Wirtschaft

Beschäftigungszahl steigt – besonders im Gesundheitswesen

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Kreis RE - Das Ruhrgebiet meldet ein Plus bei der Beschäftigung. Im Vest fällt die Entwicklung sogar besser aus. Doch es gibt noch eine andere Wahrheit.

Die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen lässt das Ruhrgebiet jubeln. Rasmus C. Beck, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Business Metropole Ruhr (BMR), spricht von einem Boom und sieht das Ruhrgebiet längst nicht mehr als wirtschaftlichen Bremsklotz in NRW. Im Kreis Recklinghausen ist die Beschäftigung im vergangenen Jahr sogar noch stärker gewachsen als im Revier insgesamt. Doch bei einem Blick hinter die Zahlen drängt sich ein deutliches „Aber“ auf.

Fakt ist: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse hat 2018 im Ruhrgebiet um 39.119 zugenommen (plus 2,3 Prozent). Das ist dem jüngsten Wirtschaftsbericht der BMR zu entnehmen. Der Kreis Recklinghausen hat mit 4536 Stellen einen nicht unerheblichen Anteil an dieser Entwicklung. Das Plus betrug hier im Vergleich zum Vorjahr sogar 2,8 Prozent und liegt damit noch über dem Wert der Boom-Region Münsterland (2,7 Prozent).

Doch was sind das für Arbeitsplätze, die im Vest neu geschaffen worden sind? Knapp ein Drittel des Zuwachses entfällt nach einer Statistik der Arbeitsagentur Recklinghausen auf Helfertätigkeiten, 44 Prozent der zusätzlichen Beschäftigung sind Teilzeitjobs. Beide Kategorien stehen nicht für hohe Einkommen, ihre Wirkung auf Steuer- und Kaufkraft der Region ist somit begrenzt.

Trotzdem sei es gut, dass es diese Beschäftigungsmöglichkeiten gebe, betont Anke Traber, Leiterin der Arbeitsagentur. Helferjobs – zum Beispiel bei den Logistikern Metro und Arvato in Marl und Dorsten – böten Langzeitarbeitslosen die Chance zum Wiedereinstieg ins Berufsleben. Und Teilzeitstellen hülfen vielen Frauen, nach der Familienphase eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Wie viele Teilzeit-Beschäftigte tatsächlich lieber Vollzeit arbeiten würden, aber kein passendes Angebot finden, dazu gibt es keine Statistik.

Das Gesundheitswesen legt am deutlichsten zu

„Das Ruhrgebiet wechselt vom Standstreifen auf die Überholspur“, kommentierte der für die Ruhrkonferenz zuständige Landesminister Stephan Holthoff-Pförtner (CDU) die aktuelle Entwicklung im Revier. Die Region überhole mit ihrer Dynamik sogar den Bund. Wer allein die Zuwachsraten bei der Beschäftigung in den Blick nimmt, kann zu diesem Ergebnis kommen.

Dass zwischen dem Ruhrgebiet und prosperierenden Regionen wie etwa dem Münsterland noch Welten liegen, belegt allerdings die Beschäftigungsquote, die die Zahl der vorhandenen Arbeitsplätze in Relation zur Bevölkerung (15 bis 65 Jahre) setzt. In den Revierstädten liegt diese Quote zwischen 50 und 55 Prozent (Kreis RE: 54,6), in den Münsterlandkreisen rangiert sie deutlich jenseits der 60-Prozent-Marke. Die Beschäftigungsquote bundesweit beträgt 59,9 Prozent.

Im Kreis Recklinghausen gehen 167.427 Männer und Frauen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Drei von vier Jobs sind dem Dienstleistungsbereich zuzuordnen. Das Gesundheitswesen ist dabei nicht nur die Branche mit den meisten Stellen (17.886), sondern verzeichnete 2018 auch den größten Zuwachs an Beschäftigung im Vergleich zum Vorjahr (plus 692). Arbeitsagenturchefin Anke Traber bezeichnet diese Arbeitsplätze als krisensicher – auch in einer „Arbeitswelt 4.0“. „Maschinen werden diese Arbeitskräfte nicht ersetzen können“, sagt sie.

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