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Dieses Weihnachtsequipment hat Karussellbauer Reinhard Völz für den Circus Probst angefertigt.

Weihnachtskirmes

Zum Advent gehört das Kinderkarussell

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Kreis RE - Reinhard Völz liefert im Jahr sechs bis sieben Kindergarussells aus und erfreut die Kinder außerdem mit lebensgroßen Figuren.

Wer freiwillig aus dem Herzen Dortmunds nach Gelsenkirchen umzieht, der hat in der Regel nicht viel mit Fußball zu tun. Oder aber er hat einen gewissen Berühmtheitsgrad. Beim acht Meter großen Kunststoff-Weihnachtsmann von Reinhard Völz, der wohl größten Weihnachtsfigur weltweit, ist beides der Fall.

Reinhard Völz hat sein Schätzchen mit eigenen Händen geschaffen – es ist das einzige, was er in jedem Jahr aufs Neue vermietet. Ansonsten verkauft er vor allem für die Weihnachtszeit Karussells und Verkaufsstände aus eigener Produktion.

Seit 1980 etwa gibt es den Karussellbauer aus Castrop-Rauxel nun schon, heute hat Völz acht Mitarbeiter, mit denen er im Jahr etwa sechs bis sieben Karussells produziert. In seinem Segment hat er bundesweit beinahe ein Alleinstellungsmerkmal. „Die nächste Kinderkarussellfabrik ist in Kassel. Und dann gibt es natürlich noch die Großen, aber wir bauen ja keine Achterbahnen“, sagt der 66-Jährige. Ein Manko oder eher ein Segen?

Auf der klassischen Kirmes werde immer mehr Nervenkitzel verlangt

Höher, schneller, weiter, das Prinzip kennt Völz natürlich auch. Auf der klassischen Kirmes werde heute immer mehr Nervenkitzel verlangt. Trotzdem sterbe das gute alte Kinderkarussell nicht aus – vor allem nicht in der Adventszeit. Gerade ist auf Crange der Versuch einer ersten großen Weihnachtskirmes gestartet – und natürlich ist ein Fahrgeschäft von Völz dabei. Auch im Bochumer Ruhrpark steht ein Weihnachtskarussell, das der Firmenchef „wunderschön überarbeitet“ hat, ebenso wie in Buer den großen Weihnachtsmann. Und auch für den Gelsenkirchener Weihnachtscircus Probst im Gelsenkirchener Revierpark Nienhausen hat er jüngst Dekofiguren repariert.

Mit Reparaturen hat Völz Ende der 70er Jahre auch angefangen. Als gelernter Fahrzeugbauer besserte er schon damals bei den Schaustellern aus dem Familienkreis Karussells aus. Irgendwann kreierte er dann sein erstes eigenes Schätzchen. „Heute würde ich das wegwerfen“, sagt Völz, „das Design war nicht schön, der Antrieb funktionierte ganz anders und heutigen Sicherheitsvorschriften würde es sowieso nicht genügen.“ Nach wie viel tausenden Umdrehungen treten an welchen Stellen Ermüdungserscheinungen auf?

Jedes Karussell wird vom TÜV geprüft

Zür solche heiklen Fragen beschäftigt er heute eigens einen Statiker. Für Fehlerstromschutzschalter, die man aus jedem Haushalt kennt, die aber beim Karussell viel empfindlicher sind, hat er einen Elektriker eingestellt. Mit ihm produziert er auch die verschiedenen Lampen an den Buden und Fahrgeschäften höchst selbst, so ist die Investition in die Lichttechnik dem allgemeinen Fortschritt geschuldet. Vier bis sieben Wochen konzentrierte Arbeit liegen hinter Reinhard Völz und seinen Leuten, wenn ein Karussell die Firma verlässt.

Und noch eines sichert den Castrop-Rauxeler Betrieb gegen Billigkonkurrenz aus dem Ausland ab: Qualität. „Schweißnachweise, Schaltpläne, Zeichnungen, nach Fertigstellung verlässt bei uns jedes Karussell auf Herz und Nieren TÜV-geprüft das Gelände“, so Völz. Das sei längst nicht überall so.

„Wir sind hier schon der Mercedes.“ Wohl auch deshalb liefert er bis in die Schweiz, nach Österreich und bis Usbekistan. Sogar eine Anfrage aus dem westafrikanischen Benin erreichte ihn kürzlich. Es geht eben auch weiter als bis Dortmund oder Gelsenkirchen. Nur Figuren für ein Fußballstadion – die hat Völz in seiner Karriere noch nicht gebaut.

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