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Überfüllte Kirchen – wie hier im Erfurter Dom – sind in Zeiten sinkender Gottesdienstbesucherzahlen selten.

Weihnachten

Gottesdienste ohne Eintrittskarte

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KREIS RECKLINGHAUSEN - Kirchen lehnen die neue Einlass-Regelung einer Essener Gemeinde ab. Ein Experte der Bauordnung macht klar: „Stehen ist erlaubt“.

Wer Heiligabend in den Gottesdienst möchte, braucht eine – kostenlose – Eintrittskarte. Mit dieser Neuregelung hat die evangelische Kirchengemeinde in Essen-Haarzopf auf großen Andrang und „Missstimmung“ im Vorjahr reagiert – und für erhebliches Aufsehen gesorgt. Im Kreis Recklinghausen ist die Karten-Regelung kein Thema, da sind sich Protestanten und Katholiken einig.

„Bei uns ist jeder herzlich willkommen – ohne Eintrittskarte“, betont Ulrich Kamien vom Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen. „Natürlich ist es voll in mancher Kirche. Die Menschen werden zusammenrücken und vereinzelt auch stehen müssen. Und natürlich achten wir auf freie Fluchtwege und offene Türen“.

Auch Jürgen Quante sieht keinen Grund für ein Eintrittskarten-System: „Wir leiden im Allgemeinen unter zu wenig Kirchenbesuchern. Und Weihnachten haben wir so viele Gottesdienst-Angebote, dass nicht wegen Überfüllung geschlossen werden muss“, betont der katholische Kreisdechant. „Wir freuen uns über jeden, der kommt und auch über jeden, der bei uns Weihnachten stehen muss.“ Die Essener Gemeinde hatte bei ihrer Entscheidung unter anderem auf Sicherheitsbestimmungen hingewiesen, nach denen niemand im Gottesdienst stehen dürfe.

„Das Stehen in Kirchen ist erlaubt“, stellt hingegen Dietmar Schneider, Leiter der Bauordnung im Recklinghäuser Rathaus, klar. Schneider ergänzt: „Für Kirchen gibt es keine besonderen Bestimmungen. Es gelten die allgemeinen Regelungen, dass Fluchtwege grundsätzlich freizuhalten sind.“ Auch Ruhrbistum und Bistum Münster bestreiten, dass niemand im Gottesdienst stehen darf. „Die Nutzungsverordnung für Kirchengebäude des Bistums Münster enthält keine Vorschrift, dass Stehplätze in Kirchen verboten sind“, heißt es in der Pressestelle des Bistums. Und ein Kartensystem wie bei der Essener Gemeinde sei hier bistumsweit nicht bekannt.

„Früher war es wesentlich voller“

So scheint das Beispiel der Essener Gemeinde ein Einzelfall zu sein – vielleicht auch dadurch zu erklären, dass die dortige Kirche 2013 wegen Einsturzgefahr schließen und viereinhalb Jahre lang saniert werden musste. Allerdings warnt auch Dietmar Schneider vor einer Kirchen-Überfüllung, bei der eine „Entfluchtung“ kaum noch möglich sei. Mit dieser Situation rechnet Jürgen Quante nicht: „Wir feiern in St. Peter in Recklinghausen seit 800 Jahren Weihnachts-Gottesdienste. Und früher war es wesentlich voller, da haben die Menschen zum Teil bei großen Festen noch draußen gestanden. Ich sehe da kein Problem, das System ist erprobt.“

Und Ulrich Kamien betont die Vorfreude auf viele Gottesdienstbesucher. „Es ist gute Tradition, Heiligabend zur Kirche zu gehen, die Weihnachtsbotschaft zu hören, dass Gott Mensch geworden ist“, sagt er. Kirche freue sich hier über jeden, egal, ob er regelmäßig oder einmal im Jahr komme. Dabei gebe es eine Vielzahl von Angeboten vom Krippenspiel über spezielle musikalische Gestaltungen bis zum Spätgottesdienst. Und alles für jeden offen – ohne Eintrittskarte.

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