Wegen "Hurenpass"

Gesetz treibt Prostituierte auf die Straße

Dorsten - Das Prostituiertenschutzgesetz treibt Frauen vom Bordell auf die Straße. Sie möchten nicht, dass sie wegen des Schriftverkehrs mit Behörden bloßgestellt werden und haben Berührungsängste. Ein Dorstener Angestellter eines Bordells sagt das.

Alexander Fürst von Anhalt ist Angestellter in Dorstens einzigem Bordell in Wulfen. Er steht als angestellter Bürokaufmann mit der Inhaberin des Etablissements nach eigenen Angaben auf vertrautem Fuß und sagt: "Sie hat einen sehr ordentlich und vernünftig geführten Betrieb und hält sich strikt an die Gesetze."

Das dürfte der Gesetzgeber gerne hören. Denn zum 1. Juli 2017 ist das neue Prostitutionsschutzgesetz in Kraft getreten. Betreibern von Bordellen und Escort-Service-Agenturen werden darin umfassende Pflichten auferlegt. Sie brauchen eine Betriebserlaubnis vom Kreis. Laut Alexander von Anhalt habe die Inhaberin des Wulfener Clubs schon geraume Zeit vor Ablauf der Übergangsfrist zum 31.12.2017 dafür gesorgt, dass alle Papiere, darunter die Vorlage eines Betriebskonzeptes, beim Kreis eingereicht wurden. Die Betriebserlaubnis sei erteilt worden, sagt von Anhalt.

Kreis-Pressesprecher Jochem Manz bestätigte am Mittwoch auf unsere Anfrage lediglich, dass das Wulfener Unternehmen seine Antragsunterlagen eingereicht habe. "Das haben insgesamt 14 Betriebe im Kreis Recklinghausen getan." Die Zahl der Bordelle und Laufhäuser in den zehn kreisangehörigen Städten dürfte aber wohl weitaus größer sein. "Wir als Kreis setzen auf die Freiwilligkeit und hoffen, dass die Unternehmen ihren Pflichten noch nachkommen, bevor Bußgelder oder Zwangsmaßnahmen eingeleitet werden müssen."

Auch die Prostituierten sind mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes verpflichtet, sich bei der Behörde anzumelden. Dafür bekommen sie dann eine amtliche Anmeldebescheinigung, den sogenannten "Hurenpass". "99 Frauen haben davon Gebrauch gemacht oder den Kontakt zur Kreisverwaltung gesucht", zieht Kreispressesprecher Jochem Manz eine vorläufige Bilanz der Nachfrage. Auch den Damen drohten wie den Clubbetreibern Geldbußen, wenn sie sich nicht anmelden. Bordelle, die sich an die Meldepflicht halten, legten Wert auf diesen Nachweis. Behauptet von Anhalt und führt den Wulfener Club als "vorbildlich" an.

Zahl der Damen zurückgegangen

Die gesetzliche Neuregelung habe aber dazu geführt, dass die Zahl "der Damen im Haus zurückgegangen" sei. "Häufig sind acht bis zehn Frauen anwesend, manchmal aber nur noch zwei bis drei", so von Anhalt. Er meint, beobachtet zu haben, dass das Gesetz eine abschreckende statt aufmunternde Wirkung habe: "Hausfrauen und Studentinnen, die das Gewerbe als Nebeneinkunft ansehen, möchten nicht, dass ihre Partner von ihrer Arbeit erfahren und fürchten wohl, dass sie durch den Schriftverkehr mit den Ämtern kompromittiert werden." Diese Regelung, so von Anhalt, treibe die Frauen auf die Straße. "Dabei gehören die Straßenstriche verboten, denn dort sind die Frauen völlig ungeschützt den Männern ausgeliefert", schimpft er. Das Gesetz sieht er mit gemischten Gefühlen, auch wenn er "die gute Absicht der Gesetzgeber anerkennt, die Frauen zu schützen".

Lisa Bauckhorn, Pressesprecherin der Stadt Dorsten, bestätigte auf Anfrage, dass es wegen des sporadischen Treibens auf dem Straßenstrich an der B225 (Marler Straße) Hinweise empörter Dorstener Bürger gegeben habe. "Wir haben aber keinen Sperrbezirk in Dorsten, sodass wir dagegen nichts unternehmen können."

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