„Vieles im Verborgenen“

Nach Straßenstrich-Aus in Dortmund: Prostitution im Umland steigt

Region - Das befürchtete Chaos – es ist ausgeblieben: Als Dortmund seinen Straßenstrich vor knapp zwei Monaten schloss, sorgten sich die umliegenden Städte, dass die Probleme der Ravensberger Straße sich nun in ihre Zuständigkeit verlagern würden. Doch Forderungen nach einem neuen Sperrbezirk gibt es derzeit nur im Kreis Recklinghausen.

Ob und wo die zuletzt bis zu 700 Frauen, die auf dem Straßenstrich in der Dortmunder Nordstadt angeschafft haben, jetzt arbeiten – niemand weiß es so recht. Im Untergrund. In Wohnungen, Hinterzimmern, Kneipen. Auf Autobahnparkplätzen. Davon gehen Beratungsstellen aus. Europas größter Straßenstrich Die Verhältnisse auf dem Straßenstrich an der Ravensberger Straße waren zuletzt dramatisch. Vermüllung, Kriminalität und ausfransende, illegale Prostitution hatten einen ganzen Stadtbezirk aus dem Gleichgewicht gebracht. Heute, rund zwei Monate nach Einrichtung des Sperrbezirks, sagt Gisela Zohren von der Dortmunder Mitternachtsmission: „Einige Frauen sind in ihre Heimat zurück gegangen, andere haben sich über ganz NRW verteilt.“ Auf der Suche nach den Prostituierten sind auch viele Freier, die sich in einschlägigen Internetforen „Tipps“ geben. „Für Dortmund ist die Straßenstrichschließung ein großes Drama“, sagt Astrid Gapp vom Bochumer Verein Madonna. „Vieles findet jetzt im Verborgenen statt, das bedeutet eine krasse Verschlechterung für die Frauen.“ Einige, die zuvor auf der Ravensberger Straße tätig waren, würden jetzt im Bochumer Bordell anschaffen. Unter Kontrolle Auch andere Städte haben einen Anstieg der Prostitution seit der Einrichtung des Dortmunder Sperrbezirks festgestellt. In Gelsenkirchen spricht die Polizei von einem Plus von „15 bis 20 Prozent“. In Castrop-Rauxel seien auf einem Wanderparkplatz an der A42 mehr Frauen als früher aktiv, hat die Polizei im Kreis Recklinghausen festgestellt. Es seien indes keine Roma, es habe auch noch keine Platzverweise gegeben und die Lage sei „unter Kontrolle“, sagt Manfred Koert, Leiter des Ordnungsamtes Castrop-Rauxel. Am Straßenstrich am Duisburger Zoo habe es „wenig Veränderungen“ gegeben, sagt Stadtsprecher Peter Hilbrands. Nach Essen – dort schaffen 30 bis 40 Prostituierte auf dem Straßenstrich auf einem alten Kirmesplatz an – sei „eine Hand voll bis ein Dutzend“ Frauen aus Dortmund gekommen, sagt Stadtsprecher Detlef Feige. Es habe Verstöße gegen die Sperrbezirksverordnung gegeben. Anstieg auch in Essen Einen „leichten Anstieg an Roma-Frauen“ hat auch die Essener Polizei bemerkt. Ein Problem sei dies nicht, heißt es. „Die Frauen regeln das untereinander, es reguliert sich von selbst“, sagt Detlef Feige. „Trotzdem – wir haben einen Blick drauf.“ Die Stadt Essen wolle verhindern, dass sich die Lage am Kirmesplatz verändere. „Wir sind zufrieden mit der aktuellen Situation“, sagt der Sprecher. Forderung nach Sperrbezirk Einzig in den Städten Recklinghausen, Marl und Herten wird derzeit offen von einem Problem mit Straßenprostitution gesprochen. Die Kommunen fordern von der Bezirksregierung Münster die Einrichtung eines Sperrbezirks an der B 225. In der Ried, einem Landschaftsschutzgebiet im Städtedreieck, empören sich Anwohner und Spaziergänger seit Monaten über sichtbare Prostitution, beschweren sich über Belästigungen und benutzte Kondome im Gebüsch. Etwa 15 Frauen schaffen in dem Gebiet an, in dem es sonst eher beschaulich zugeht und Bauern ihre Erdbeeren und Kartoffeln anbieten. Recklinghausens Bürgermeister Wolfgang Pantförder (CDU) sieht die Einrichtung des Sperrbezirks als „Ultima Ratio“, sonst müsse mit einem Anstieg der Belästigungen gerechnet werden, schreibt er in einer Ratsvorlage. Das letzte Wort hat die Bezirksregierung.

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