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Auf dem Weg nach Norden: Die Route vieler Flüchtlinge, die sich auf den gefährlichen Weg nach Europa machen, verläuft durch Burkina Faso.

Weihnachtsspende 2018

Wer Zukunft hat, der will bleiben

Burkina Faso / Mali - Sie laufen weg. Sie machen sich auf den Weg nach Norden, wollen nach Libyen. Dort, so meinen sie, sei das Tor zum Paradies: Europa, vor allem aber Deutschland. Viele werden das Paradies nicht erreichen. Sie werden sterben oder in Libyen als Sklaven gehalten oder verkauft werden. Das alles verdrängen sie, glauben es nicht oder nehmen es in Kauf.

Wir sind im westafrikanischen Staat Burkina Faso, das zusammen mit dem benachbarten Mali Durchzugsland für die großen Flüchtlingsströme Richtung Europa ist. Hier wollen wir mit unserer Weihnachts-Spendenaktion 2018 Fluchtursachen bekämpfen.

Issouf Koanda (27) arbeitet seit seinem elften Lebensjahr in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou als Steineklopfer. Mit einem Hammer zerschlägt er Granitbrocken zu kleinen Pflastersteinen. Dafür bekommt er umgerechnet etwa drei bis vier Euro in der Woche. Auch er will weg, weg aus dem Dreck, weg von dem Steinstaub, der die Lungen zerfrisst, weg von der mörderischen Sonne im Steinbruch.

Szenenwechsel: Mamabougou ist ein Dorf in Mali, gleich hinter der Grenze zu Burkina Faso. Sialka, fünf oder sechs Jahre alt, genau weiß er das nicht, sitzt auf einem Lehmbrocken, Überrest einer eingestürzten Lehmhütte. Er ist mager, wie fast alle hier hat er Malaria. Der Lehmbrocken gehört zu den Überresten seines Elternhauses. Aber die Eltern sind weg. Aufgebrochen in den Norden vor etwa einem Jahr. Zurückgeblieben sind er und vier Geschwister. Sie sind alle von Verwandten aufgenommen worden, in Afrika eine Selbstverständlichkeit. Von den Eltern hat man nie mehr etwas gehört, Geld ist auch nie angekommen. Ein Kind ohne Zukunft, ohne Chance. Und irgendwann wird er sich einem Treck nach Norden anschließen. Einer von den vielen Millionen jungen Afrikanern, die nur einen Traum haben: Europa.

Flüchtlingslager Goudebou in Burkina Faso: Ein Zaun umschließt das riesige Gelände, das Lager wird bewacht von schwerbewaffneten Soldaten, rein darf man nur mit Genehmigung. Rund 9000 aus Mali geflohene Tuaregs leben hier. Die Sonne brennt, am Nachmittag sind es 42 Grad, der Wind aus der Wüste weht Staubfahnen in die jämmerlichen Zelte. Darin halbnackte Kinder, von Krankheiten gezeichnet, unterernährt.

Es gibt hier Frauen, Kinder und alte Männer. Wer jung und kräftig ist, der ist weg. Ab nach Norden. Der Kontinent verliert seine Zukunft, seinen jungen Menschen. Kein Wunder, solche Lager gibt es zu Tausenden in Afrika. Goudeboun ist kein Platz, um zu leben, sondern um zu sterben.

All das sind Schlaglichter auf eine Situation, die Menschen in die Flucht treibt. Also gibt es keine Hoffnung, keinen Ausweg? Doch, den gibt es. Und für diesen Ausweg starten wir unsere diesjährige Weihnachtsaktion. Wir wollen helfen, für die Kinder und die Jugend Afrikas eine Zukunft in Afrika zu schaffen. Der Zug der Flüchtlinge ist wie ein ständig anschwellender Strom. Wenn man den verringern will, dann muss man die Quelle verstopfen. Das wollen wir, mit Ihrer Hilfe, liebe Leserinnen und Leser.

Wer dort leben kann, wo er geboren wurde, wer dort eine Zukunft sieht, der geht nicht weg. Es ist ein großes Ziel. Unsere diesjährige Weihnachtsaktion wird nur ein kleiner Baustein sein, aber es ist ein wertvoller Baustein.

Sinnvolle Ausbildung eröffnet neue Wege

Die Regierungen halten Konferenzen ab, beschließen große Pläne – und vertun viel Zeit. Die haben wir nicht mehr. Wir müssen handeln. Und zwar jetzt.

