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Schadiah wurde seiner Familie weggenommen und bettelt nun für den IS.

Weihnachtsspende 2018

Kindern aus Westafrika ein neues Zuhause schenken

Radikale Islamisten zwingen Kinder zum Betteln. Wir wollen die Jungen wieder in Familien unterbringen und ihnen den Schulbesuch ermöglichen.

Vor uns steht Schadiah. Wir begegnen ihm im westafrikanischen Burkina Faso bei den Recherchen für unsere Weihnachts-Spendenaktion mit der Düsseldorfer „YOU – Stiftung Bildung für Kinder in Not“. Schadiah ist zwischen zehn und zwölf Jahre alt, lebt irgendwo in einer versteckten Koranschule in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos. Schadiah ist ein Talibé. Das bedeutet auf Deutsch „Schüler“. Hört sich harmlos an, ist es aber nicht.

Jungen wie Schadiah gibt es in Westafrika viele Tausende. Es sind Betteljungen, ideologisiert in islamischen Koranschulen, später werden sie radikalisiert. Und noch später landen sie oft als Kämpfer beim Islamischen Staat in Mali oder in Arabien. Oder sie werden vom IS nach Europa geschickt. Eingereiht und getarnt im endlosen Strom der Flüchtlinge. Talibé – das Wort gibt es so ähnlich auch in Afghanistan. Dort heißt es „Taliban“.

Eine Talibé auf dem Weg zu seiner täglichen Betteltour

Wir haben den Jungen an der Ausfallstraße von Ouagadougou in den Nordosten nach Mali getroffen. Er trottete ins Stadtzentrum, zerlumpt, schmutzig, seine abgeschnittene rote „Campbell Tomatensuppe“-Büchse um den Hals gehängt. Eine Talibé auf dem Weg zu seiner täglichen Betteltour.

Wir haben ihn angesprochen. Traore, unser Organisationschef in Burkina Faso, hat das Gespräch geführt. Der Junge hatte einen leeren Blick, er sprach nur stockend, suchte nach Worten. Traore meinte: „Er wurde unter Drogen gesetzt, das ist üblich.“

Dann hat er uns berichtet, was Schadiah ihm erzählt hat: „Der Junge ist der Sprache nach wahrscheinlich aus Mali. Er weiß noch, dass er in einem Dorf gelebt hat, und dass Männer kamen, die mit seinen Eltern geredet haben. Die haben ihn mitgenommen. Mit denen ist er in einem Transporter noch zu anderen Dörfern gefahren und jedes Mal haben sie einen oder zwei Jungen mitgenommen. Bis der Transporter voll war. Dann sind sie zwei Tage bis nach Ouagadougou gefahren. Seitdem ist er ein Talibé und muss betteln gehen.“

Sie sind die verlorenen Kinder Afrikas. Mit dem Versprechen „Gebt uns euren Sohn mit. Bei uns kommt er in die Schule, er wird lernen, er wird es besser haben“ ziehen die Kinderräuber über die Dörfer. Erzählen den Eltern, dass ihre Kinder in schönen Koranschulen aufwachsen, behütet und bei guter Ernährung. Eine einzige Lüge.

Niemand mag die Talibé, aber mit den Talibé legt man sich nicht an

Die Kinder werden meist in ein anderes Land gefahren. Dort kennen sie niemanden, können die Sprache nicht und werden die ersten Wochen als Gefangene gehalten. Sie lernen ein Basis-Arabisch und den Koran auswendig, ohne ihn zu verstehen. Dann werden sie auf die Straße geschickt, um zu betteln.

Sie lernen, wie man Mitleid erregt, wie man schnell stiehlt, wie man so lange aufdringlich die Menschen anbettelt, bis diese etwas geben. Und sie lernen sehr schnell, dass es am Abend Prügel und kein Essen gibt, wenn die Bettelbüchse nicht gefüllt ist.

Schadiah bettelt seit fast zwei Jahren

Die Menschen geben ihnen, nicht aus Mitleid, sondern aus Angst. Niemand mag die Talibé, aber mit den Talibé legt man sich nicht an. Denn hinter ihnen stehen mächtige Marabouts, Männer, die den Koran missbrauchen, die ein riesiges Netzwerk aufgebaut haben und deren Verbindungen bis in die Regierung reichen.

Schadiah bettelt seit fast zwei Jahren. Er weiß nicht mehr, wer er war. Mit 14 oder 15 Jahren wird er zu alt, erweckt kein Mitleid mehr. Er wird als Kämpfer radikalisiert oder landet auf der Straße, vergrößert das Heer der chancenlosen Jugendlichen.

Kann man ihm helfen, können wir etwas tun? Es gibt einen Plan der Düsseldorfer „YOU – Stiftung Bildung für Kinder in Not“. Diese Betteljungen werden von Sozialarbeitern angesprochen. Es wird ihnen angeboten: „Wir bringen dich in einer Familie unter. Du wirst dort ernährt, du wirst dort leben und tatsächlich in eine Schule gehen. Du kannst dein Leben in die eigenen Hände nehmen.“

Die Frauen von der Kooperative am Tanghin-See, über die wir in einer der letzten Folgen berichteten, werden diese Kinder aufzunehmen. Gegen Bezahlung. Es werden nicht viele Kinder sein, die wir so von der Straße holen können, aber es ist der Anfang eines Programms, das Not und Elend von heimat- und orientierungslos gewordenen Kindern beenden kann. Dafür bitten wir um Ihre Hilfe, Ihre Spenden.

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