Wachstum

Der mächtige Entsorgungskonzern Remondis wächst weiter

Kreis RE - Experten gehen davon aus, dass der Verbraucher im Handel die Zeche zahlen muss, wenn sich der größte Müll-Entsorger und das größte Recycling-Unternehmen hierzulande zusammenschließen.

Ein Hauch von Schimanski liegt über den Fabrikhallen des Lippewerks in Lünen. Dunkle Backstein-Bauten, riesige Lagergebäude, Werkstoffhalden und breite Industriestraßen beherrschen den Komplex, der einst 1938 in der Nazi-Zeit als Aluminiumwerk für die Rüstung hochgezogen wurde. Bis 1988 wurde dort Aluminium produziert. Heute ist das 230 Hektar umfassende Lippewerk Europas größtes Zentrum für industrielles Recycling – und gleichzeitig das Herz des mächtigen Entsorgungskonzerns Remondis, der immer weiter wächst.

Regelrecht in Panik hat die Branche die Ankündigung von Remondis versetzt, für 150 Millionen Euro das Duale System Deutschland (DSD) zu kaufen, bekannt unter dem Markenzeichen Grüner Punkt. Am 16. Januar hat Remondis die Fusion beim Kartellamt angemeldet, das seitdem prüft und in den kommenden Tagen eine Entscheidung verkünden könnte.

Zwar ist die Abfuhr der gelben Tonne kostenlos für die Haushalte. Handel und Industrie holen sich das Geld allerdings auf anderem Wege zurück – an der Ladenkasse im Supermarkt zum Beispiel. Schätzungen zufolge kostet das Grüner-Punkt-System jeden Bürger rund 13 Euro pro Jahr. Experten gehen davon aus, dass der Verbraucher dann im Handel die Zeche zahlen muss, wenn sich der größte Müll-Entsorger und das größte Recycling-Unternehmen hierzulande zusammenschließen.

Die Anlage in Lünen ist gigantisch: 1,4 Millionen Tonnen an Abfall passieren jährlich die Werktore, was den Ladungen von rund 36.000 Lastwagen entspricht. Daraus machen die rund 1400 Beschäftigten des Werks 900.000 Tonnen Recyclingrohstoffe – Kunststoffgranulate, Farben-Inhaltsstoffe, Tiermehl oder Biodiesel.

Größeres Wachstum als die Großmacht China

Der Konzern hat inzwischen alles in seinem Portfolio, was mit der Entsorgung von Reststoffen zu tun hat: Kunststoffverpackungen, Altglas, Elektroschrott, Altpapier, Sonderabfall, Deponien, Sortieranlagen, Müllverbrennungsöfen, Kompostwerke. 30 Millionen Tonnen Abfall – im Branchensprech Wertstoffe genannt – sammelt, recycelt und vermarktet das Unternehmen. Das entspricht fast der gesamten Müllmenge, die deutsche Haushalte pro Jahr produzieren.

Remondis – Entsorger auch im Kreis RE

-Seit Januar 2019 gibt es im Kreis RE die Wertstofftonne, in der zusätzlich zu den Verpackungsabfällen mit dem „Grünen Punkt“ auch Gegenstände aus Kunststoff und Metall gesammelt werden. Dazu zählen Pfannen, Eimer, Werkzeug, Besteck, Zahnbürsten. Für die Verwertung dieser Abfälle im Kreis RE hat Remondis den Zuschlag bekommen. -Abgeholt wird die Wertstofftonne mit dem gelben Deckel in Recklinghausen und in Castrop-Rauxel allerdings vom kommunalen Servicebetrieb KSR bzw. EUV. -Die Verwertung von tierischen Nebenprodukten ist Aufgabe von Saria in Marl, ebenfalls eine Rethmann-Tochter.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten wächst Remondis jährlich um rund zwölf Prozent – mehr als die Wirtschaftsgroßmacht China. Ob kleine Stadtwerke oder veritable Entsorgungskonzerne wie RWE Umwelt: die Rethmann-Tochter kaufte alles auf, was der Markt hergab. Der Entsorger kann es sich leisten. Hinter Remondis steht die Familienholding Rethmann, Eigenkapital: 3,1 Milliarden Euro. Und so meldete Remondis von 2014 bis 2017 52 Übernahmen an – mehr als jedes andere Unternehmen unter den Top 100 aus Deutschland. Eine Tatsache, die Ökonomen und Wettbewerber alarmiert.

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