Vorwürfe gegen Polizei

"Sie haben auf mich eingeschlagen, auch als ich schon gefesselt am Boden lag"

Dortmund - Die Polizei hat am Wochenende eine Massenschlägerei in der Nordstadt beendet. Dabei soll sie zu hart vorgegangen sein. Ein Dortmunder erhebt schwere Vorwürfe - und will nun klagen.

Der 25-jährige Hakan Bingöl ist nach den Ereignissen am vergangenen Samstag (14. Juli) noch immer fassungslos. "Ich wurde grundlos von der Polizei zusammengeschlagen", behauptet Bingöl.

Zehn junge Männer hatten sich bei einer Massenschlägerei in der Hydnstraße in der Nordstadt mit unterschiedlichen Gegenständen als Waffen geprügelt. "Ich war an der Schlägerei nicht beteiligt, meiner Bruder aber schon", sagt Hakan Bingöl. "Er rief mich an und erzählte von der Massenschlägerei und dass auch Messer im Spiel seien." Also habe er sich sofort auf den Weg gemacht.

"Als ich eintraf, war die Polizei bereits vor Ort und mein Bruder schon festgenommen im Streifenwagen." Auch sein anderer jüngerer Bruder sei dazu gekommen. "Als der dann plötzlich von der Polizei fest genommen wurde, bin ich zu ihnen gegangen und habe gesagt, dass sie ihn in Ruhe lassen sollen. Der hatte ja nichts mit der Schlägerei zu tun."

Grundlos zusammengeschlagen?

Was dann geschah, ist für Hakan Bingöl auch noch drei Tage nach der Schlägerei unbegreiflich: "Die Polizisten schlugen mich daraufhin einfach zusammen. Auch als ich schon gefesselt war, schlugen sie weiter auf mich ein." Als Beweis schickt Bingöl der Redaktion Fotos von sich und seinen Verletzungen, die durch den Einsatz der Polizei entstanden sein sollen. Rote Wunden auf den Beinen, den Armen, dem Rücken, dem Bauch, dem Hinter- und Vorderkopf sind zu sehen.

Besonders dunkel sind die auf der Nase: "Sie haben mir mit voller Wucht auf die Nase geschlagen", so Bingöl. "Die Wunden auf den Beinen und Armen kommen davon, dass die Polizisten mich über den Boden geschliffen haben." Dass er selber auch ein bisschen laut war gibt er zu: "Aber dann habe ich direkt gesagt, dass ich sie nicht schlagen möchte, ich habe ihnen nichts getan."

Dass ein gefesselter Mann von Beamten weiter geschlagen wird, kann er nicht verstehen: "Ich habe nichts gegen die Polizei, die macht auch nur ihren Job, aber ich habe mich nicht gewehrt und sie hörten nicht auf, mich zu schlagen."

Polizisten sollen ihn rassistisch beleidigt haben

Bei den Schlägen hätten die Polizisten Hakan Bingöl rassistisch beleidigt: "`Scheiß Kanacke! Verpiss dich aus Deutschland!´ haben sie gerufen. Und: `Na tut das gut? Hat dir das gefallen?´" Bingöl kündigt an, dass er Anzeige erstatten wird: "Ich habe alle Namen und Zeugen aufgeschrieben und bereits mit meinem Anwalt gesprochen."

Eine solche Anzeige liegt der Polizei nach eigener Aussage noch nicht vor. Das verkündete die Pressesprecherin der Polizei, Nina Vogt, am Dienstag auf Nachfrage: "Wir haben bisher noch keine Beschwerde und keine Anklage erhalten." Im Zuge rechtsstaatlicher Prinzipien stehe es den Beteiligten aber frei, eine Strafanzeige zu stellen.

Polizisten mussten "konsequent" einschreiten

Die Polizei war am Samstag durch Zeugen auf die Schlägerei aufmerksam geworden. Als die Polizei eintraf, hätten die Beteiligten bei ihrer Festnahme Widerstand geleistet. "Wegen des hohen Aggressionspotentials und der massiven Widerstandshandlungen gegen die eingesetzten Polizeibeamten war konsequentes polizeiliches Einschreiten geboten. Dabei wurden fünf Beamte verletzt, unter anderem mit Prellungen und Schürfwunden", so die Stellungnahme der Polizei.

Die Polizei war mit einer Vielzahl Streifenwagen, zivilen Kräften sowie einem Hundeführer vor Ort. Insgesamt wurden neun Tatverdächtige im Alter von 17 bis 25 Jahren vorläufig festgenommen.

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