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Es ist sehr primitv. Die Kinder drängeln sich den viel zu wenig Schulbänken, Licht kommt nur durch eine durchbrochene Wand und Lehrer Maurice Koitou bekommt sehr oft sein Gehalt nicht. Da wird unsere Hilfe ansetzen.

Weihnachtsspende 2018

Wenn Eltern für Schulbücher hungern

Viele Menschen in Burkina Faso wissen, dass nur Bildung ihren Kindern eine Zukunft geben kann. Dabei helfen wir.

Das Klassenzimmer ist dunkel, nur durch ein in die Lehmwand gehauenes Fenster dringt Licht herein. Das Wellblechdach schützt kaum vor der glühenden Sonne, die den Raum aufheizt. Wir sind in einer Schule im afrikanischen Burkina Faso, Ziel unserer diesjährigen Weihnachtsspendenaktion mit der Düsseldorfer „YOU – Stiftung Bildung für Kinder in Not“.

Eine Schiefertafel hängt an der Wand, dort schreibt Lehrer Maurice Koitou (37) Vokabeln an. Es ist Französischstunde. Die Kinder sitzen dicht gedrängt. In eine Schulbank für zwei drücken sich bis zu vier Kinder. Jungen und Mädchen bunt gemischt, das ist eine Seltenheit, denn Mali ist muslimisch bestimmt. Es ist ein sehr milder und versöhnlicher Islam – aber es ist der Islam.

Hier im bettelarmen Regenwald von Mali ist für Glaubensprobleme kein Platz. Hier ist jeden Tag der Kampf ums Überleben angesagt. Der Lehrer weiß das. Er sagt: „Das sich bei mir in der Schule so viele Kinder drängeln, das haben wir euch zu verdanken. Ohne die Hilfe der YOU-Stiftung und der österreichischen Hilfsorganisation HOPE 87 hätten wir gar keine Schule, ich hätte keinen Job und die Kinder hätten nicht die geringste Chance, etwas zu lernen. Sie würden in dem Alter schon auf den Feldern mithelfen müssen“.

Eine Kindheit endet hier mit sechs bis sieben Jahren. Danach sind die Kinder ins tägliche Erwerbsleben der Familie eingebunden. Jedes Kind, ob Mädchen oder Junge, muss mithelfen, damit möglichst viele überleben können. Das Resultat: Sie lernen nicht Lesen, Schreiben oder Rechnen. Damit haben sie nicht die geringste Chance, ihr Leben später selbst gestalten zu können.

Sie werden so weitermachen, wie sie es von ihren Eltern gelernt haben. Viele werden früh sterben, die Mädchen werden mit spätestens 15 oder 16 verheiratet. Wenn sie 25 sind, dann sind sie schon alt und verbraucht und haben fünf, sechs oder noch mehr Kinder.

Aber eines hat sich geändert. Immer mehr Mädchen werden keinen Mann finden, denn viele der jungen Männer sind nicht mehr da. Sie haben ihre Familien, ihre Heimat verlassen. Weil das Leben dort keinen Sinn macht, weil sie keine Zukunft haben. Wer hier geht, der fürchtet auch den Tod nicht.

Schulkinder fallen für die Feldarbeit aus

Lehrer Maurice Koitou will, dass „seine Kinder“ leben. Nicht nur überleben, sondern dass sie auch in ihrer Heimat ein Leben führen können in Würde, in Sicherheit und in Zuversicht. Er ist jetzt 37 Jahre alt, nicht verheiratet und hat keine Kinder. Aber er hat hier, im Grenzgebiet von Mali und Burkina Faso, eine Aufgabe gefunden, den Anker, der ihn hält: „Ich verdiene schlecht, oft kommt gar kein Geld. Dann geben mir die Familien etwas zu essen. Denn die Menschen hier haben begriffen, dass sie ihren Kindern nur eine Zukunft bieten können, wenn diese Bildung und Ausbildung bekommen. Wer in die Schule geht, der fällt für die Feldarbeit aus. Aber diesen Verlust nehmen die Menschen auf sich. Sie sparen sich das Geld für das Schulmaterial vom Munde ab, oft hungern sie dafür. In die Schule schicken sie ihre Kinder mit den schönsten Sachen, die sie haben. Oft ist das Kleid oder die Hose das einzige Kleidungsstück, das die Kinder haben. Zu Hause laufen sie in Lumpen rum.“

Es hat sich vieles geändert in Mamabougou, seitdem die Menschen von HOPE 87 und der YOU-Stiftung unterstützt werden, seitdem auch wir mithelfen. Eine Schule wurde gebaut, eine Sanitätsstation eingerichtet, und wenn der Staat das Lehrergehalt wieder nicht zahlt, dann springen wir ein. In der vergangenen Regenzeit ist der Mittelteil der Schule eingestürzt. Den werden wir wiederaufbauen. Dieses Mal solider.

Inzwischen drängeln sich die Kinder zu viert in Schulbänke. Lehrer Koitou lacht: „Das macht gar nichts. Unsere Kinder sind friedfertig, sie sind körperliche Nähe gewohnt. Zu Hause schlafen oft vier Kinder in einem Bett. Sie wollen lernen. Und sie lernen gut. Jetzt warte ich dringend auf neue Schulbücher, auf Hefte und auf Schreibgeräte. Aber da wollen Sie ja helfen.“

Ja, das wollen wir. Mithilfe Ihrer Spenden werden wir den eingestürzten Teil der Schule wiederaufbauen. Mithilfe Ihrer Spende werden wir für Schulmaterial sorgen. Und mithilfe Ihrer Spenden werden wir dafür sorgen, dass der Lehrer Maurice Koitou in Zukunft regelmäßig sein Gehalt bekommt. Vielleicht findet er dann ja eine Frau. Mit seinen 37 Jahren könnte er nach afrikanischen Maßstäben schon Großvater sein.

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