Abdoulaye und Alpha, zwei junge Männer, haben in unserem Ausbildungszentrum in Ouagadougou eine Lehre gemacht. Jetzt sind sie selbstständig, verdienen jeder ungefähr drei Euro am Tag. Damit sind sie fast schon wohlhabend. Abdoulaye: „Wir haben uns jetzt ein Motorrad gekauft. Weggehen, warum denn? Mit dem Geld kann ich in zwei Jahren sogar heiraten.“ Dieses Ausbildungscenter wird von uns unterstützt, dort werden dringend mehr und moderne Maschinen zur Metallbearbeitung gebraucht. Dorthin wird ein Teil Ihrer Spenden fließen.

Am Rand von Ouagadougou liegt ein See, das ehemalige Trinkwasserreservoir der Stadt. In der Regenzeit wird er immer größer. Ist die vorbei, dann schrumpft er. Wir unterstützen dort eine Kooperative von Frauen. Die pflanzen auf dem vom Wasser frei gegebenen sehr fruchtbaren Land Gemüse und Kartoffeln. In einem Fortbildungsprogramm lernen sie moderne Anbaumethoden. In einem Jahr konnten so die Erträge um mehr als ein Drittel gesteigert werden. Das bringt Geld, die Männer bleiben, die Kinder können zur Schule gehen. Diese Menschen schaffen sich mit Ihrer Hilfe eine Zukunft. Es gibt für sie keinen Grund mehr, ihre Heimat zur verlassen.

Medizinische Versorgung ist ein Baustein unserer Hilfe

Hauptgründe der Fluchtbewegung sind Hunger, keinerlei Zukunftsaussichten und eine fast aussichtslose Situation in der Gesundheitsfürsorge. Der Ort Finkolo im Grenzgebiet von Mali liegt im Wald- und Buschland. Bürgermeister Drissa Ouattara: „In der Regenzeit sind die Orte nicht erreichbar. Es gibt keine Sanitätsposten, keine Medizin, kein ausgebildetes Sanitätspersonal. Bei einem schweren Unfall oder bei einer lebensbedrohenden Krankheit haben die Menschen kaum eine Chance zu überleben. Kein Wunder, dass mir in meiner Gemeinde jeden Monat ungefähr 200 junge Menschen davonlaufen.“

Dort haben unser Partner, die YOU-Stiftung der UNESCO-Sonderbotschafterin Ute-Henriette Ohoven, und die österreichische Hilfsorganisation HOPE 87 drei Medizinstationen aufgebaut, mit ausgebildeten Hebammen und Sanitätern. Dieses kleine Netzwerk wollen wir mit Ihren Spenden ausbauen.

Im trostlosen Flüchtlingslager bei Dori organisieren wir mithilfe des einflussreichen Ältestenrats eine Ausbildung für die Frauen in Landwirtschaft, Haushalt und Kinderpflege. Die Tuaregs sind sehr gute Handwerker. Mit der Hilfe Ihrer Spenden wird eine Kooperative gegründet, die handwerkliche Produkte herstellt und diese dann in Ouagadougou vertreibt. Lagerpräsident Mohamed Wanadine: „Wir müssen für unsere jungen Männer und Frauen eine Möglichkeit finden, ihr Leben selbst zu bestreiten. Wir sind keine Bettler. Wir können uns selbst helfen, wenn man uns beim Start hilft.“ Genau darum geht es.

Unsere Aktionen in Burkina Faso und Mali sind keine gewaltigen Projekte, die Millionen verschlingen. Es wird keine großartigen Zeremonien geben, es werde keine Bänder von Ministern zur Eröffnung durchschnitten. Unsere Projekte sind gelebte Hilfe zur Selbsthilfe. Das Geld wird nicht in undurchschaubaren Kanälen versickern. Es wird dort ankommen, wo es gebraucht wird.

Die Zeit drängt, wir wollen nicht tatenlos zusehen, wenn immer mehr Flüchtlinge an Europas Grenzen stehen. Seit vielen Jahren schon engagieren wir uns mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, bei unseren Weihnachtsaktionen bei der Bekämpfung von Ursachen für Flucht und Vertreibung. Dies soll auch unser Motto in diesem Jahr sein.

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