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Adama vor den Überresten seines Elternhauses. Der Vater machte sich auf Richtung Europa, er hat sich nie wieder gemeldet. Auch seine Mutter ist nicht mehr da.

Weihnachtsspende 2018

Vom Vater hat Adama nie wieder etwas gehört

Burkina Faso/Mali - Die Flucht nach Europa zerstört das Leben der Zurückgebliebenen. Wir wollen vor allem den Kindern helfen.

Adama ist sechs Jahre alt. Er kommt jeden Tag am Vormittag und setzt sich vor die Überreste eines verfallenden Lehmhauses im Dorf Finkolo im Grenzgebiet zwischen Burkina Faso und Mali. Dort sitzt er dann, bis die frühe afrikanische Dunkelheit hereinbricht. Dann verschwindet er wieder. Zu einem Onkel oder zu einer Tante. Dort kann er zumindest schlafen und bekommt zu essen. Adama, gehört zu den Kindern, denen wir mit unserer Weihnachtsaktion zusammen mit der Düsseldorfer „YOU – Stiftung Bildung für Kinder in Not“ helfen.

Der in den Regenzeiten immer mehr zerfließende Lehmbau war einmal Adamas Zuhause. Dort wurde er geboren, dort hat er bis vor einem halben Jahr gelebt. Mit Vater und Mutter und fünf Geschwistern. Dann kam die Katastrophe. Der Vater machte sich auf den Weg nach Norden, er ist verschollen. Die Mutter ist ebenfalls verschwunden.

Als wir näher kamen und mit Adama reden wollten, ist er weggerannt. Ein Nachbar sagte uns: „Er redet nicht mit Fremden. Manchmal geht er in unsere Schule, der Lehrer kümmert sich um ihn, zu dem hat er Vertrauen.“ Der Nachbar hat uns dann die Geschichte von Adama erzählt. Eine traurige Geschichte, eine afrikanische Geschichte. Eine Dorfgeschichte aus dem Grenzgebiet von Burkina Faso zu Mali.

Die Grenze existiert nicht. Hier ist Regenwald, die Felder sind aus dem Wald herausgerodet, die Wege schmale Pfade, ein Geländewagen kommt gerade noch durch, für 20 Kilometer braucht man etwa ein bis zwei Stunden, in der Regenzeit geht gar nichts.

Adamas Vater arbeitete als Tagelöhner, die Mutter auf einem kleinen Feld: Gemüse, Süßkartoffeln und Mangos. Mit dem Ertrag kam die Familie von einer Ernte zur nächsten knapp aus. Auf dem Markt konnten sie nichts verkaufen, es gibt keine Straße, der Transport mit einem geländegängigen Lkw wäre zu teuer gewesen.

Doch die Familie konnte überleben. Mal schlecht, mal besser. Gut eigentlich nie. Ein Leben ohne Zukunft, ohne Chance für die Kinder. Dann, vor etwa vier Jahren, schlich sich das Gerücht durch den Regenwald ins Dorf: „Ihr müsst nach Norden gehen, nach Europa, nach Deutschland. Dort geht es euch gut, ihr könnt viel Geld verdienen.“ Der Vater glaubte das Gerücht, ein Schlepper nahm ihn auf Kredit mit auf den Weg nach Libyen.

Ob er jemals dort angekommen ist, was aus ihm geworden ist, keiner weiß es. Aber nach einem halben Jahr kam der Schlepper, wollte seinen Lohn kassieren und forderte den Kredit zurück. Er bedrängte und bedroht die Mutter, er wollte ihr die Kinder nehmen und verkaufen.

Auch die Mutter war plötzlich nicht mehr da

Vor einem halben Jahr ist die Mutter dann verschwunden, eines Morgens war sie weg. Sie hat ihr Leben nicht mehr ausgehalten. Vielleicht ist sie tot, vielleicht hat sie versucht, irgendwo ein neues Leben zu beginnen. Es steht uns nicht zu, über sie zu richten. Elend und Verzweiflung können so groß werden, das auch eine Mutter am Leben verzweifelt.

Ein zerfallendes Haus wie das von Adama ist hier keine Seltenheit. Das Land leert sich, die Menschen gehen weg. Sie fliehen vor der Not, dem Hunger, der Aussichtslosigkeit, sie suchen ein besseres Leben, eine Zukunft, eine Chance für die Kinder.

In Finkolo sind wir mit unserer Aktion dabei, die Grundlagen für ein besseres Leben zu schaffen. Ein neuer Brunnen sorgt für gutes und sauberes Wasser, es gibt ein Ausbildungsprogramm, eine Ausbildungsfarm für eine Hühnerzucht, 50 am Existenzminimum lebende Kleinbauern werden dort in der kommerziellen Aufzucht von Hühnern geschult.

Und auch für Adama wird es eine Zukunft geben, die es ihm ermöglicht, später einmal sein Leben in seiner Heimat selbst zu bestimmen: Er wird aus der Familie seines Onkels in die Familie seines Lehrers wechseln. Der Lehrer wird aus dem Programm der österreichischen Hilfsorganisation HOPE87 bezahlt, mit der die YOU-Stiftung im Rahmen unserer Aktionen seit Jahren zusammenarbeitet. Mit Ihren Spenden, liebe Leserinnen und Leser, können Sie diese Arbeit in Burkina Faso unterstützen.

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