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Warmmachen für die zentrale Streikveranstaltung: In Recklinghausen starteten gestern Erzieher und Erzieherinnen nach Düsseldorf.

Warnschuss aus den Kitas

Awo-Erzieher streiken für mehr Lohn

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KREIS RE - Erzieher der Awo verdienen deutlich weniger Gehalt als ihre Kollegen in Einrichtungen anderer Träger – bei gleicher Arbeit. Aus diesem Grund kam es am Dienstag zum Streik der Beschäftigten auch im Kreis Recklinghausen.

Es ist das Gefühl von Ungerechtigkeit, das Erzieherinnen und Erzieher in die Recklinghäuser Brauerei Boente treibt, ins Streiklokal der Gewerkschaft Verdi. Wobei: Es ist nicht nur ein Gefühl, sondern vom privaten Kontoauszug belegt, dass die Frauen und Männer bei der Awo weniger verdienen als Kollegen in Einrichtungen anderer Träger. „Ich habe 400 Euro weniger als die Kollegen bei der Stadt – für die gleiche Arbeit“, rechnet die Leitung einer Kita der Arbeiterwohlfahrt (Awo) vor. Tatsächlich ist es nicht nur die gleiche, sondern schlicht dieselbe Arbeit – und deshalb geht es am Dienstagmorgen zum zentralen Streik nach Düsseldorf.

Dass Eltern die Betreuung ihres Nachwuchses am Dienstag umorganisieren müssen, ist natürlich Thema bei „Boente“. „Aber man soll ja auch etwas vom Streik merken, das ist ja Sinn der Sache“, sagt eine Erzieherin. Und: „Viele haben Verständnis dafür, dass die Ungleichheit bei der Entlohnung so nicht geht. Das erleben Mütter und Väter ja in anderen Berufen auch so.“ Auch Awo-Kitas und Offene Ganztagsbereiche arbeiten in Brennpunkten – als frühzeitig eingesetzte gesamtgesellschaftliche Reparaturkolonne für soziale Fehlentwicklungen.

Das Streiklokal bei „Boente“ füllt sich, es geht nun zu wie im Taubenschlag. „Wir haben ein richtig gute Beteiligung“, kommentiert Verdi-Gewerkschaftssekretärin Vera Foullong-Marquardt das Ausfüllen der Streiklisten. „Man spürt, dass die Leute die Nase ganz einfach voll haben.“

Gewerkschaft beklagt „Etikettenschwindel“

Etwa 400 Frauen und Männer sind es am Ende, die laut Verdi aus dem Kreis RE, Bottrop und Gelsenkirchen nach Düsseldorf fahren. Allein im Kreis sind am Dienstag ca. 70 Offene Ganztagsschulen (OGS) betroffen, dazu etwa 40 Kitas und auch sieben Seniorenzentren.

Zurück bei „Boente“ in Recklinghausen: Mit Streikwesten, Transparenten und Flugblättern machen sich kleine Grüppchen zum Recklinghäuser Rathaus auf den Weg, dahinter warten am Erlbruchpark Reisebusse, die die Streikenden nach Düsseldorf fahren. Worum geht es da konkret?

Mit insgesamt etwa 1000 Streik-Teilnehmern wollte Verdi einen eintägigen „Warnschuss“ zur zweiten Verhandlungsrunde abfeuern – am Ende sind es nach Gewerkschaftsangaben 2500 Awo-Beschäftigte aus Nordrhein-Westfalen, die für bessere Arbeitsbedingungen protestieren. Die Awo betreibt in NRW 3000 Einrichtungen, darunter 729 Kitas, 132 Seniorenzentren und 490 Offene Ganztagsbetreuungen. Mit dem Warnstreik will Verdi in laufenden Tarifverhandlungen für 65.000 Awo-Mitarbeiter Druck machen.

Die Gehälter sollen eben an das Lohnniveau im öffentlichen Dienst angeglichen werden, die Gewerkschaft fordert vor diesem Hintergrund zehn Prozent mehr Lohn mit einer Laufzeit von 13 Monaten. Die Arbeitgeber haben dem in der ersten Runde insgesamt sieben Prozent bei 30 Monaten entgegengesetzt. Im Tarifkonflikt schenken sich beide Seiten nichts: Für die Gewerkschaft ist das „Jahrhundertangebot“ der Arbeitgeber ein „Etikettenschwindel“. In einem Brief an die Mitarbeiter und in Pressemitteilungen bezeichnet die Arbeiterwohlfahrt den Warnstreik als „nicht verhältnismäßig“.

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