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Die Schule ist eingestürzt, Lehrer Konnte hat die Schultafel an eine der stehen gebliebenen Wände angebracht: Der Unterricht geht weiter. Hier wollen wir helfen.

Weihnachtsspende 2018

Kein Geld für den Lehrer des Dorfes

Trostlos ist der Schulalltag in Afrika. Dabei ist Bildung die einzige Hoffnung für Kinder wie Issa, den Jungen auf dem Symbolbild unserer Weihnachtsaktion. Wir wollen helfen.

Sie, liebe Leserinnen und Leser, kennen dieses Gesicht schon vom Symbolfoto unserer diesjährigen Weihnachts-Spendenaktion: Issa ist fünf Jahre alt. Und seit zwei Jahren ist er Waisenkind. Er sitzt auf dem letzten großen Lehmbrocken eines Hauses, das in der letzten Regenzeit endgültig zusammengebrochen ist. Wir sind ihm bei der Recherche für unsere Aktion im Grenzgebiet zwischen Burkina Faso und Mali begegnet. Sein Schicksal wollen wir Ihnen heute erzählen.

Die Mutter starb an Malaria, der Vater hat die Familie einige Monate später verlassen. Die Kinder – Issa hat vier Geschwister – wurden auf die Verwandtschaft aufgeteilt. Die Zeit hat sie auseinander gerieben, Issa hat keinen Kontakt mehr zu ihnen.

In der neuen Familie ist er nicht angekommen. Sie teilt mit ihm zwar das kärgliche Essen, er hat seinen Schlafplatz. Aber er hat dort keine Wärme. Keine Mutter, die ihn tröstet, keinen Vater, der sich um ihn kümmert. Er ist ein Fremder. Und er hat keine Kindheit mehr.

Issa saß auf diesem Lehmbrocken, mangelernährt, dünne Beinchen in der Schlabberhose, einen tieftraurigen Blick in den dunklen Augen, verlegen mit seinen Fingern spielend. Issa ist jetzt schon von der Malaria gezeichnet. Aber die hat hier jeder Zweite.

Der Junge hat keine Spielkameraden. Er hat sich in sich zurückgezogen, ist kontaktscheu, sein Wortschatz ist nicht groß. Einen einzigen Freund hat er im Dorf, der sich um ihn kümmert. Das ist Mamadou Konate (28), Lehrer der 1. und 2. Klasse an der Schule, in Frankreich ausgebildet. Er sagt: „Issa kommt gerne zu mir. Er setzt sich dann zu den anderen Kindern, ganz hinten hin und hört zu. Ich habe ihm eine Schiefertafel geschenkt, da malt er Buchstaben. Er lernt das ABC und ist jetzt beim Buchstaben P. Er kommt oft, manchmal nicht, dann ist er im Busch verschwunden, für sich allein.“

Der Lehrer Mamadou Konate war über ein Stipendium nach Frankreich gekommen. Nach der Ausbildung ist er nicht dortgeblieben. Er ist auch nicht in eine der afrikanischen Städte gegangen, sondern zurück in seine Heimat. Er teilt mit den Dorfbewohnern Hunger und Armut. Mit ihm zusammen hat unsere Partner-Hilfsorganisation HOPE 87 hier eine Schule aufgebaut, dort ist er Lehrer für die Schulanfänger. „In meiner Klasse sitzen 50 und manchmal noch mehr Kinder. Das ist zwar verboten – aber wir müssen improvisieren“, sagt er.

Rechte, Gesetze und Vorschriften sind hier weit weg. Das gilt auch für die Bezahlung. Manchmal bekommt der junge Lehrer sein Gehalt, oft fällt es einfach aus. Dann füttern die Dorfbewohner ihren Lehrer durch. Er führt ein Leben an der Grenze der Verelendung. Aber einer wie er ist unendlich wichtig für die Menschen hier.

Es fehlt an allem: Stifte, Hefte, Bücher

Konate erzählt: „Die Menschen werden gnadenlos ausgenutzt. Die wenigsten können lesen oder schreiben. Das macht sie hilflos gegen Ausbeutung. Sie werden betrogen, kommen nicht raus aus ihrem Elend, oder sie gehen einfach weg. Bildung ist für meine Kinder genauso wichtig wie Nahrung oder medizinische Betreuung.“ Und da setzt unsere Hilfe ein. Dank der Initiative von HOPE 87 und der YOU-Stiftung von UNESCO-Sonderbotschafterin Ute Ohoven wurde eine Schule gebaut für die ersten sechs Jahrgangsstufen. Doch in der letzten Regenzeit ist der Mittelteil eingestürzt. Jetzt hält Mamadou Konate seinen Unterricht im Freien ab. Und oft sitzt dann auch Issa in der letzten Reihe und schreibt Buchstaben auf seine Schiefertafel.

Die Schule wird weiter von unserer Hilfsorganisation unterstützt. Der Mittelteil soll wieder aufgebaut werden, bevor in einem guten halben Jahr die Regenzeit beginnt. Es werden Schulhefte gebraucht, Bleistifte, Schulbücher. Einfach Dinge. Grundlagen einer Ausbildung, ohne die die Kinder im späteren Leben nicht weiterkommen.

Für die Schüler der höheren Klassen soll es Fortbildungskurse für moderne Landwirtschaft und Viehhaltung geben. Hier wollen wir helfen, hier wollen wir Ihre Spenden einsetzen. Für Kinder, aus denen Jugendliche und Erwachsene werden – und die keine Flüchtlinge werden sollen. Aus ihnen sollen Menschen werden, die ihr Land voranbringen sollen – und das auch können.

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