fahrender silberner Kombi zurücksetzte und anschließend seinen Weg in Richtung Westen fortsetzte. Zwar hielt dieser zunächst noch einmal kurz an, beschleunigte dann jedoch und bog - eine rote Ampel ignorierend - nach rechts in die Dorstfelder Allee ein.

Rotlicht? Egal!

Dort setzte sich die zerstörerische Fahrt fort. An einer Rotlicht zeigenden Ampel am Übergang zur Huckarder Straße fuhr der Kombi nämlich einfach zwischen zwei nebeneinander auf dem rechten und mittleren Fahrstreifen stehenden Pkw einer 40-jährigen Dortmunderin und eines 39-jährigen Esseners hindurch. Dabei wurden beide Autos beschädigt. Über Rot ging es weiter in Richtung Norden auf die Huckarder Straße.

Weit kam der Kombi mit seinen beiden Insassinnen nun nicht mehr - jedoch auch nicht ohne einen letzten Crash. Wieder passierte es auf einer Kreuzung, diesmal an der Einmündung zur Allensteiner Straße. Über die dortige Linksabbiegerspur fuhr der Wagen in den entgegenkommenden Verkehr. Dort hatten soeben noch eine 68-Jährige, ein 39-Jähriger sowie eine 39-Jährige (alle aus Dortmund) mit ihren Fahrzeugen bei Rotlicht auf der rechten, mittleren und linken Spur an der Ampel gehalten. Der silberne Kombi fuhr auf die Autos zu und schob diese ineinander.

Flucht gestoppt

Die beiden Frauen stiegen anschließend an der Beifahrerseite aus ihrem Kombi aus und versuchten es nun mit einer Flucht zu Fuß. Dies wussten Beamte der Polizei jedoch zu verhindern. Denn in die Fahndung nach dem Wagen waren mittlerweile gleich mehrere Einsatzkräfte eingebunden. Nicht nur wegen des hohen Schadens, der mittlerweile entstanden war. Es gab zusätzlich Hinweise darauf, dass es sich bei den Insassinnen um die Tatverdächtigen eines versuchten Tötungsdeliktes und eines schweren Raubes in Erfurt handelte. Die Frauen wurden vor Ort festgenommen und ins Polizeigewahrsam gebracht.

Weil die 19-jährige Fahrerin möglicherweise auch unter Drogeneinfluss stand, wurde zusätzlich eine Blutprobe angeordnet. Inzwischen wurden die beiden Frauen nach Erfurt gebracht. Dort sollen sie noch am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden.

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