Viele Baustellen auf Schalke

Mitten drin im königsblauen Tiefdruck-Gebiet

Gelsenkirchen - Schalke steckt nach dem verlorenen Derby da fest, wo auch die Stimmung ist – im Keller. Viele Baustellen zwingen zum Blick nach unten.

Der Tag danach ist wie gemalt für den Derby-Kater: Als sich Schalkes Spieler zum Auslaufen am Trainingsplatz versammeln, ist es kalt, windig, es regnet stark. Kaum 20 Zuschauer sehen zu, die Tristesse ist greifbar. Schalke ist aktuell ein Tiefdruck-Gebiet und die Stimmung da, wo die Mannschaft steht: im Keller.

Dabei hatte das Team von Trainer Domenico Tedesco bei der 1:2-Niederlage gegen den BVB am Tag davor alles versucht, was im Rahmen seiner derzeitigen Möglichkeiten ist. Aber Leidenschaft alleine reicht gegen eine Spitzen-Elf nicht aus – Schalke offenbarte erneut so viele Baustellen, dass der Blick nun nach unten gehen muss. 14 Punkte nach 14 Spielen – das ist die Ausbeute einer Mannschaft, die gegen den Abstieg spielt. Bei Schalke fällt das nur noch nicht so ins Gewicht, weil es ein paar Konkurrenten gibt, deren Punktausbeute noch Furcht erregender ist.

Es fehlt an Tempo

Noch kein Sieg gegen eine Mannschaft aus dem oberen Drittel – Schalke stieß auch im Derby an seine Grenzen, wollte hinterher nicht mal die wenig durchschaubare Spielleitung von Schiedsrichter Daniel Siebert als Alibi benutzen.

  1. Keine Durchschlagskraft im ersatzgeschwächten Sturm, aus dem sich dann auch noch Guido Burgstaller verletzt verabschiedete und durch Hamza Mendyl nicht ersetzt werden konnte. Im Prinzip hatte Schalke keine Torchance – Burgstallers Versuch (28./Roman Bürki hielt) ging ein Handspiel voraus, das im Falle eines Torerfolgs bei einer Video-Überprüfung (wobei man sich ja nie ganz sicher sein kann ...) wohl geahndet worden wäre.
  2. Viel zu wenig bis gar kein Tempo im Mittelfeld: Wenn Sebastian Rudy oder Nabil Bentaleb am Ball waren, ging es meistens eher einen Schritt zurück als nach vorne. Wobei das nicht immer an den ballführenden Spielern liegen muss – ihnen fehlen einfach die Anspielstationen.
  3. Entscheidende Unaufmerksamkeiten in der Hintermannschaft: Dass es gegen die vielen Hochgeschwindigkeitsfußballer des BVB Probleme geben könnte, war vorher klar. Dass die Gäste dann aber ausgerechnet durch eine Standardsituation (Freistoß Reus/Kopfball Delaney) in Führung gingen, war eine grobe Schalker Fahrlässigkeit, die in solchen Spielen oft genug bestraft wird.

Sturm-Not immer größer

Schalke ließ hinten gar nicht mal allzu viel zu, für ein paar Minuten schien der BVB nach Daniel Caligiuris Elfmeter zum 1:1 (61.) sogar nervös zu werden – aber bei einem Geistesblitz von Jadon Sancho war Schalkes Defensive mental und körperlich (Rudy!) erneut viel zu langsam und durfte sich über das 1:2 (74.) nicht beschweren.

Es war keine Sache des Willens, sondern des Könnens – Schalke gab alles, aber auch das war zu wenig. Viele Fans pfiffen, es fehlt der Glaube an den Aufschwung. Am Dienstag gegen Moskau droht ein Minus-Rekord, wichtiger ist ohnehin das Samstag-Spiel in Augsburg. Burgstaller wirkte stark angeschlagen, im Sturm müssen wohl Haji Wright oder erstmals der A-Jugendliche Ahmed Kutucu ran.

Wer auch immer, wie auch immer: Manager Christian Heidel weiß, „dass es jetzt unsere erste Aufgabe ist, da unten rauszukommen“. Aus dem Keller. Und aus dem Tiefdruck-Gebiet.

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