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So sieht es aus: Wie hier noch zu Demonstrationszwecken sind Autobahnpolizisten ab jetzt im Arbeitsalltag mit Kameras unterwegs.

Videobeweis

Keine Ausreden mehr

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KREIS RE/MÜNSTER - Beweissicherung mit der Dashcam: Polizei geht ab jetzt gegen Rettungsgassenverweigerer mit moderner Kameratechnik vor.

Es gibt keine Ausreden mehr – um bei Einsatzfahrten nach Unfällen Rettungsgassen-Blockierer beweissicher verfolgen zu können, setzt die Autobahnpolizei Münster auf den digitalen Zeugen. Die für die Autobahnen im Kreis RE zuständigen Beamten können jetzt das Geschehen vor ihrem Streifenwagen mit sogenannten „Dashcams“ festhalten. Der aus dem Englischen stammende Begriff lautet übersetzt Armaturenbrett-Kamera – auch wenn das kleine elektronische Helferlein im Polizeialltag an der Windschutzscheibe klebt (s. unten). Es vergeht kaum ein Tag in Deutschland, an dem Polizisten, Rettungskräfte und Feuerwehrleute nicht zu Fuß über blockierte Autobahnen zu Menschen vordringen müssen, die auf Hilfe warten.

Allein in den ersten Monaten 2018 hat die NRW-Polizei 51 Verstöße geahndet. In 18 Fällen wurde keine Gasse gebildet, in 31 ein Streifenwagen an der Durchfahrt gehindert, in zwei Fällen die Polizei sogar gefährdet. „Jedem muss klar sein: Rettungsgassen retten Leben“, erklärte Innenminister Herbert Reul zum Start des Dashcam-Pilotprojekts Ende April. Seither sind 50 Kameras verfügbar – neben Münster gehören Bielefeld, Düsseldorf, Dortmund und Köln zu den Behörden, in denen der einjährige Kameratest läuft.

Wer der Vorschrift zur Bildung einer Rettungsgasse nicht folgt, muss zahlen: Seit Ende 2017 drohen Fahrern, die keine Rettungsgasse bilden, ein Bußgeld von mindestens 200 Euro und zwei Punkte in Flensburg. Werden Polizei- oder Rettungsfahrzeuge behindert, liegt die Bußgeldandrohung bereits bei 240 Euro, zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot.

Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass sich Polizisten im laufenden Einsatz nicht auch noch darum kümmern können, wer sich der Bildung einer Rettungsgasse verweigert. Bei Unfällen mit verletzten und eingeklemmten Personen, zählt jede Sekunde für die Betroffenen und die Retter. Videoaufzeichnungen - die Bilder sollen gestochen scharf sein – ermöglichen es, im Nachhinein Verkehrssünder über ihre Fahrzeuge und Kennzeichen zu ermitteln.

Bleibt die Frage: Was wird aufgezeichnet? Treffen Polizisten bei einem Autobahn-Einsatz auf Rettungsgassenverweigerer, aktivieren die Beamten die abnehmbare Kamera. Sie ist schwenkbar, besitzt eine Weitwinkeloptik und ist einzig dazu gedacht, Verstöße zu dokumentieren – und nicht, andere Personen oder Kennzeichen aufzunehmen. Aufgenommen wird ausschließlich „anlassbezogen“.

Bei der Kamera im Testbetrieb der Autobahnpolizei handelt es sich um das Modell A7 S des Herstellers TrueCam. Das Gerät besitzt eine Displaydiagonale von 2,7 Zoll im Format 16:9, verfügt über ein Superweitbild (21:9), eine Auflösung von 2560x1080 Bildpunkten (30 fps/frames per second) und einen Aufnahmewinkel von 130 Grad.

Durch LED-Zusatzbeleuchtung und vom Smartphone bekanntem HDR („high dynamic range“) sind auch qualitativ hochwertige und detailgetreue Aufnahmen bei schwierigen Sichtverhältnissen möglich. Die Aufnahmen werden auf Micro-SD Speicherkarten bis maximal 32 GB gesichert.

Die aufgezeichneten Daten werden zum Anfertigen einer Anzeige verwandt, die an die zuständige Bußgeldstelle geht. Wird kein Widerspruch eingelegt, und der Bußgeldbescheid somit rechtskräftig, führt das zur Löschung des Videos. Kommt es nach einem Widerspruch zum Gerichtsverfahren, fließt das Video in die Beweisaufnahme ein – nach einem rechtskräftigen Urteil wird es dann ebenfalls gelöscht.

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