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Kommt es zu Schäden durch einen Grubenwasser-Anstieg?

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KREIS RE - Der Kohleabbau hat das Gelände in den Bergbaurevieren teilweise um 20 Meter absinken lassen. In den kommenden Jahren, mit der Flutung der stillgelegten Zechen, könnte eine Gegenbewegung einsetzen. Der Anstieg des Grubenwassers wird nach Einschätzung des Verbandes bergbaugeschädigter Haus- und Grundeigentümer e.V. (VBHG) zu großräumigen Geländehebungen führen.

„Wir reden hier zwar nicht mehr über Meter, sondern über Zentimeter und Dezimeter“, erklärt VBHG-Experte Dr. Volker Baglikow im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch in Problemzonen reiche das, um neue Schäden zu verursachen.

Die RAG versichert zwar, dass auch nach Schließung der letzten Zechen Bergschäden reguliert werden, und rechnet selbst noch auf Jahre hinaus mit entsprechenden Anträgen von Hausbesitzern. Der VBHG verweist indes darauf, dass es im Ruhrgebiet kaum Erfahrungen mit den Folgen des Grubenwasseranstiegs gibt, und erwartet nicht, dass die Verhandlungen mit der RAG leichter werden. Die Interessenvertretung der Haus- und Grundeigentümer fordert von dem Konzern deshalb einen transparenten Umgang mit allen Informationen und Daten zum Grubenwasseranstieg.

Welche Schäden entstehen können, konnte im 1997 stillgelegten Erkelenzer Revier bei Mönchengladbach beobachtet werden. Die Flutung der Abbaufelder verursachte Geländehebungen, die zum Beispiel in dem Örtchen Wassenberg mehrere Häuser unbewohnbar machten. Und das 20 Jahre nach dem letzten Kohleabbau. „Wir haben zwei Jahre gebraucht, um die Ursachen nachzuweisen“, sagt VBHG-Geschäftsführer Detlev Finke.

Mit eigenen Messlinien will der Verband im Ruhrgebiet Veränderungen dokumentieren. Zwei werden nach Angaben des VBHG jetzt im Kreis Recklinghausen neu eingerichtet: In Haltern-Lippramsdorf, wo aus Zeiten des aktiven Kohleabbaus durch das Bergwerk Auguste Victoria (AV) viele Bergschäden resultieren, sowie in der sogenannten „Vestischen Klüftungszone“. Hier handelt es sich um eine tektonische Störung, die sich von Gelsenkirchen-Buer über Herten-Scherlebeck bis in den Recklinghäuser Norden zieht.

Verjährungsfrist wird außer Kraft gesetzt

Das Tückische an den Geländehebungen durch den Grubenwasseranstieg ist, dass Areale betroffen sein können, die gar nicht direkt im Einwirkungsbereich des Kohleabbaus lagen. Das Wasser halte sich nicht an solche Begrenzungen, sagt VBHG-Markscheider Volker Baglikow. Auch könnten Gebiete in Bewegung geraten, in denen schon seit vielen Jahren „Bodenruhe“ herrsche.

Bergschäden können verjähren, wenn sie nicht spätestens 30 Jahre nach Abbauende geltend gemacht worden sind. Diese Frist wird nach Angaben von Geschäftsführer Detlev Finke jedoch außer Kraft gesetzt, wenn durch die Flutung der Zechen ein Schaden entsteht. „Das Abstellen der Pumpen ist ein völlig neuer Vorgang“, versichert er.

Der VBHG rechnet ohnehin damit, dass das Volumen der zu bearbeitenden Bergschäden in den kommenden Jahren nicht signifikant sinken wird. Im Kreis Recklinghausen ist die Zahl der abschließend bearbeiteten Fälle im letzten Jahr sogar um 18 Prozent gestiegen, die Zahl der Mitgliedschaften immerhin um 1,2 Prozent.

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