Von wegen Sommerflaute

Die Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter

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HERTEN - Normalerweise steigt die Arbeitslosigkeit in den Sommermonaten an. Das war auch in diesem August der Fall, sowohl bundes- als auch landesweit. Nicht aber im Agenturbezirk Recklinghausen. Dort sind derzeit 30.049 Männer und Frauen arbeitslos – 95 weniger als im Juli. Deshalb verharrt die Arbeitslosenquote weiter auf dem Rekordtief von 9,2 Prozent.

„Natürlich sind 95 nicht wahnsinnig viel“, sagt Agenturchefin Anke Traber. Aber angesichts der Jahreszeit – Stichwort „Sommerflaute“ – sei das schon eine bemerkenswerte Entwicklung, die für die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes spreche. Vor allem, wenn man die Zahlen mit denen von 2017 vergleiche: Denn aktuell sind im Agenturbezirk gut 3500 Menschen weniger arbeitslos als im Vorjahresmonat. Damals lag die Quote noch bei 10,4 Prozent.

„Es freut mich sehr, dass jetzt auch das Ruhrgebiet vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert“, sagt Traber, die selbst aus Baden-Württemberg kommt. „Und das gerade in diesem besonderen Jahr, in dem der Kohleabbau endgültig eingestellt wird.“ Es sei wichtig, dass die Menschen im Revier jetzt nicht das Gefühl bekämen, dass alles zugrunde gehe. „Und tatsächlich können sie wahrnehmen, dass es eigentlich sogar nach vorne geht.“ Festmachen lässt sich die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt auch an der Zahl der gemeldeten offenen Stellen. Diese lag vor genau fünf Jahren noch bei 2560 – und heute bei 4852. „Wir erfahren nicht von allen zu besetzenden Stellen. Trotzdem ist das ein deutlicher Indikator für den Fachkräftebedarf der Arbeitgeber“, so Traber. Besonders nachgefragt seien derzeit Handwerker und Berufskraftfahrer sowie Verstärkungen für den Gesundheits- und Pflegebereich sowie die Gastronomie.

Die Zahl der Arbeitslosen im Vest ist im gleichen Zeitraum – also in den vergangenen fünf Jahren – übrigens um knapp 6000 gesunken. Auch das ist ein deutliches Zeichen.

Auch für die jungen Leute sieht es besser aus

Bei der Vorstellung des Arbeitsmarktberichts läutete Traber auch den Endspurt für den Ausbildungsmarkt ein. Aktuell suchten noch 738 Jugendliche eine Lehrstelle – gleichzeitig könnten aber auch noch mehr als 1000 Plätze besetzt werden. „Ich kann nur sagen: ‚Ran an den Speck‘. Die Auswahl ist wirklich noch groß.“ Rein rechnerisch stünden jedem jungen Bewerber jetzt noch 1,43 Stellen zur Verfügung. Im vergangenen Jahr waren es nur 0,95. „Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist in diesem Jahr rasant gestiegen – um rund 450“, so Traber. „Das liegt daran, dass wir so offensiv auf die Betriebe zugegangen sind.“ Denn die Ausbildungsquote an sich sei nicht höher, eher im Gegenteil.

Klar ist aber auch, dass die Einstellung von jungen Menschen nicht nur ein Zahlenspiel ist. „Natürlich ist es so, dass das Anforderungsprofil eines Unternehmens nicht immer zu dem passt, was ein junger Mensch mitbringt – auch an sozialen Kompetenzen.“ Deshalb appelliert sie an Betriebe und junge Leute, sich trotzdem gegenseitig eine Chance zu geben.

Kampagne der Vestischen

Vorgestellt wurde der Arbeitsmarktbericht bei der Vestischen Straßenbahnen GmbH in Herten. Das Nahverkehrsunternehmen macht in diesem Jahr eine Einstellungsoffensive: 61 Busfahrer wurden bereits unter Vertrag genommen, bis zum Jahresende sollen es knapp 90 werden. „Die Politik hat eine Nahverkehrsausweitung beschlossen“, so Geschäftsführer Martin Schmidt. „Wir werden im Kreis Recklinghausen, in Gelsenkirchen und Bottrop deutlich mehr Kilometer fahren müssen. Dafür brauchen wir mehr Fahrzeuge und eben auch mehr Fahrer.“ Auf einen Schlag so viele Fachkräfte neu einzustellen, falle anderen Unternehmen in anderen Regionen heutzutage schwerer, so Schmidt. „Insofern bekommen wir viele Nachfragen, wie wir das denn schaffen.“ Schmidt sieht den Erfolg in vielfältigen Werbemaßnahmen begründet, in der Zusammenarbeit mit Arbeitsagentur und Jobcenter – sowie in der Möglichkeit, als bekanntes Unternehmen einen sicheren Arbeitsplatz bieten zu können: „Das ist heutzutage Gold wert.“ Ausgebildet wird bei der Vestischen auch. „In diesem Jahr haben wir acht junge Männer und Frauen eingestellt“, so Prokurist Heiner Wickert. Im kaufmännischen Bereich gehe der Trend dabei dazu, auf Abiturienten zu setzen.

Überrascht ist man bei der Agentur für Arbeit vom Erfolg einer Anschreibe-Aktion. Alle Jungen und Mädchen, die noch keine Lehrstelle hatten, haben vor etwa vier Wochen einen Brief bekommen. Inhalt: Eine Liste mit allen freien Ausbildungsplätzen in ihrer Stadt. „Das hat zu unglaublich vielen Reaktionen geführt. Unsere Berater haben aufgrund dieser Liste wahnsinnig viele Gespräche geführt“, so Traber. Und zwar auch mal über unbekanntere Ausbildungsberufe – und nicht nur die „Top 10“.

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