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Catherine Ilboudo lebt mit ihren Kindern in einem Steinbruch, zerkleinert große Brocken zu Schotter und verkauft den dann für einen Hungerlohn. Auch ihr und ihren Kindern wollen wir mit unserem Projekt helfen.

Weihnachtsspende 2018

Leben ohne Hoffnung in einem Steinbruch

Burkina Faso/Mali - Schulbesuche für die Kinder und eine Ausbildung für die Älteren sind Teil unseres Projektes in Burkina Faso.

Über dem Steinbruch Carrière la roche liegt eine glühende Hitzeglocke. Am Nachmittag gegen 14 Uhr steigt in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, die Temperatur auf über 40 Grad. Catherine Ilboudo (40) macht Pause. Sie sitzt im Schatten alter, über vier Pflöcke gespannter Säcke. Ihr Werkzeug zum Steineklopfen, ein Stück einer stählernen Autoachse, hat sie zur Seite gelegt. Die Frau gehört zu den Menschen, der wir mit unserer Weihnachtsspendenaktion 2018 zusammen mit der Düsseldorfer Stiftung YOU – Bildung für Kinder in Not, helfen wollen.

Chatherine Ilboudo füttert ihre Kinder. Das Baby Adamas und dessen vierjährigen Bruder Souleimane. Die Kinder bekommen Billigchips, sie selbst trinkt nur Wasser aus einer alten Plastikflasche. Ismael, der Achtjährige, ist unterwegs. Er sammelt im Stadtzentrum weggeworfene Plastikflaschen und Coladosen. Das bringt ein paar Cent.

Die vier Pfähle mit den alten Säcken darüber sind für Catherine Ilboudo Wohnung und Arbeitsplatz. Hier lebt sie mit ihrer Familie. Hier arbeitet sie, als „Steinefrau“. Mit dem Stahlstück zerkleinert sie größere Granitbrocken zu kleinem Schotter. Jeden Tag. Vorausgesetzt, sie hat einen Kunden, der ihr einen Auftrag für ein paar Kilo Steinschotter gegeben hat. Dann verdient sie umgerechnet etwa 1,20 bis 1,80 Euro am Tag. Damit muss sie leben, damit muss sie ihre Kinder durchbringen.

Und was ist mit ihrem Mann? Da macht Catherine Ilboudo eine wegwerfende, verächtliche Handbewegung: „ Der ist weg. Das ist auch gut so. Der hat das bisschen Geld vertrunken und uns geschlagen.“ Carrière la roche ist ein Höllenplatz. Hier gibt es keine Kindheit, keine Jugend und keine Zukunft. Nur die Steine, die glühende Hitze und den Steinstaub, der die Lungen zerfrisst und die Haut zerstört. Und doch ist er für Catherine Ilboudo die ihre einzige Möglichkeit zu überleben. Wobei es sehr unsicher ist, ob alle drei Kinder überleben. Es grassiert die Malaria, die Kinder sind mangelernährt.

Trügerischer Glaube an das Glück in Europa

Catherine Ilboudo ist eine gute Mutter. Sie hofft für ihre Kinder auf eine Zukunft. Von dem Geld, das der älteste Sohn abends nach Hause bringt, legt sie immer die Hälfte auf die Seite. Da ist sie eisern. Sie sagt uns auch, wofür: „Wenn genug Geld gespart ist, dann schicke ich ihn nach Europa. Dort wird er Geld verdienen, dann können wir nachkommen.“ Daran glaubt sie felsenfest. Vielleicht ist es diese Hoffnung, die sie ihr unmenschliches Leben ertragen lässt.

Dieses Leben erträgt Jussouf Koanda (27) seit seinem elften Lebensjahr. Seit 16 Jahren zerschlägt er große Granitbrocken zu kleineren Steinen. Diese zerkleinert dann seine Mutter Awa Ouedraogo (52) zum Schotter, mit dem die reichen Kunden ihre Wege durch den Garten anlegen. Als der Vater noch lebte, arbeitete die Familie in der Elfenbeinküste auf einer Kakaoplantage. Der Vater starb, die Familie musste zurück, kein Haus, keine Arbeit. Es blieb nur noch der Steinbruch.

Jussuf hat nur ein Ziel: Weg. Er sagte uns: „Überall ist es besser als hier. Da macht mir doch der Gedanke, dass ich vielleicht auf dem Weg nach Europa im Meer sterben muss, keine Angst mehr. Es wäre anders, wenn ich eine Ausbildung hätte, wenn ich etwas könnte. Dann würde ich hier eine Arbeit finden, Geld verdienen, heiraten und meine Familie erhalten.“

Und das ist der Ansatz unserer diesjährigen Weihnachtsaktion. Mithilfe unserer Partnerorganisation HOPE 87 wird im Steinbruch eine Kooperative gegründet. Das macht die Menschen im Steinbruch stärker, wenn Sie Preise aushandeln. Für die Frauen wird es die Möglichkeit geben, mithilfe eines Kleinkredits eine neue Existenz zu gründen, Geld zu verdienen. Die Kinder sollen eine schulische Ausbildung bekommen.

Und jungen Männern wie Jussuf wird eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf angeboten. Denn in Burkina Faso sind ausgebildete Handwerker, die mit Metall und Holz umgehen können, Mangelware. Es existiert bereits eine solche Lehrwerkstatt, es gibt bereits junge Männer, die dort nach deutschen Richtlinien ausgebildet werden. Und die verdienen dann auch genug Geld, um in ihrer Heimat zu bleiben. Die brauchen sich nicht auf den Weg nach Europa zu machen.

Diese Ausbildungswerkstatt der Hoffnung werden wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, im nächsten Bericht vorstellen. Es ist sicherlich sinnvoller, in einem Land wie Burkina Faso mit wenig Geld viel zu erreichen, als bei uns mit viel Geld wenig. Dafür bitten wir um Ihre Spenden.

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